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Album der Woche : Die Perfektion des Kürzel-Raps

  • -Aktualisiert am

Zurück als „ASD“: die Rapper Afrob (rechts) und Sammy Deluxe Bild: dpa

Tiefer Griff in die Nostalgiekiste: Als Duo ASD suchen Afrob und Samy Deluxe zwölf Jahre nach ihrem Debüt nun mit dem Album „Blockbasta“ wieder den Sound, mit dem sie Deutschrap einst prägten.

          Blockbuster nannte man Fliegerbomben, die im Zweiten Weltkrieg bei Einschlag einen ganzen Häuserblock zerstörten. Abgesehen vom Albumtitel geben sich Afrob und Samy Deluxe auf der neuen Scheibe allerdings ziemlich brav, geradezu pazifistisch. Gerade so, als wären sie wieder die unbedachten Fünfundzwanzigjährigen, als die sie 2003 mit ihrem Debüt „Wer hätte das gedacht?“ Deutschrap-Geschichte schrieben.

          In der Zwischenzeit hat vor allem Samy versucht, sich immer wieder neu zu inszenieren: Als Familienvater, als Patriot, als der Verschwörungstheoretiker Herr Sorge und mit seiner Serie „Männlich Deluxe“ auf DMAX nicht zuletzt als Maskulinist.

          Gitarrensound zu Kürzel-Rap

          Höchste Zeit also, dass der Hamburger sich wieder mit dem Stuttgarter Rapper zusammentut, um über die guten, alten Zeiten zu rappen. Afrob, der mit seinen Soloprojekten weniger Erfolg hatte, kann ein Lied davon singen, dass das mit einem „Bruda“ an der Seite immer noch am besten geht. Die Beats dazu kommen diesmal ausschließlich aus der deutschsprachigen Szene. Auch die drei Songs, die Benjamin Bazzazian liefert, der Produzent des Rappers Haftbefehl, klingen ebenso „oldschool“ wie die Texte des Duos. In der obligatorischen Antikriegshymne „Überall ist Krieg“ reflektieren die beiden zwar, dass sie nicht mehr Mitte zwanzig sind, aber am liebsten hätte Samy wieder das Jahr 2003, als er vom Kiffen noch keine „Tortellini-Augen“ bekam.

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          Der Track „Legendär/Populär“, zu dem es ein kunstvolles Schwarzweiß-Video veröffentlicht gibt, erinnert sogar an die Fantastischen Vier in den neunziger Jahren. Die waren nicht nur 1995 schon „Populär“, sondern etablierten mit „MfG“ das Genre des Kürzel-Raps, das ASD hier über rockigem Gitarrensound geradezu perfektionieren.

          So unaufgeregt wie früher

          In „Mensch gegen Maschine“ greifen Afrob und Samy Deluxe allerdings etwas zu tief in die Nostalgiekiste. Auf einem treibenden Beat, der selbstverständlich auch am Rechner entstanden ist, ruft Samy zum Kampf der Menschheit gegen die „Social-Media-Mafia“ auf. Eingeleitet wird der Track von einem Zitat aus den RAF-Prozessen. Die Tatsache, dass ASD nicht einmal wissen, von wem das Zitat stammt, verdeutlicht, wie wenig Haltung hinter der tolerant linksliberalen Attitüde des Albums steckt.

          Trotz aller inhaltlicher Schwäche: Die technischen Fertigkeiten von Afrob und Samy greifen noch immer perfekt ineinander, auch wenn der erste mit seinen etwas umständlicheren Parts wieder im Schatten seines Kollegen steht. Mit Max Herre („Deadline“) als Featured Artists haben sich ASD allerdings keinen Gefallen getan. Herres Singsang zerstört geradezu die Unmittelbarkeit des Albums. Und spätestens mit dem müden „Ich seh was“-Refrain von Nena, die ASD wiederum auf ihrem Album „Oldschool“ unterstützt hatten, ist der Versuch misslungen, neben ihren junggebliebenen Fans ein breiteres Publikum zu gewinnen.

          Nach all den Mätzchen, die Samy Deluxe in den letzten Jahren als Solo-Künstler unternommen hat, wirkt dieses Rap-Album solide und unaufgeregt. Dass „Blockbasta“ trotzdem längst nicht so einschlägt wie einst das ASD-Debüt, ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass Samy und Afrob „in den Zeiten vor den Hashtags und vor Yolo“ selber alles besser fanden. Samys Zeile „Ab jetzt schreib ich jedes Lied, als wär’s das letzte Lied“ lässt hoffen, das letzte Wort von ASD bleibe nicht „Blockbasta“.

          ASD: „Blockbasta“ (Four Music).

          Quelle: F.A.Z.

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