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Rezension: Sachbuch : Keine Selbstzerstörung in Schwarz

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Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2001. 550 Seiten, 78,- Mark.Die Frage nach Einfluß und Macht der SS im "Dritten Reich" wird in der Geschichtswissenschaft nach wie vor diskutiert.

          Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2001. 550 Seiten, 78,- Mark.

          Die Frage nach Einfluß und Macht der SS im "Dritten Reich" wird in der Geschichtswissenschaft nach wie vor diskutiert. Lange Zeit herrschte Einigkeit darüber, daß sich Hitlers Diktatur mit voranschreitender Zeit, im Zweiten Weltkrieg zumal, auf dem Weg in den "SS-Staat" befand und diesem Ziel im Angesicht der "deutschen Katastrophe" verhängnisvoll nahe gekommen war. In jüngster Zeit mehren sich allerdings die Stimmen derjenigen, die vor allem im Hinblick auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des "Schwarzen Ordens" vor einer Überschätzung seiner Position im nationalsozialistischen Herrschaftsgefüge warnen.

          Dazu zählt auch Jan Erik Schulte, der sich der Aufgabe unterzogen hat, "Das Wirtschaftsimperium der SS" darzustellen und dabei den verantwortlichen Repräsentanten an der Spitze des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, Oswald Pohl, zu porträtieren. Immer wieder ist dargestellt worden, daß die SS die ideologische Vorhut des nationalsozialistischen Rassenstaates bildete, daß sie vor allem nach Heinrich Himmlers Ernennung zum Innenminister im August 1943 zu weiten Teilen das Innere der Diktatur kontrollierte, daß sie die grausame Herrschaft über die Konzentrationslager ausübte und daß sie mit Repräsentanten wie Himmler und Heydrich, Höß und Eichmann für Entwurf und Praxis der "Endlösung" verantwortlich war.

          Die Tatsache, daß die SS darüber hinaus auch in weite Bereiche der Wirtschaft und Rüstungswirtschaft eindrang, wird nunmehr in der vorliegenden Darstellung so ausführlich und sorgfältig rekonstruiert, wie das bislang noch nicht getan worden ist. Als Resultat liegt eine Organisationsgeschichte der wirtschaftlichen Tätigkeiten und Unternehmungen der SS vor, die ihresgleichen sucht: von den Anfängen während der dreißiger Jahre, die nicht zuletzt mit dem Streben nach Herstellung gesunder Nahrungsmittel zu tun hatten, bis zum Zenit an der Kriegswende 1941/42, als Pohls Wirtschafts-Verwaltungshauptamt sich anschickte, einen riesenhaft anmutenden SS-Rüstungskonzern zu errichten.

          Alle diese Pläne vermochten zwar letztlich nicht zu reifen. Das sagt aber nichts über die Ziele der SS und das Bewegungsgesetz des Regimes, das sich in ideologischer und tatsächlicher Perspektive zum SS-Staat entwickelte. Aus den Verwerfungen zwischen rivalisierenden Institutionen und Repräsentanten der Tyrannis sowie aus dem Scheitern der nationalsozialistischen Diktatur leitet der Autor ab, daß die SS, vor allem im wirtschaftlichen Zusammenhang, prinzipiell selbstzerstörerisch gewirkt habe und dabei im Grunde die allgemeine Entwicklung des "Dritten Reiches" spiegele. Dieser zentralen These des Verfassers stehen freilich die von ihm rekonstruierten Zusammenhänge ein um das andere Mal im Weg.

          Daß Hans Kammler, der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zunehmend mächtige Chef der Amtsgruppe "Bauwesen" des Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, beispielsweise seinen Verantwortungsbereich dem Einfluß seines Vorgesetzten Pohl mehr und mehr zu entziehen verstand, widerlegt keineswegs die Tatsache der bleibenden, ja wachsenden Macht der SS, der Kammler als Obergruppenführer angehörte. Vielmehr verweist dieser spezifische Vorgang - wie etliche andere - lediglich auf die erbitterten Machtkämpfe innerhalb einer expandierenden Organisation, die zudem rundum gefürchtet blieb und schließlich sogar die Wehrmacht zu beerben drohte.

          Die vielfältigen Sachverhalte, die der Verfasser zur Geschichte des Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes im "Dritten Reich" aus den Quellen gehoben hat, stützen insgesamt kaum seine Urteile über Desintegration und Scheitern, über Erfolglosigkeit und Selbstzerstörung der SS: Die Existenz der nationalsozialistischen Diktatur im allgemeinen und die ihrer radikalen Weltanschauungstruppe im besonderen, die so mächtig war wie kaum eine andere Institution in Hitlers Staat, lösten sich nicht selbsttätig auf, sondern wurden eben durch kriegerische Intervention mit einem riesigen Aufwand an Opfern aus Menschen und Material durch eine weltweite Koalition besiegt und zerstört.

          KLAUS HILDEBRAND

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