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: Seemann ahoi!

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"Sieger vom Skagerrak" - das war der Ehrentitel, den eine marinebegeisterte und revisionistische Öffentlichkeit dem Admiral Reinhard Scheer für eine Generation lang anheftete. Dabei hatte der taktische deutsche Flottensieg im Jahr 1916 nichts an der misslichen Lage geändert, dass die Hochseeflotte ...

          "Sieger vom Skagerrak" - das war der Ehrentitel, den eine marinebegeisterte und revisionistische Öffentlichkeit dem Admiral Reinhard Scheer für eine Generation lang anheftete. Dabei hatte der taktische deutsche Flottensieg im Jahr 1916 nichts an der misslichen Lage geändert, dass die Hochseeflotte auch später nicht fähig war, die britische Seemacht nachhaltig zu beeinträchtigen oder gar zu schlagen. Gerade dafür war der ganze Tirpitzsche Flottenbau eigentlich gedacht gewesen. Der Chef der Hochseeflotte stieg danach zum Chef der Seekriegsleitung auf und setzte in den letzten Kriegsmonaten 1918 ein großes Programm zum Bau der wesentlich effektiveren U-Boote durch, das Scheer-Programm. Dies ließ sich angesichts der Kriegsniederlage nicht mehr umsetzen. Aber der Admiral war auch maßgeblich daran beteiligt, dass die Hochseeflotte einen letzten Flottenvorstoß gegen England anordnete, der die Ehre der Marine wahren sollte - was bekanntlich die Matrosen durch Befehlsverweigerung verhinderten und so im kaiserlichen Deutschland die Revolution bei Kriegsende einleiteten.

          Scheer verstand es nach dem Ersten Weltkrieg, sein Bild in der Marinetradition durch eigene Publikationen zu gestalten; ein nennenswerter Nachlass existiert nicht. Es kann daher als Glücksfall angesehen werden, dass Michael Epkenhans in einem Bremer Antiquariat ein Konvolut von Briefen des Admirals an seine Ehefrau aus den letzten Kriegsmonaten in einer maschinenschriftlichen Abschrift erwarb. Der hervorragenden Edition stellt Epkenhans einen Essay über den Lebenswegs Scheers voran, dessen Bild auch nach dem neuen Quellenfund blass bleibt. Vielleicht war der Admiral vor allem ein schwankender Mensch. Recht persönliche Alltagseindrücke und Schilderungen zum Freizeitverhalten wechseln sich in "Mein lieber Schatz!" mit aufschlussreichen Schilderungen in und um das kaiserliche Hauptquartier ab. Mal erkannte Scheer die Friedenssehnsucht als Ursache der Matrosenrebellion, dann schrieb er fünf Tage später am 6. November 1918 von einer "bolschewistischen Pest auf der Flotte". Seltsam distanziert stand man im Großen Hauptquartier den Vorgängen in der deutschen Gesellschaft gegenüber, seltsam uninformiert war man darüber, was sich alles zusammenbraute.

          JOST DÜLFFER

          Michael Epkenhans (Herausgeber): Mein lieber Schatz! Briefe von Admiral Reinhard Scheer an seine Ehefrau, August bis November 1918. Dieter Winkler Verlag, Bochum 2006. 188 S., 23,- [Euro].

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