Home
http://www.faz.net/-gse-74eeq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

CD der Woche: Sera Cahoone Im Canyon der Kindheit

Ihre ersten beiden Platten waren solide Singer/Songwriterarbeit. Die dritte nun führt tief in die nebligen Wälder des pazifischen Nordwestens: „Deer Creek Canyon“ von Sera Cahoone.

© Sub Pop SPCD 1005 (Cargo) Hörprobe: Der Titelsong aus Sera Cahoones „Deer Creek Canyon“

Die biographischen Sonderbarkeiten, die gern in Klappentexten aufgezählt werden, glaubten wir so langsam alle zu kennen, seien es nun Anstellungen als Teller- oder Leichenwäscher oder die Abstammung von Milchmännern und Cree-Indianern. Aber „Tochter eines Dynamitverkäufers aus Colorado“, das ist ein neuer Höhepunkt des Genres. Als solche wird die Folk-Sängerin Sera Cahoone ausgegeben - schon der Nachname klingt wie aus einer Lucky-Luke-Geschichte.

Jan Wiele Folgen:  

Doch sobald man auch nur ein Lied von ihr gehört hat, würde man dieser Frau so gut wie alles glauben, zum Beispiel auch, was sie im Titelsong ihres dritten Soloalbums singt: „Deer Creek Canyon is where I am from.“ Es wäre natürlich noch kein echter Folk, wenn die Dame ihren Canyon niemals verlassen hätte.

© Hillary Harris, Sub Pop SPCD 1005 (Cargo) Hörprobe: „Every Little Word“ aus Sera Cahoones „Deer Creek Canyon“

Sera Cahoone ist bis in den Norden des amerikanischen Bundesstaats Washington gewandert, wo sie ein Skateboardgeschäft eröffnete und sich dann Schritt für Schritt in der Musikszene von Seattle vorwagte - zunächst als Schlagzeugerin, etwa bei der Band of Horses, die ebenso wie sie auf dem Label „Sub Pop“ veröffentlicht. Dieses Label steht längst nicht mehr nur für Grunge-Rock.

Die ersten beiden Platten Cahoones waren solide Singer/Songwriterarbeit. Die dritte nun ist näher am Country, sie führt tief in die nebligen, mit Moosen und Farnen bewachsenen Wälder des pazifischen Nordwestens. Dies findet auch Ausdruck in der überaus ansprechenden graphischen Gestaltung des Albums, bis hin zum Papier.

Mehr zum Thema

Das Werk lebt ganz von der schmerzhaft empfundenen Distanz zur fernen Heimat und dem Canyon der Kindheit, die beide vielleicht ganz verloren sind - und wird eben dadurch zu einem klassischen Americana-Album, dass sich auch durch Banjo, Violine und dezente Pedal-Steel-Harmonien klar zu dieser Tradition bekennt.

Bei der Produktion stimmt einfach alles: ob nun in fast symphonisch vollen Klangeindrücken wie „Every Little Word“ oder auch in abgespeckteren Songs wie „Shakin’ Hands“, die nur zu gezupfter Stahlsaitengitarre und Fingerschnipsen vorgetragen werden. Die Stimme von Sera Cahoone ist aber nicht Dynamit, sondern reiner Waldhonig, dazu mit einem überirdischen Hall versehen, der den Größen der Countrymusik alle Ehre macht. Das erhebt die Sängerin mit Leichtigkeit in eine Liga mit den Cowboy Junkies, Gillian Welch oder Jenny Lewis - so dass wir mit dem Schlusslied nur gerührt „Oh My“ seufzen können.

Sera Cahoone, Deer Creek Canyon. Sub Pop SPCD 1005 (Cargo)

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rangliste der Musikindustrie Taylor Swift verkaufte sich 2014 am besten

Keiner hat 2014 so viele Platten verkauft wie Taylor Swift. Ihr Album 1989 wurde allein in der ersten Woche 1,2 Millionen Mal gekauft. Trotzdem war ein anders Album noch beliebter. Mehr

24.02.2015, 05:50 Uhr | Feuilleton
Los Angeles Soulsänger Sam Smith Star bei Grammyverleihung

Der 22-jährige Soulsänger Sam Smith ist bei den Grammys in Los Angeles sowohl für die Platte des Jahres als auch für den Song des Jahres geehrt worden. Weitere Preise gingen an Beck, Pharrell Williams und Beyoncé. Mehr

09.02.2015, 11:05 Uhr | Feuilleton
Ausstellung von Björk im MoMA Hängen Popsongs an den Wänden?

Das Museum of Modern Art zeigt das Werk der isländischen Sängerin Björk. Was ist das aber: das Werk eines Popstars? Und was tut man damit im Museum? Wir haben Björk mal angerufen. Mehr Von Boris Pofalla

24.02.2015, 19:31 Uhr | Feuilleton
Album der Woche Björk Vulnicura

Björk Stonemilker Mehr

23.01.2015, 18:43 Uhr | Feuilleton
Pop-Sängerin Christine Die Blumen welk, der Liebhaber kalt

Drei Drag Queens gaben ihr den Rat, das Theater hinter sich zu lassen. So wurde aus der Kindfrau Héloïse Letissier die Sängerin Christine. Frankreich hat sie schon erobert, jetzt ist Deutschland dran. Mehr Von Lena Bopp

21.02.2015, 22:07 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.11.2012, 13:47 Uhr

Helikopterkinder

Von Sandra Kegel

Knatternde Rotorenblätter, aufheulende Martinshörner, durchdringende Megaphon-Durchsagen: Wenn Hessens Abiturprüfungen auf die EZB-Eröffnung treffen. Mehr