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CD der Woche: Sera Cahoone : Im Canyon der Kindheit

Hörprobe: „Deer Creek Canyon“ Bild: Sub Pop SPCD 1005 (Cargo)

Ihre ersten beiden Platten waren solide Singer/Songwriterarbeit. Die dritte nun führt tief in die nebligen Wälder des pazifischen Nordwestens: „Deer Creek Canyon“ von Sera Cahoone.

          Die biographischen Sonderbarkeiten, die gern in Klappentexten aufgezählt werden, glaubten wir so langsam alle zu kennen, seien es nun Anstellungen als Teller- oder Leichenwäscher oder die Abstammung von Milchmännern und Cree-Indianern. Aber „Tochter eines Dynamitverkäufers aus Colorado“, das ist ein neuer Höhepunkt des Genres. Als solche wird die Folk-Sängerin Sera Cahoone ausgegeben - schon der Nachname klingt wie aus einer Lucky-Luke-Geschichte.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Doch sobald man auch nur ein Lied von ihr gehört hat, würde man dieser Frau so gut wie alles glauben, zum Beispiel auch, was sie im Titelsong ihres dritten Soloalbums singt: „Deer Creek Canyon is where I am from.“ Es wäre natürlich noch kein echter Folk, wenn die Dame ihren Canyon niemals verlassen hätte.

          Sera Cahoone ist bis in den Norden des amerikanischen Bundesstaats Washington gewandert, wo sie ein Skateboardgeschäft eröffnete und sich dann Schritt für Schritt in der Musikszene von Seattle vorwagte - zunächst als Schlagzeugerin, etwa bei der Band of Horses, die ebenso wie sie auf dem Label „Sub Pop“ veröffentlicht. Dieses Label steht längst nicht mehr nur für Grunge-Rock.

          Die ersten beiden Platten Cahoones waren solide Singer/Songwriterarbeit. Die dritte nun ist näher am Country, sie führt tief in die nebligen, mit Moosen und Farnen bewachsenen Wälder des pazifischen Nordwestens. Dies findet auch Ausdruck in der überaus ansprechenden graphischen Gestaltung des Albums, bis hin zum Papier.

          Das Werk lebt ganz von der schmerzhaft empfundenen Distanz zur fernen Heimat und dem Canyon der Kindheit, die beide vielleicht ganz verloren sind - und wird eben dadurch zu einem klassischen Americana-Album, dass sich auch durch Banjo, Violine und dezente Pedal-Steel-Harmonien klar zu dieser Tradition bekennt.

          Bei der Produktion stimmt einfach alles: ob nun in fast symphonisch vollen Klangeindrücken wie „Every Little Word“ oder auch in abgespeckteren Songs wie „Shakin’ Hands“, die nur zu gezupfter Stahlsaitengitarre und Fingerschnipsen vorgetragen werden. Die Stimme von Sera Cahoone ist aber nicht Dynamit, sondern reiner Waldhonig, dazu mit einem überirdischen Hall versehen, der den Größen der Countrymusik alle Ehre macht. Das erhebt die Sängerin mit Leichtigkeit in eine Liga mit den Cowboy Junkies, Gillian Welch oder Jenny Lewis - so dass wir mit dem Schlusslied nur gerührt „Oh My“ seufzen können.

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