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Rezension: Sachbuch : Stabilität durch ein neues Gleichgewicht

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Brzezinskis Thesen lauten: In Europa müsse Amerika die deutsch-französische Führungsrolle fördern und aktiv dazu beitragen, den bestehenden demokratischen Brückenkopf an der westlichen Peripherie Eurasiens zu einigen, zu festigen und zu erweitern. Die Mitte Eurasiens bleibe so lange unbestimmt und unsicher, wie Rußland seine eigene Rolle nicht eindeutig im Sinne einer demokratischen und westlichen Orientierung definiert habe. Zentralasien drohe zu einem "eurasischen Balkan" zu werden, ein Schauplatz ethnischer Konflikte und Großmachtrivalitäten, wenn es nicht gelinge, diesen Raum international zugänglich zu machen; internationale Investitionen und die Erschließung der Energiequellen und Bodenschätze müssen zu Wohlstand und einem verstärkten Sicherheits- und Stabilitätsbewußtsein in dieser Region führen. Im Osten Eurasiens schließlich werde China immer stärker in den Mittelpunkt des Geschehens rücken; Amerika werde nur dann auf dem asiatischen Festland politisch Fuß fassen, wenn es erfolgreich auf einen geostrategischen Konsens mit China hinarbeite - dies verbunden mit dem klaren Bekenntnis zu Japan als Amerikas wichtigstem Partner im pazifischen Raum, dem allerdings keine eigenständige Rolle als Regionalmacht im asiatisch-pazifischen Raum zukommen solle.

Brzezinski will also die Bewahrung der Machtposition der Vereinigten Staaten bewahren, um sie auf lange Sicht in einer institutionalisierten, weltweiten Zusammenarbeit aufgehen zu lassen. In einem schrittweisen Prozeß solle Amerika strategische Partnerschaften mit den Schlüsselregionen Eurasiens fördern, vor allem mit der (vergrößerten) EU und mit China, das eine führende Rolle als Regionalmacht spielen solle - einschließlich der Perspektive, in die G7/8 aufgenommen zu werden. Langfristig könnten diese strategischen Partnerschaften den Kern echter gemeinsamer politischer Verantwortung, ein transeurasisches Sicherheitssystem bilden, das Amerika, Europa, China, Japan, Rußland, Indien und möglicherweise weitere Länder umfassen könne. Ein solches Transeurasisches Stabilitätssystem wäre dann auch das Vermächtnis der heutigen Globalmacht Amerika.

Brzezinskis Geostrategie richtet sich an einem unterstellten Interesse aller Beteiligten an Sicherheit, Stabilität und wirtschaftlicher Entwicklung aus. Er weiß, daß er eine Vision vorstellt, deren Realisierung keineswegs gesichert ist, auch nicht seitens der Vereinigten Staaten selbst. Sein Buch ist nicht nur für Amerika von Bedeutung. Es richtet sich nicht zuletzt auch an Europa, den unverzichtbaren Partner der Vereinigten Staaten, dem Brzezinski das Potential eines euroasiatischen Hauptakteurs zubilligt - vorausgesetzt, daß der Einigungs- und Erweiterungsprozeß erfolgreich vorangebracht werden kann.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert brauchen wir neues Denken - ein neues Denken in den Kategorien von Dialog und Austausch, regionaler und globaler Kooperation, Vernetzung von Wirtschaft und Politik. Brzezinski leistet dazu einen kühnen und wohl auch provokativen, zugleich ausgezeichneten und wertvollen Beitrag. Er ist es wert, in Wissenschaft, Medien und nicht zuletzt Regierungen studiert zu werden. Eine Politik, die aus Brzezinskis geostrategischem Ansatz folgt, setzt Einsicht und Bereitschaft aller Beteiligten voraus und muß daher aus einem breitangelegten Dialog erwachsen. Wir brauchen einen kontinuierlichen und systematischen Strategischen Dialog mit den Vereinigten Staaten, der alle Herausforderungen der internationalen Agenda umfaßt: die Ausgestaltung der Nordatlantischen Allianz, unsere gemeinsamen Bemühungen um Frieden und Stabilität in Nordafrika und im Mittelmeer, das Verhältnis der westlichen Staatengemeinschaft zu Rußland, die Stabilisierung der prekären Staatenordnung in Zentralasien; und insbesondere unsere langfristige Strategie gegenüber China. VOLKER RÜHE

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