http://www.faz.net/-gqz-widz

: Waffe der Massendesinformation

  • Aktualisiert am

Die Geschichte des Asylbewerbers Rafid Ahmed A. wäre bloß eine von vielen Geheimdienstmoritaten, wenn sie nicht geholfen hätte, Amerika den Weg in den Irak-Krieg zu bahnen. Denn der irakische Ingenieur und Hochstapler mit dem Decknamen "Curveball" lieferte die falschen Informationen über mobile Biowaffenanlagen, die Amerika im Februar 2003 der Welt als Beweismaterial präsentierte.

          Die Geschichte des Asylbewerbers Rafid Ahmed A. wäre bloß eine von vielen Geheimdienstmoritaten, wenn sie nicht geholfen hätte, Amerika den Weg in den Irak-Krieg zu bahnen. Denn der irakische Ingenieur und Hochstapler mit dem Decknamen "Curveball" lieferte die falschen Informationen über mobile Biowaffenanlagen, die Amerika im Februar 2003 der Welt als Beweismaterial präsentierte. Irak produziere biologische Kampfstoffe, arbeite an einer Atombombe und kooperiere mit Al Qaida, hieß es damals. Später wurde klar, es handelte sich überwiegend um eine Präsentation von Lügen und Irrtümern. Verwickelt in diese Affäre war auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Schließlich war der Märchenerzähler aus Bagdad ein Informant der Deutschen, der behandelt wurde wie eine Perle, ehe er als faules Ei in die Geschichte der Nachrichtendienste eingeht. Bob Drogin, Korrespondent der "Los Angeles Times", hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Fall beschäftigt und seine Recherchen nun in einem Buch zusammengefasst. Die Falschinformationen der amerikanischen Regierung führten in den Irak-Krieg, sie zerstörten aber auch die Glaubwürdigkeit des Präsidenten Bush. Allmählich kam heraus, dass die amerikanische Regierung zahlreiche Warnungen zu "Curveball" und anderen Aufschneidern systematisch ignoriert hatte. Vorwürfe richteten sich gleichwohl auch gegen Deutschland. Wieder einmal. Denn, wie Drogin anhand zahlreicher Fälle belegt, hegen CIA und BND eine herzliche Abneigung gegeneinander. Das sei, vermutet er, eine der Ursachen für das Desaster, das 1999 begann.

          Im November 1999 meldete sich Rafid Ahmed A. am Münchner Flughafen bei der Bundespolizei und beantragte politisches Asyl. Sozusagen im Tausch bot er dann seine Geschichte an: Als junger Universitätsabgänger sei er vom Saddam-Regime angeworben worden, um bei der geheimen Entwicklung von Massenvernichtungswaffen zu helfen. In einer vorgeblichen "Saatgutwaschanlage" in Djerf al Nadaf bei Bagdad will der damals 28 Jahre alte Chemieingenieur ab 1995 mobile Biowaffenanlagen auf Lkw-Anhängern konstruiert haben. Die Geschichte klang den BND-Mitarbeitern zunächst plausibel, zumal UN-Waffeninspektoren schon früher nach solchen Geheimanlagen gesucht hatten. Der Mann nannte Orte und Behörden, die man beim BND kannte, identifizierte Personen und beeindruckte seine Vernehmer offenbar auch durch technischen Sachverstand. Die Deutschen informierten schließlich den amerikanischen Militärgeheimdienst (DIA) über den Iraker, der den Decknamen "Curveball" erhielt. Sprechen durften die Amerikaner allerdings nicht mit ihm. Nach Drogins Vermutung deshalb, weil er dem BND ausführlich von deutschen Bauteilen berichtet hatte, die bei der Biowaffenproduktion verwendet worden seien. Der BND erzählte den Amerikanern nun in den folgenden Jahren, ihr Mann hasse Amerikaner und wolle nicht mit ihnen sprechen. Bei dieser Behauptung blieb man, so Drogin, vier Jahre lang.

          Weitere Themen

          „Nur ein kleiner Gefallen“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Nur ein kleiner Gefallen“

          Paul Feig hat den amerikanischen Bestseller von Autorin Darcey Bell „Nur ein kleiner Gefallen“ verfilmt. Ab dem 8. November läuft der Thriller in den deutschen Kinos.

          Topmeldungen

          Eine Woche im Elektroauto : Hürdenlauf am E-Werk

          Jenseits von Tesla gründet sich der Club der 450-Kilometer-Elektroautos. Und mit ihm große Versprechen. Wie lebt es sich damit? Ein Selbstversuch unter realen Alltagsbedingungen.

          Zukunft der Bundesrepublik : Die Schwächen der deutschen KI-Strategie

          Milliarden vom Staat und ein hoher Anspruch: Deutschland hat jetzt einen Plan für Künstliche Intelligenz. Experten fragen, ob es wirklich gelingt, mehr als 100 hochkarätige neue Professuren zu besetzen. Und nicht nur das.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.