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Album der Woche : Akopalüze nau

Die Menschheit werde bald an ihr grausames Ende gelangen, singt Father John Misty Bild: Julia Zimmermann

Das Leiden an der amerikanischen Moderne bringt gute Musik hervor: Father John Misty ist auf seinem Album „Pure Comedy“ mal wieder in Weltuntergangsstimmung.

          Es muss amerikanische Künstler unglaublich nerven, dass sie derzeit immer nur auf Donald Trump angesprochen werden und alles andere hinter diesem Thema verblasst. Die Möglichkeiten, hier noch etwas Originelles zu sagen, scheinen längst erschöpft. Umgekehrt gibt es natürlich auch Künstler (und noch mehr Journalisten), die genau das versuchen, so langweilig es mitunter auch wirkt.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Der amerikanische Sänger Father John Misty gehört zu den Genervten, und er hat sogar schon öffentlich gesagt, wie sehr es ihm stinke, dass sein neues Album „Pure Comedy“ nun als Allegorie auf Amerika unter Trump verstanden wird. Wenn Weltuntergangsstimmung als Indiz dafür schon genügte, könnte man das ja noch glauben – aber man braucht nur einen Blick auf Father John Mistys bisheriges Werk zu werfen, um zu sehen, dass diese Stimmung bei ihm schon lange vor Trump aufgekommen ist.

          Als der Folkmusiker Joshua Tillman, der eine Weile Schlagzeuger bei den Fleet Foxes war, sich 2012 seinen neuen Künstlernamen zu- und das großartige Album „Fear Fun“ vorlegte, erwies es sich als von Apokalyptik tief geprägt: Das Lied „Funtimes in Babylon“ projiziert die aus der Offenbarungsgeschichte bekannte Rede von der „Hure Babylon“ noch einmal auf die moderne Welt, wie dies auch schon Alfred Döblin in seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ oder Rastafaris wie Bob Marley getan hatten.

          Der moderne Moloch schlechthin scheint für Father John Misty Los Angeles zu sein, und an diese Idee schließt er auf dem neuen Album nun noch einmal an: mit einer vierzehnminütigen, zehnstrophigen Ballade namens „Leaving L.A.“ nämlich. Die Stadt erscheint ihm darin als eine, in der „only the armed or the funny make it out alive“, und zu welcher Gruppe der Father gehört, ist ja klar. Also setzt man sich auf einen Hügel und schaut zu, wie der Tsunami die anderen fortspült.

          Die Suada dieses Songs enthält außerdem so manche Spitze gegen die Internetgesellschaft und insbesondere gegen die Musikindustrie (von „L.A. phonies and their bullshit bands“ ist die Rede); außerdem noch eine Art humoristische Biographie des 1981 geborenen Sängers:

          „I’ve been practicing my whole life
          Washing dishes, playing drums, and just getting by
          Until I figured if I’m here than I just might
          Conceal my lack of skill here in the spotlight“.

          Mangelndes Können wird man Tillman allerdings kaum ernsthaft vorwerfen dürfen; es ist vielmehr erstaunlich, wie er scheinbar mühelos die Instrumente beherrscht und seine Stimme eines Folksängers zu der eines großen kabarettistischen Entertainers entwickelt hat, verrücktes Bühnengebaren inklusive, wie man es jüngst auch bei einem Auftritt in Jan Böhmermanns Show „Neo Magazin Royale“ zusammen mit dem sehr versierten Rundfunktanzorchester Ehrenfeld sehen konnte.

          Klanglich erinnert das Album, auf dem elektrische Gitarren und deren Soli fast gänzlich fehlen, stark an Elton John oder Harry Nilsson in den siebziger Jahren: Es drückt uns eine um die andere von großem Orchester untermalte Pianoballade auf die Ohren. So bombastisch das mitunter (vielleicht wiederum in parodistischer Manier) arrangiert ist, stehen letztlich doch immer die Texte im Vordergrund. Und das ist auch der Punkt, an dem man diese Platte kritisieren muss: Sie mutet dem Hörer manchmal einfach zu viele repetitive Klangpassagen zu. Der reine Hörgenuss, der bei „Fear Fun“ eben auch noch jenseits des Textverständnisses gegeben war und bei dem Nachfolgealbum „I Love You, Honeybear“ noch gelegentlich, ist hier leider oft verschwunden.

          Stattdessen gibt es Kulturkritik mit dem Vorschlaghammer, gegen Religion und Politik, gegen Neoliberalismus und anderes, was gelegentlich abgestanden wirkt: „In the New Age We’ll All Be Entertained“ heißt ein Lied. Das Plattencover könnte man als Cartoonversion eines Hieronymus-Bosch-Gemäldes deuten, und gegen Ende der Platte zieht sich das lyrische Ich dann gar auf den Zauberberg zurück („Growing Old on Magic Mountain“).

          Nach so viel Apokalypse scheint es dann fast unglaublich, dass es in einem der Lieder doch noch Hoffnung gibt: „In Twenty Years or So“ beginnt zwar auch mit einer Art Club-of-Rome-Prognose, die den nahenden Weltuntergang verkündet, schlägt diese dann aber einfach in den Wind und endet mit zwei Liebenden an der Bar, während der Pianist „This Must Be the Place“ spielt. Die letzte Zeile ist dann wieder beinahe biblisch, aber ganz anders als zuvor: „There’s nothing to fear“. Vielleicht wirkt seine fundamentalchristliche Erziehung, die Joshua Tillman oft lächerlich gemacht hat, ja doch noch nach.

          Father John Misty: „Pure Comedy“. Bella Union/Pias (Rough Trade)

          Quelle: F.A.Z.

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