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Veröffentlicht: 29.01.2009, 12:00 Uhr

Teufelsaustreibung aus der Ferne

Pius XII., die nationalsozialistische Judenverfolgung und die Weihnachtsansprache des Jahres 1942

Warum schloss sich Pius XII. in seiner Weihnachtsansprache 1942 nicht der gemeinsamen Erklärung Großbritanniens, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika an, die am 17. Dezember die deutsche Politik der Ausrottung der Juden öffentlich verurteilt hatten? Warum sprach der Papst nur allgemein über "Hunderttausende von Menschen, die ohne irgendeine eigene Schuld - manchmal nur wegen ihrer Nationalität oder Herkunft - dem Tod oder fortschreitendem Verfall bestimmt sind"? Klaus Kühlwein, Theologe und Dozent am Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg im Breisgau, sucht nach Antworten und schildert den rasanten Aufstieg des 1876 geborenen Adeligen vom "Diplomatenpriester" zum "Stellvertreter Christi".

Schon Vater und Großvater hatten als Laienjuristen in vatikanischen Diensten gestanden, so dass Eugenio Pacelli bereits 1901 ins Staatssekretariat kam. 1917 wurde er Nuntius in München, 1920 neuer "Reichsnuntius". Papst Pius XI. berief ihn Ende 1929 ab und erhob ihn in Rom zum Kardinalstaatssekretär. Die Zeit in Deutschland bezeichnete Pacelli später als die schönste seines Lebens. Die deutsche Sprache beherrschte er perfekt, und das Erlebnis der Revolution in München prägte seit 1919 seine stark antibolschewistische Einstellung. Nach Hitlers Machtübernahme befürwortete Pacelli das Reichskonkordat, weil er "diplomatische Deeskalation" und die "Vermeidung schlimmerer Verhältnisse" im "aufgeheizten Klima der Kirchenverfolgung" anstrebte. An seinem 63. Geburtstag, am 2. März 1939, wählte ihn das Konklave zum Papst. Fortan habe der stets mit Magenproblemen kämpfende Pacelli, der ein idealer Zuarbeiter für die Entscheidungen anderer gewesen sei, "selbst die Schlüssel Petri in Händen halten und alles mit sich allein ausfechten" müssen.

Natürlich stand auch Kühlwein vor dem Problem, dass ihm für das Pontifikat von Pius XII., nur veröffentlichte Quellen zugänglich waren, nicht aber die riesigen Bestände der vatikanischen Archive. Daher behalf er sich damit, den Relator für das Seligsprechungsverfahren von Pius XII., Pater Peter Gumpel SJ, zu befragen. Kühlwein nimmt für den Herbst 1942 an, dass "Pius XII. zum ersten Mal einen Exorzismus über Hitler sprach. Irgendwann war Pius nämlich zur Überzeugung gelangt, dass dieser Mann vom Teufel besessen sein musste. Ausdrücklich bestätigte mir Pater Gumpel in Gesprächen mehrmals den wenig bekannten Versuch von Pius, per Exorzismus aus Hitler den Teufel auszutreiben. Von wenigstens zwei päpstlichen Exorzismen gäbe es beeidete Zeugenaussagen bei den Seligsprechungsakten. Aus Verzweiflung wohl hatte sich Papst Pius zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Das Rituale Romanum sieht eine Fern-Teufelsaustreibung nicht vor. Doch der Papst setzte sich mit seiner höchsten Autorität darüber hinweg und beschwor von Rom aus, dass der Teufel in Berlin aus Adolf Hitler fahren möge. Genutzt hat es nichts."

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