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: Ungekrönter König Oberschlesiens

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Guido Hitze: Carl Ulitzka (1873-1953). Oberschlesien zwischen den Weltkriegen. Droste Verlag, Düsseldorf 2002. 1439 Seiten, 64,- [Euro].Die große Zeit des Oberschlesiers Carl Ulitzka aus dem Kreise Leobschütz, des Vorsitzenden der Katholischen Volkspartei (wie sich das Zentrum in Oberschlesien nannte), ...

          Guido Hitze: Carl Ulitzka (1873-1953). Oberschlesien zwischen den Weltkriegen. Droste Verlag, Düsseldorf 2002. 1439 Seiten, 64,- [Euro].

          Die große Zeit des Oberschlesiers Carl Ulitzka aus dem Kreise Leobschütz, des Vorsitzenden der Katholischen Volkspartei (wie sich das Zentrum in Oberschlesien nannte), des Mitglieds der verfassunggebenden Nationalversammlung und des Reichstags bis zur Wahl vom 5. März 1933, waren die 14 Jahre der Weimarer Republik. In diese Periode fiel das Ringen um Oberschlesien. Im ersten Entwurf des Versailler Vertrages war die Abtrennung ganz Oberschlesiens geplant. Dann konnte mit Hilfe des britischen Premierministers Lloyd George eine Abstimmung über das weitere Schicksal Oberschlesiens durchgesetzt werden. Am 20. März 1921 wurde abgestimmt: 59,6 Prozent für Deutschland und 40,3 Prozent für Polen. Am 3. Mai brach der "Dritte polnische Aufstand" aus, Oberschlesien wurde laut Genfer Völkerbundsbeschluß geteilt, und 1922 wurde deutscherseits die selbständige Provinz Oberschlesien gegründet und durch ein Referendum bestätigt.

          In dieser stürmischen Zeit Oberschlesiens standen drei Männer im Mittelpunkt des Geschehens: für Deutschland der Pfarrer von Ratibor-Altendorf Carl Ulitzka, für Polen Wojciech Korfanty und für die Interalliierte Kommission der französische General Henri Le Rond. Bekannt war bereits, in welcher Weise der französische General der polnischen Seite zuneigte. Jetzt stellt der Autor fest, daß der von Korfanty dirigierte "Dritte polnische Aufstand" in Frankreich seinen politischen Initiator hatte. Paris wollte, daß das oberschlesische Industriegebiet bereits vor einem Entscheid durch den Genfer Völkerbund von Polen vereinnahmt wird. Nach knapp drei Wochen war jedoch das Unternehmen gescheitert; der rasch improvisierte deutsche Selbstschutz hatte den Annaberg zurückerobert. Ulitzka war während der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung und danach der politische Kopf der Deutschen, und zwar im Zusammenwirken mit General a.D. Karl Hoefer.

          Nach der Teilung Oberschlesiens am 20. Oktober 1921 durch den Spruch der Vertreter von Belgien, Spanien, Brasilien und China, mehrheitlich Botschafter ihrer Länder in Paris, der am 15. Mai 1922 rechtskräftig wurde, sagte Ulitzka im Reichstag am 30. Mai 1922: "Die in Genf getroffene Entscheidung über Oberschlesien ist und bleibt juristisch ein Rechtsbruch, politisch eine Torheit und wirtschaftlich ein Verbrechen." Mit diesen Worten waren aber keine nationalistischen, antipolnischen Tendenzen und Absichten verbunden. Im politischen Alltag wurde Ulitzka von der Deutschnationalen Volkspartei, wie dann auch von den Nationalsozialisten, als "Erfüllungspolitiker" verketzert. Er setzte auf die sogenannte Magnettheorie, das sollte heißen, das beim Deutschen Reich verbliebene westliche Oberschlesien so attraktiv zu machen, politisch, ökonomisch, kulturell, daß es eine Sogkraft auf das polnisch gewordene Ost-Oberschlesien auszuüben vermöchte. In Übereinstimmung mit Gustav Stresemann war Ulitzka gegen ein "Ost-Locarno" und Verfechter einer revisionistischen Konzeption. Auch wenn Guido Hitze mit Beginn der Kanzlerschaft von Heinrich Brüning seit 1930 einen Paradigmenwechsel in der Außenpolitik festzustellen meint, Ulitzka war als Vorsitzender des "Ostausschusses" im Reichstag und als Außenpolitiker des Zentrums mit seinem Parteifreund Brüning gleichgesinnt.

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