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: Wie man sich bettet, so lügt man

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Christoph Maria Fröhder: Ein Bild vom Krieg. Meine Tage in Bagdad. Hoffmann und Campe, Hamburg 2003. 176 Seiten, 14,90 [Euro].Gerhard Kromschröder: Bilder aus Bagdad. Mein Tagebuch. Europa Verlag, Hamburg 2003. 160 Seiten, 19,90 [Euro].Stephan Kloss: Mein Bagdad-Tagebuch. Als Kriegsreporter im Brennpunkt Irak. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2003.

          Christoph Maria Fröhder: Ein Bild vom Krieg. Meine Tage in Bagdad. Hoffmann und Campe, Hamburg 2003. 176 Seiten, 14,90 [Euro].

          Gerhard Kromschröder: Bilder aus Bagdad. Mein Tagebuch. Europa Verlag, Hamburg 2003. 160 Seiten, 19,90 [Euro].

          Stephan Kloss: Mein Bagdad-Tagebuch. Als Kriegsreporter im Brennpunkt Irak. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2003. 175 Seiten, 12 [Euro].

          Antonia Rados: Live aus Bagdad. Das Tagebuch einer Kriegsreporterin. Heyne Verlag, München 2003. 255 Seiten, 12 [Euro].

          Nach dem zweiten Golfkrieg von 1991 forderte Klaus Bresser als Konsequenz aus der Kriegsberichterstattung die "Wiederentdeckung der Langsamkeit". Die Korrespondenten hätten ihre Meldungen selten überprüfen oder gar reflektieren können: "Für den Fernsehjournalismus tut sich eine Wahrheitsfalle auf, deren wir uns bewußt sein müssen." Sein Kollege Ulrich Kienzle war nicht minder alarmiert: "Noch nie haben so viele Fernsehjournalisten so lange so wenig zu sagen gehabt." Das war eine nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit, genützt hat sie jedoch nichts: Im Jahr 2003 gab es während des dritten Golfkriegs noch mehr TV-Journalisten, die noch länger noch weniger zu sagen hatten.

          1991 hatte CNN-Star Peter Arnett das Monopol über die aktuelle Berichterstattung aus Bagdad. Diesmal aber waren alle internationalen Sender präsent: Die Iraker hatten dazugelernt - je mehr Öffentlichkeit, desto besser. Präsident Bush hingegen wollte die "CNN-Situation" von damals verhindern. Es entstand die neue Spezies der embedded journalists, auf seiten der alliierten Truppen eingebettete Reporter, die einer ebenso scharfen Zensur unterlagen wie ihre Kollegen in der irakischen Hauptstadt. In rasendem Tempo überfluteten die Kriegsbilder die TV-Kanäle, Tag und Nacht flimmernde Einstellungen von der Front, Aufsager vor Bombardierungshintergrund, Kommentierungen bis zur Erschöpfung. Und von Reflexion keine Spur? Kaum war der Krieg zu Ende, schlugen die Bagdad-Tagebücher deutscher Kriegsreporter auf den Büchermarkt auf: Endlich waren auch hierzulande Kriegsreporter zu feiern. Arnett wurde unterdessen von seinem Sender gefeuert: Er hatte die amerikanischen Kriegspläne für gescheitert erklärt - gegenüber dem irakischen Staatsfernsehen. So ändern sich die Zeiten.

          Der freie Korrespondent Christoph Maria Fröhder und der ehemalige Nahost-Korrespondent Gerhard Kromschröder haben diese Veränderungen zum Hauptthema ihrer Bücher gemacht. Fröhder schildert den oft profanen Kriegsalltag eines Reporters eindrücklich und mit guten Kenntnissen des Iraks. Er erklärt, wie schwierig es ist, sich bei Zensur und unter ständiger Beobachtung eines irakischen "Aufpassers" der Wahrheit zu nähern, stets im Spannungsfeld zwischen den Kriegsparteien: "Die Briten und Amerikaner brauchten Bilder von einem sauberen Krieg, der keine Zivilisten trifft. Sie benötigten aktuelle Belege, daß Saddam Hussein teuflisch war und die Iraker deshalb die Befreiung herbeisehnten. Das Regime in Bagdad brauchte Berichte, die genau das Gegenteil belegten: Der Krieg mußte schmutzig sein, die Verluste unter der Zivilbevölkerung möglichst hoch."

          Fröhder beklagt, daß Kriegsreporter nur noch selten tatsächlich am Ort recherchieren; daß der Moderatorentypus zu obsiegen scheint, der das Pressezentrum kaum verläßt und von einem Krieg berichtet, über dessen Ereignisse er per Fax aus der Heimatredaktion erfährt. Sich selbst sieht Fröhder nicht als Kriegs-, sondern als Krisenreporter, weil er sich die Konflikte nach politischen Gesichtspunkten und nicht nach dem Abenteuerwert aussuche. Der "Einzelkämpfer" berichtet auch vom Konkurrenzkampf unter den Kollegen und überlegt, ob das Fernsehen für kritische oder gar investigative Berichterstattung noch das richtige Medium sei: "Ich habe diese Frage nie wirklich beantwortet, vielleicht aus Sorge, den Boden unter den Füßen zu verlieren."

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