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AC/DC live Die Kerle aus der Krachmacherstraße

07.03.2009 ·  Das Publikum geht auseinander, aber die die Musik nicht: Die altgedienten australischen Hardrocker AC/DC zeigen in Leipzig, dass sie immer noch schneidend und gemein sein können. Ein bisschen Unsinn bleibt da nicht aus.

Von Tobias Rüther
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Ein Meer von Männern. Sie tragen Jeans, sie rauchen. Und manchmal halten sie sich im Arm, die Augen glänzend, in der Hand ein Bier oder zwei oder drei: Wenn einer zum Ausschank geht, bringt er den anderen ein Glas mit. Auch einige Frauen hat es mitgerissen in die ausverkaufte Messehalle von Leipzig, aber nicht so viele, und wenn sie gekommen sind, dann meist zu zweit - oder mit Gatten. Also noch mehr Männer. Denn AC/DC ist in der Stadt. „Vierzig Jahre habe ich darauf gewartet“, ruft eine Frau schon auf dem Parkplatz und rennt einen vor Glück fast über den Haufen. Auch wenn das hier der Osten ist: Vierzig Jahre können es nicht gewesen sein, AC/DC gibt es erst seit 1973.

Das steht auch auf einem T-Shirt, das nach dem Konzert von vielen Männern gekauft wird. In Größe L, besser XL, oder wenn's geht in XXL. Anders als ihr Publikum hat sich der Hardrock von AC/DC allerdings kaum verändert. Er ist über die Jahre nicht auseinandergegangen, er ist kompakt, gemein und schneidend geblieben. Manche beklagen, dass AC/DC seit Ewigkeiten das gleiche Lied spielen: ein Riff, ein Beat, ein heiserer Gesang, der meist von Rock-Nächten, Rock-Kriegen, Rock-Träumen oder Rock-Frauen handelt.

Weder Routine noch verständliche Langeweile

Seit die neue Platte „Black Ice“ erschienen ist, hat man sich aber endgültig darauf geeinigt, dass es auch nur gut so ist. Für Innovation an den Gitarren sollen andere sorgen. Und daher erinnert man sich am Ende zwar an die großartigen Lieder, die AC/DC bei diesem ersten Deutschlandkonzert ihrer Welttournee gespielt haben, an das uralte „TNT“ oder das brandneue „Anything Goes“. Dazwischen aber verschwindet vieles auch im Gleichmaß und in einem angenehm ohrenbetäubenden Krach, der noch Stunden in den Ohren nachwirkt. Aus diesem Qualitätskrach ist Brian Johnson selten herauszuhören. Der Sänger, dessen Organ schon von Berufs wegen am Anschlag röhrt, ist vergrippt. Das Konzert zuvor musste die Band deswegen absagen. Johnson schultert seit fast dreißig Jahren die undankbare Aufgabe, den großen, toten Bon Scott zu ersetzen, dessen Bluesstimme AC/DC überhaupt erst zu dem machte, was die Band bis heute ist.

Erkältet und aus der Puste, muss der arme Johnson ständig trinken und wird dann erst recht vom gewaltig aufdrehenden Rest des Quintetts überrollt, von den Brüdern Angus und Malcolm Young an den Gitarren vor allem, denen man überhaupt nichts anmerkt an Jahren, Routine oder verständlicher Langeweile. Stücke wie „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ oder „The Jack“ muss die Band schon hunderttausendmal gespielt haben.

Apropos Unsinn

Und doch. Malcolm Young würde man auch aus einem Kilometer Entfernung erkennen, so typisch reckt er den Kopf hoch und zieht er die Schultern ein, so hoch hängt seine Gitarre: Er trägt sie schon immer unter dem Kinn. Wer besonders lässig sein will im Rock, lässt seine Gitarre eigentlich eher auf den Knieen baumeln, wie Slash früher bei Guns 'n' Roses. Malcolm Young aber, sechsundfünfzig Jahre alt, hat das noch nie nötig gehabt. Sein kleiner Bruder Angus dagegen, Jahrgang 1959, turnt immer noch mit markantem Scherenschritt in seiner Schuluniform herum, als könne er von diesem Unsinn nicht genug kriegen. Seine Gitarre ist größer als er, und das Schöne ist: Er weiß das.

Apropos Unsinn. Dazu gehören bei AC/DC mittlerweile Zeichentrickfilme: Der „Rock 'n' Roll Train“ donnert mit einem teuflisch rot glühenden Angus Young an der Kohlenschippe auf den Bahnhof zu, und wären da nicht zwei sehr unbekleidete Mädchen, die an der Bremse ziehen: Rock City läge in Schutt und Asche. Später wird eine riesige Puppe, Marke Kitty im Saloon, hinter dem Schlagzeug aufgepumpt, als die Band „Whole Lotta Rosie“ spielt, und was soll man sagen: Sogar die Frauen im Publikum lachen, es ist auch wirklich zu blöd.

Zum Schluss aber wird es ernst, da kommen die Zugaben des zwanzigsten Jahrhunderts schlechthin. Erst „Highway To Hell“, dann „For Those About to Rock (We Salute You)“. Kann sein, dass man wirklich noch einmal vierzig Jahre warten muss, bis eine Band wieder solche Hymnen schreibt. Angus Young wird dann neunzig sein.

Weitere Konzerte:

7. März Düsseldorf (ISS-Dome)
9. März Oberhausen (KöPi-Arena)
11. März Bremen (AWD-Dome)
15. März Dortmund (Westfalenhalle)
25. März Frankfurt (Festhalle)
27. März München (Olympiahalle)
29. März Zürich (Hallenstadion)

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Jahrgang 1973, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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