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Rezension: Sachbuch : In der Qualitätskontrolle

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Die Diskussion über Norman Finkelsteins Thesen in zwei Sammelbänden

          Petra Steinberger (Herausgeberin): Die Finkelstein-Debatte. Piper Verlag, München/Zürich 2001. 202 Seiten, 29,80 Mark.

          Ernst Piper (Herausgeber): Gibt es wirklich eine Holocaust-Industrie? Zur Auseinandersetzung um Norman Finkelstein. Pendo Verlag, Zürich/München 2001. 211 Seiten, 24,90 Mark.

          Petra Steinberger hat aus rund zwanzig Beiträgen von Historikern, Sozialwissenschaftlern und Publizisten im Schnellverfahren ein Buch zusammengestellt. Ihrer Einleitung ist anzumerken, daß Eilbedürftigkeit Vorrang hatte gegenüber sachlicher und sprachlicher Seriosität, die dem Thema angemessen wäre. Ihr Anliegen ist es, die Diskussion über Norman Finkelsteins Thesen zu dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit leicht zugänglich zu machen.

          Unter der Fragestellung "Geschäft mit dem Leid?" faßt Finkelstein die Hauptthesen seines im Juli 2000 erschienenen Buches (F.A.Z. vom 18. August 2000) zusammen: Aus Macht- und Profitgründen würden "jüdische Eliten" und ihre Organisationen in den Vereinigten Staaten einvernehmlich mit der amerikanischen Regierung das entsetzliche Leiden der Millionen von Juden ausbeuten, die während des Zweiten Weltkriegs umgebracht wurden - ebenso wie das der wenigen Überlebenden des Holocaust. Die "Holocaust-Industrie" habe sich eines "doppelten Abkassierens" schuldig gemacht. Von europäischen Regierungen eigne sie sich ebenso widerrechtlich Geld an wie von den Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Zahlungen der deutschen Regierungen für Holocaust-Opfer seien von der Jewish Claims Conference nicht bestimmungsgemäß verwandt worden. Die Holocaust-Profiteure müßten öffentlich bloßgestellt werden, um ein Wiederaufleben des Antisemitismus zu verhindern.

          Der 1947 in Israel geborene und heute in Berlin lebende Publizist Rafael Seligman geht der Frage nach, ob der Holocaust tatsächlich vermarktet wird. Er kommt zu dem Schluß, daß Finkelstein ein Agent provocateur sei und ein Aufklärer zugleich. Seine Thesen seien zwar verletzend, aber es wäre falsch, sie als destruktive Polemik abzutun. Finkelsteins Kritik sei anregend und "notwendig wie ein Reinigungsmittel".

          Vieles von dem, was Finkelstein schreibe, sei nicht neu, sondern schon von verschiedenen Autoren, unter anderen Raul Hilberg und Peter Novick, formuliert worden, betont Reinhard Rürup, Leiter der Stiftung "Topographie des Terrors" in Berlin. Neu sei dagegen die Radikalität, mit der Finkelstein die kritischen Ansätze bündele. Rürup vermißt Grautöne in Finkelsteins Buch und nicht zuletzt eine präzise Definition des polemischen Begriffs der "Holocaust-Industrie".

          Auf die Frage, welche Bedeutung der Holocaust heute in den Vereinigten Staaten habe, erwiderte der (aus Österreich stammende) amerikanische Historiker Raul Hilberg, Autor des Standardwerks "Die Vernichtung der europäischen Juden", daß es dort viele Intellektuelle gebe, die den Holocaust nutzten, um Stellen in Universitäten oder Museen zu bekommen. "Und wenn diese Forscher einen Lehrauftrag erhalten oder ein Buch verkaufen wollen, dann geht das am besten, wenn es um den Holocaust geht." Hilberg bedauerte, daß an manchen Universitäten eine Qualitätskontrolle in der Holocaust-Debatte fehle. Zur Diskussion über Finkelsteins Thesen bemerkte Hilberg, daß es in Deutschland nach wie vor ein Tabu gebe: "Deutsche können Juden nicht attackieren. Dafür wird es groß aufgemacht, wenn ein Jude einen anderen angreift. Aber erst, wenn dieses Tabu gebrochen ist, ist Deutschland wirklich emanzipiert."

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