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Abbey-Road-Studios : Alle Ohren hören anders

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Was ist guter Sound? Wie klingt die Zukunft? Ein Besuch an der Abbey Road beim Sohn des Beatles-Produzenten.

          Das Klavier, auf dem Paul McCartney den Song „Lady Madonna“ gespielt hat, steht noch in einer Ecke von Studio zwei. Ein rotbraunes Steinway, es klingt sehr hell, die Tasten fassen sich federleicht an, der Bass dröhnt, wie man es von dem Song kennt. Links daneben die Celesta, auf der die „Harry Potter“-Melodie eingespielt wurde. Ein kleines Harmonium, in dessen Innerem Filzhammer auf Stahlplättchen schlagen und diesen geheimnisvollen, erdigen Glockenklang erzeugen. Pink Floyd haben genau diese Tasten für „Dark Side of the Moon“ benutzt, die Beatles für das Weiße Album.

          Die Celesta ist eine Schiedmayer, ein schwäbisches Produkt. Genauso deutsch wie auch all die Neumann-U47-Mikrofone, die überall stehen und heute noch in Benutzung sind. Hier in den Abbey- Road-Studios gibt es einen Angestellten, er heißt Leister, der nur damit beschäftigt ist, all die alten Geräte ständig auseinanderzubauen und in Schuss zu halten. Musiker singen offenbar auch heute noch gern in genau das Mikro, das John Lennon einst vor der Nase hatte.

          Ein Mann schlurft, obwohl er gar nicht mehr hier angestellt ist, wie der Spiritus Rector durch die Räume: Giles Martin, Sohn des berühmten Beatles-Produzenten George Martin. Dreißig Jahre Erfahrung als Musikproduzent hat er hier gesammelt. Manchmal sieht Martin draußen Touristen, sagt er, die in der Nähe von Marlborough Place Fotos auf der Straße machen. „Falscher Zebrastreifen!“, ruft er dann. „Es ist der da drüben.“ Der an der Ecke von Abbey Road und Grove End Road. Dort fließt der Verkehr schlecht. Zu jeder Tageszeit steht ein Dutzend Menschen da, die das berühmte Plattencover nachstellen wollen: Die Beatles gehen über den Zebrastreifen, Paul als Dritter, nur er ist barfuß.

          Ringo Starr, Paul McCartney, John Lennon und George Harrison diskutieren in den Abbey Road Studios.

          Martin wurde in die Popmusik hineingeboren – seit er 15 war, lebt er in Studios. Weil Vater George früh an Hörverlust litt, musste Giles für ihn hören – „ich war sein Ohr, schon als Teenager“. Giles kennt Rick Rubin, Hans Zimmer oder Martin Scorsese aus enger Zusammenarbeit. Und mit Paul, Ringo, Yoko Ono und Olivia Harrison telefoniert er sowieso oft. Er ist quasi der Nachlassverwalter der Beatles – wenn jemand neue Abmischungen herausbringen darf, dann nur er. Aber zurzeit hat er etwas anderes im Sinn. Sound. Die Art, wie wir heute hören. Von solchen Dingen spricht Martin. Für den kalifornischen Lautsprecherhersteller Sonos hat er in und neben den Abbey-Road-Studios Räume bezogen, er ist nun der „Head of Sound“ der Firma. Der Mann, der die Zukunft des Musikhörens erfinden soll.

          „Die Welt des Sounds hat sich in den letzten fünf Jahren drastisch verändert“, sagt Martin, er sitzt vor einer Batterie Lautsprecher in einem Testraum. „Musik wird nicht mehr auf kleinen Pappkartons und Laptop-Lautsprechern gehört, das war lange so, ist nun endlich vorbei. Aber das HiFi-Zeitalter ist auch nicht zurück.“ Soundingenieure treibt zurzeit um, wie man dem Spotify-Zeitalter ein wenig akustische Würde zurückgeben kann. Der Bedarf scheint da zu sein. Die erst 15 Jahre alte Firma Sonos, die zwar keine ganz hochwertige HiFi-Ware baut, aber den Gedanken an guten Sound ins Zentrum stellt, hat Bose überholt und ist zu dem aufgestiegen, was Finanzleute dann Marktführer nennen. „Was wir im Studio erzeugen, auch zu Hause ähnlich wiedergeben zu können, das ist alles, was Musikproduzenten umtreibt. Die Chancen werden endlich wieder besser.“ Der Kampf um das Endgerät, mit dem man zu Hause hört, ist in vollem Gang. Neuerdings wollen auch Firmen wie Apple oder Amazon mit Lautsprechern in die Häuser ihrer Kunden. Aber Sonos, Bose und andere sind schon da – und klingen besser.

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