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CD der Woche: Saint Lu : Fräuleinwunder gibt es immer wieder

Hörprobe: „Don’t Miss Your Own Life “ Bild: Warner Music Group

Blues und Rock ergibt Bluesrock: Die Sängerin Saint Lu debütiert mit einer Platte im Geiste von Hendrix, Joplin und Led Zeppelin. Unerfreuliche Anklänge an den Pressgesang der Achtziger gibt es zwar auch, aber eine Alternative zu Norah Jones ist sie allemal.

          Braucht man so eine: eine Sängerin, die klingt wie Anastacia, Joss Stone, Duffy und vielleicht auch Amy Winehouse, die ja ihrerseits klingen oder zumindest klingen wollen wie Aretha Franklin, Diana Ross und Dusty Springfield? Man braucht so eine.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Saint Lu, das neueste Pferdchen im Warner-Stall, klingt irgendwie wie Anastacia, Joss Stone, Duffy, Amy Winehouse, Aretha Franklin, Diana Ross und Dusty Springfield zusammen und ist damit wirklich die „Multifunctional Mum“, die sie selbst besingt. Man wird auch „Fräuleinwunder“ zu ihr sagen dürfen, aber sie ist eines eher von Gnaden Janis Joplins und deren Vorbild Big Mama Thornton. Denn es ist entschieden Rockmusik, recht heavy sogar, was ihrem intonationssicheren, zuweilen soulig klingenden Organ unterlegt ist.

          Gespieltes Bluesfeeling

          Man merkt, dass Saint Lu im Alter von zwölf Jahren gar nicht wusste, dass es außer Hendrix und Led Zeppelin noch andere Musik gibt, und freut sich dann auch, dass ihre Debütplatte „Saint Lu“ so entschlossen geraten ist. Bis auf „Ankle Biter“ und den balladig-verhaltenen Bluesrock „Here I Stand“ setzt sie auf Tempo und Härte; insofern ist das Verlautbarungs-PR-Versatzstück „Orkan“ hier nicht fehl am Platz. Hinzufügen können hätte man neben den rockklassischen Vergleichsgrößen allerdings auch weniger erfreuliche Achtziger-Erscheinungen wie Taylor Dayne, deren Press- und Quetschgesang man damals für Bluesfeeling hielt.

          Auf diesen Spuren wandelt Saint Lu nämlich durchaus auch. Aber man soll nicht meckern. Wer eine Alternative zu der nach wie vor gepflegt-lahmarschigen Norah Jones sucht, kommt auf seine Kosten. Anspieltipps: Neben dem unwiderstehlichen Auftakt „Don´t Miss Your Own Live“ wäre das geradezu elegant-sophisticated daherkommende „Mister Blow“ zu empfehlen.


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