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Veröffentlicht: 19.05.2017, 20:38 Uhr

Album der Woche Ist das Bett ein Schiff, oder ist es der Ozean?

Mit einem witzigen Bettvideo wurde Oren Lavie bekannt. Jetzt hat er ein ganzes Album zum Thema gemacht: „Bedroom Crimes“. Ist denn ein Duett mit Vanessa Paradis ein Verbrechen?

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© Oren Lavie Am Ort des Geschehens: Oren Lavie

Es ist sehr reizvoll, sich mit der Geschichte des Betts in der Lyrik zu befassen; noch besser, sich gleich die passende Songauswahl dazu vorzustellen. Bezieht man auch die Kunst des Musikvideos mit ein, dann darf auf keinen Fall eines fehlen, nämlich das witzige Stop-Motion-Kunstwerk, das für Oren Lavies Lied „Her Morning Elegance“ entstanden ist und zu einem Klick-Hit wurde: das Bett mal als Schiff, mal als Ozean, und manche fahren darin sogar Fahrrad.

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Fast zehn Jahre ist das her, aber nun hat der ungewöhnliche Popstar Lavie, der in Tel Aviv geboren wurde, in London Theater studierte, inzwischen mitunter in New York lebt und sowohl Regisseur als auch Kinderbuchautor geworden ist, sich des Bett-Themas noch einmal richtig angenommen und ein ganzes Album darüber gemacht.

© Oren Lavie Oren Lavie: „Her Morning Elegance“

Der Titel verrät bereits, dass es diesmal nicht nur niedlich und nett wird: „Bedroom Crimes“ heißt es, und es ist geprägt von melancholischer Rückschau. Wenn man so will, ist das Album eine Variation über das schöne Zitat aus Xavier de Maistres „Reise um mein Zimmer“ (1794), in dem es heißt: „Ein Bett sieht wie wir geboren werden und wie wir sterben; es ist die Bühne, auf der das Menschengeschlecht abwechselnd interessante Dramen, lächerliche Possen und entsetzliche Tragödien aufführt. – Es ist eine mit Blumen geschmückte Wiege; – es ist der Thron der Liebe; – es ist ein Grab.“

Reflexe dieser so verschiedenen Bestimmungen des Betts finden sich in den einzelnen Liedern: Die „Sonata Sentimental No. 2“ etwa handelt von den Verbrechen, die man im Traum begeht und manchmal auch unter den Laken, die düstere Ballade „Secondhand Lovers“ sieht in der Wiederholung gewisser Bettrituale dann eher die Posse und erinnert etwas an die einsamen Menschen aus dem Rilke-Gedicht, die einander hassen und doch in einem Bett zusammen schlafen müssen. 

Dass das Bett auch einmal Thron der Liebe war, kann man bei dem Song „Autopsy Report“ zumindest erahnen, auch hier ist es allerdings eine Rückschau auf jemanden, der offenbar an gebrochenem Herzen gestorben ist, zumindest ist er von der Bettkante gerutscht und liegt nun regungslos auf dem Boden.

© Oren Lavie Oren Lavie: „Did You Really Say No“

Wer jetzt denkt: „That's not funny!“, der mag zumindest Trost in Oren Lavies Baritonstimme finden, denn die hat mitunter Qualitäten einer warmen Bettdecke sowie alter, weiser Jazz-Crooner („Note to Self“). Die flächigen Synthie-Sounds und Streicherarrangements, die das Album in eine Reihe mit der schwelgerischen Popmusik von Beach House oder dem französischen Duo Air stellen, sind dann die Daunen in der Decke.

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Den rätselhaftesten Text hält schließlich ein Lied bereit, in dem Lavie im Duett mit Vanessa Paradis singt - es geht in „Did You Really Say No?“ um das Missverstehen von Wünschen und auch die bewusste Zuwiderhandlung. Da sich die unschuldige Babystimme von Paradis seit „Joe le Taxi“ kaum verändert hat, erhält Lavies Bariton hier ein luftiges Gegenstück, der Song aber auch eine unheimliche Note, ein bisschen wie bei der Mordballade von Nick Cave und Kylie Minougue.

Damit man nicht ganz versumpft in der dunklen Stimmung, gibt es am Schluss des Albums das beschwingte „Her Morning Elegance“, von dem zu Beginn die Rede war, als Bonus dazu. Und wenn man sich das Video dazu dann noch einmal ansieht, wird man vielleicht doch nicht vor Angst auf dem Boden schlafen.

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