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Album der Woche : Stimme belegt, Herz wieder frei

Bild: Oliver Rath

Ein Fernsehspaßvogel kehrt zurück zum Lied: Olli Schulz zieht auf seinem neuen Album „Feelings aus der Asche“. Als Liedermacher schielt der Phönix neuerdings auf ein etwas breiteres Publikum.

          Wer Olli Schulz nur aus dem Fernsehen kennt, hat vielleicht nicht den besten Eindruck von ihm. Was er auch macht, er scheint dort so etwas wie der Blödler vom Dienst zu sein, der sich für keinen derben Spaß zu schade ist.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Als Sidekick von Joko und Klaas bei Zielgruppensendungen für die unter Zwanzigjährigen hat man es zwar auch gewiss nicht leicht, aber eine wirkliche Entschuldigung für den Käse, der dabei herauskommt, ist das nicht. Im Radio ist das kaum anders: Da blödelt Schulz regelmäßig mit Jan Böhmermann in einer Talksendung, die zwar immerhin lichte und lustige Momente hat, aber wie man so ein ungeregeltes Herumplappern stundenlang aushalten soll, weiß auch kein Mensch.

          Zwischen alldem kann man leicht übersehen, dass der 1974 in Hamburg Geborene eigentlich ganz anders angefangen hat: Vor elf Jahren debütierte er mit seiner Band Olli Schulz und der Hund Marie als Liedermacher, und dieses Album mit dem Titel „Brichst Du mir das Herz, brech’ ich Dir die Beine“ hatte durchaus Charme, schwebte zwischen Chanson und Diskursrock, musste aber gerade den Kollegen der Hamburger Schule, die Schulz zuvor jahrelang beobachtet hatte, das Gefühl geben, dass es auch alles ein bisschen leichter und humorvoller geht - zum Beispiel bei dem sehr uneuphorisch gesungenen Geschenklied „Nimm mein Mixtape, Babe“ oder bei guten Rocksongs wie „Unten mit dem King“. Es folgten weitere Alben, die nicht von schlechten Eltern sind.

          Immer noch so schön wie früher

          Mit dem Musizieren hat Schulz auch nach Beginn seiner Fernsehkarriere nicht aufgehört, es ist nur etwas in den Hintergrund getreten, weil man eben auf Pro Sieben eine viel größere Zahl Menschen erreicht als unter dem Label Liedermacher. Dass er inzwischen überall erkannt wird, hat er kürzlich als unangenehme Erfahrung beschrieben, verbunden mit der Nachricht, nun nach fast exzessiver Präsenz beim Fernsehen kürzertreten zu wollen. Er ist von Berlin-Kreuzberg in den Grunewald umgezogen, und das musikalische Album, das er nun veröffentlicht, weist ebenfalls Merkmale des Rückzugs und der Besinnung auf. Da ihm die halb englischen Titel wohl nach wie vor liegen, hat er es „Feelings aus der Asche“ (Trocadero/Indigo) genannt, was nun auch wieder halb geblödelt, aber irgendwie auch ein ganz nettes Wortspiel mit melancholischer Note ist.

          Der neue Phönix ist nicht mehr ganz der alte Olli Schulz, sondern vielleicht einer, der auf ein etwas breiteres Publikum schielt - so zumindest denkt man bei einem Lied mit dem Titel „Kinder der Sonne“, das auch von Peter Maffay sein könnte. Der Charme ist trotzdem manchmal noch da: Es gibt da etwa wieder ein Stück über die gute alte Mixtape-Ära, in der man halbe Lieder aus dem Radio mit Rauschen auf Kassetten aufnahm. Das war für Olli Schulz die Zeit, „Als Musik noch richtig groß war“, während sie heute, das ist die Pointe des Songs, zwar durch Dauerstreaming und Gratisdownload entwertet und kleingemacht wird - aber trotzdem „immer noch so schön“ ist wie früher.

          Eine Schwärze, die man so noch nicht von ihm kannte

          Ganz so versöhnlich gehen nicht alle Geschichten aus, die hier singend erzählt werden. Bei „Mann im Regen“ zieht sich jemand an die Küste zurück, während in der Stadt wohl die Beziehung zur Frau auf Pause gestellt ist; beim Titelstück, welches den Schlusspunkt setzt, begegnet einem dann eine Schwärze, die man so von Olli Schulz noch nicht kannte, aber auch die schöne Zeile „Meine Stimme ist belegt, doch mein Herz ist wieder frei“.

          Was auch erfreulich ist: Das Lied als begrenzte, klare Form ist das Gegenteil des randlosen Dampfplauderns und Blödelns, und in dieser Form hört man Olli Schulz viel lieber zu.

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