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: Terror und Vernichtung

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Konzentrationslager waren zentrale Bestandteile der nationalsozialistischen Herrschaft - zunächst in Deutschland, während des Zweiten Weltkriegs auch in den besetzten Gebieten. Unter Führung der SS wurde fast ganz Europa mit einem Netz aus 24 Hauptlagern und etwa 1000 Außenlagern überzogen. 1942 ...

          Konzentrationslager waren zentrale Bestandteile der nationalsozialistischen Herrschaft - zunächst in Deutschland, während des Zweiten Weltkriegs auch in den besetzten Gebieten. Unter Führung der SS wurde fast ganz Europa mit einem Netz aus 24 Hauptlagern und etwa 1000 Außenlagern überzogen. 1942 reichte das Terrorsystem von der französischen Atlantikküste bis zur Sowjetunion und vom Baltikum bis nach Griechenland. Der Ausdruck KZ wurde international zum Inbegriff des Schreckens und zum Synonym für den komplexen Terrorapparat, in dem Regimegegner, religiöse und kulturelle Minderheiten, "Asoziale" und "rassisch" Unerwünschte verfolgt, gequält, als Arbeitssklaven für die Rüstungsindustrie ausgebeutet und vernichtet wurden.

          Nach vielen Einzeluntersuchungen, die in den vergangenen 50 Jahren erschienen sind, liegt nun eine neunbändige "Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager" vor. Unter der Federführung von Wolfgang Benz (Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin) und Barbara Distel (Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau) ist in der Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und außeruniversitären Institutionen ein Gesamtwerk entstanden, bei dem Lokalhistoriker, historische Vereine und Arbeitsgemeinschaften sowie Geschichtswerkstätten wichtige Beiträge zur Topographie des Terrors lieferten.

          Im ersten Band werden Entstehung, Strukturen und Funktionen der Konzentrationslager systematisch analysiert. Die grundlegenden Artikel beschreiben Organisation, Verwaltung, Architektur, Bewachungspersonal, Häftlingsgruppen, medizinische Experimente, Zwangsarbeit und Todesmärsche. Der Leser soll erfahren, wie der Repressionsapparat entstand und zum omnipräsenten Herrschaftsinstrument ausgebaut wurde. Sofort nach der Machtübernahme 1933 errichteten die Nationalsozialisten mit Billigung ihrer deutschnationalen Koalitionspartner Konzentrationslager, in denen sie politische Gegner, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, unterdrückten. Aus den zum Teil "wilden" Lagern entwickelte die SS dann Dachau zum Modell für nachfolgende Einrichtungen. Band 2 dokumentiert die Entstehung der frühen Lager und des Stammlagers Dachau mit seinen zahlreichen Außenlagern in Süddeutschland. Die Errichtung der Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg vor den Toren Berlins (1936) und Buchenwald bei Weimar (1937) steht im Mittelpunkt des dritten Bandes. Neben der reichsweiten Verfolgung politischer Gegner und unerwünschter Bevölkerungsgruppen trat von 1938 an insofern ein Funktionswandel ein, als die Arbeitskraft der Häftlinge in den weiträumigen Außenlagern immer mehr Objekt der Ausbeutung in der Rüstungsindustrie wurde.

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