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CD der Woche: Leonard Cohen Sportsmann, Beschützer, Mistkerl

Von Zeit zu Zeit hören wir den Alten gern: Leonard Cohen widmet sich auf seinem neuen Album alten Ideen und beeindruckt in „Old Ideas“ mit seinem kellertiefen Bass.

© AFP/ Joel Saget, Sony Music CD der Woche: Leonard Cohen „Old Ideas“

Einer betrügerischen Managerin haben wir es zu verdanken, dass Leonard Cohen überhaupt noch einmal auf die Konzertbühnen dieser Welt zurückgekehrt ist. Kelley Lynch hatte ihn um acht Millionen Dollar gebracht, Cohen brauchte Geld. Von seiner Welttournee 2008 bleiben nicht nur Erinnerungen an großartige Konzerte zurück, sondern auch das Doppelalbum „Live in London“, auf dem Cohen sich als funkelnder Entertainer erweist, der immer ein paar knarzige altersweise Witze im Gepäck hat.

„Es ist lange her, dass ich auf einer Bühne in London gestanden habe“, sagt er da zum Beispiel. „Das war vor vierzehn oder fünfzehn Jahren, da war ich sechzig Jahre alt - nur ein verrücktes Kind mit einem Traum.“

Cohens letztes Studioalbum erschien vor acht Jahren. Sein neues ist instrumental ähnlich reduziert wie die beiden letzten, von der Kritik verschmähten Platten „Ten New Songs“ und „Dear Heather“. „Seichte Säusellieder, umspült von den Wellen der Wellness“, attestierte ihm der „Rolling Stone“, und das ist sicher nicht ganz falsch, aber auch ungerecht.

Ein Klavier entfaltet sich sanft

Cohen hat sich - entgegen seinem Image war er nie der Barde, der lediglich zur akustischen Gitarre greift - schon immer für eine zeitgemäße musikalische Umsetzung seiner Songs interessiert, sein Comeback-Album „The Future“ von 1992 klingt geradezu knallig modernistisch.

Auf seinem neuen Album „Old Ideas“ (Columbia/Sony) legt nun ein Synthesizer-Bass die rhythmische und melodische Fährte, auf dem sich ein raschelndes Schlagzeug, vereinzelte Streichinstrumente und auch mal ein Klavier sanft entfalten dürfen. Das für Cohen-Verhältnisse geradezu aufgekratzte, vorab als Single kursierende „The Darkness“ macht zu Beginn akustische Anleihen bei seinem bekanntesten Song „Suzanne“, entfernt sich dann aber, dank einer beschwingten Orgel und klug eingesetzter Background-Damen, in eine völlig andere Richtung. Zu diesen Sängerinnen gehören nicht nur Cohens ehemalige Musen Jennifer Warnes und Sharon Robinson, sondern auch die fabelhaften britischen Webb Sisters, die längst mit eigenen Platten hervorgetreten sind.

© Sony Music CD der Woche: Leonard Cohen „Old Ideas“

Und dann ist da natürlich diese Stimme, die immer noch tiefer zu werden scheint. Von Gesang konnte man bei Leonard Cohen ja eigentlich noch nie sprechen, sein kellertiefer Bass ist aber auch im Rezitativ eindrucksvoll genug. „I know you can’t forgive me, but forgive me anyhow“, murmelt er da etwa in „Anyhow“, während wiederum Frauenstimmen und eine Orgel ihn leise umschmeicheln.

Ein paar charmante Reminiszenzen

Cohens Klassiker „Hallelujah“ wird mit „Amen“ fortgesetzt, und in „Going Home“, dem Auftakt-Song des Albums, verstreut er ein paar charmante Reminiszenzen an seine eigene Karriere (“I’d love to speak with Leonard, he’s a sportsman and a shepherd, he’s a lazy bastard living in a suit“). Das Lied „Come Healing“ schließlich klingt wie ein Gebet.

„Diese Platte muss zum Arzt“, hat Diedrich Diederichsen einmal über „Poetic Champions Compose“ von Van Morrison geschrieben, und diese Diagnose passt auch ganz gut zu „Old Ideas“, einem Alterswerk, das fragil wie selten klingt.

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Als Hörer ist man geradezu stolz auf Cohen, wenn der es wieder einmal schafft, aus kargen Fragmenten einen Song wie „Banjo“ zu formen, in dem auf einmal eine Blaskapelle ihr rostiges Haupt aus dem dahinplätschernden Pling-Pling reckt.

Leonard Cohen ist mittlerweile 77 Jahre alt. Im Gegensatz zu Bob Dylan und Neil Young hat er nicht mit Anfang zwanzig den Durchbruch erlebt, sondern erst mit Mitte dreißig - da lag bereits eine Karriere als Literat hinter ihm. Sein Alter betrachtete er bereits vor drei Jahren beim Auftritt in London amüsiert, als er seinen Lehrer zitierte, der ihm im Alter von 97 Jahren sagte: „Excuse me for not dying“ - mittlerweile fühle er sich genauso.

Quelle: F.A.Z.

 
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