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Rezension: Sachbuch : Das hohe CD

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          AUSWÄRTIGER DIENST. Der Anteil der Frauen im gehobenen Dienst beträgt 41 Prozent, im höheren Dienst 15 Prozent. Das brachte die Frauenbeauftragte des Auswärtigen Amts, "Aufsteigerin" aus der gehobenen in die höhere Laufbahn, auf die Idee, mit einer Historikerin Geschichte und Situation der Diplomatinnen - von der Legationsrätin bis zur Ministerialdirigentin sowie drei ehemalige Staatsministerinnen - in Form von 48 Selbstporträts und 15 Porträts anschaulich zu beleuchten. Erica Pappritz (1893 bis 1972) - die wegen ihres Auftretens eigentlich von Pappritz hätte heißen müssen - war die erste Frau in der Männerdomäne. Die Tochter eines Rittmeisters trat 1919 in das Amt ein. Ihr Spezialgebiet seit 1932: Protokoll- und Anstandsfragen. Die "Bonner Zeremonienmeisterin" ( Markenzeichen: "Kleines Schwarzes", Hut und Monokel) wird überraschend zur NS-Gegnerin erhoben: "Augenscheinlich stand sie in Kontakt mit der Widerstandsgruppe im Auswärtigen Amt und stellte sich ihr wohl auch zeitweise als Vermittlerin und Verwahrerin von Nachrichten zur Verfügung." Demgegenüber wird im Porträt über Susanne Simonis (1904 bis 1977, seit 1950 im Amt) nicht erwähnt, daß sie im September 1938 als Kurierin zwischen ihren Vettern Erich und Theodor Kordt eine Geheimbotschaft deutscher Hitler-Gegner für die britische Regierung von Berlin nach London überbrachte (auswendig gelernt, als Vorsichtsmaßnahme). Bei den Selbstporträts erfährt man manches über Schwierigkeiten im Privatleben (etwa nach einer zweiten Scheidung vom "mentalen Abhaken des Themas ,Ehe'"), über "hinreißend schöne" Pferde, die einer Gräfin den Posten in der "jemenitischen Macho-Gesellschaft" verschönerten, und über Diplome einer DDR-Diplomatin, die 1990 nichts mehr wert waren. Vor allem aber stehen berufliche Höhepunkte im Mittelpunkt der Berichte. Ministerialdirigentin Anna-Margareta Peters bekennt sich zum bestimmenden Kammerton ihrer dienstlichen Leitmelodie: "In der Sache Sinne." Manchmal frage sie sich, ob dieser Kammerton eher ein typisch weiblicher denn ein typisch männlicher sei. Viel diplomatischer als ihre jüngeren Kolleginnen, die auf besonderen Qualitäten (Fähigkeit zur Teamarbeit und zum Zuhören, Einfühlungsvermögen) beharren, antwortet sie: "Völlig unwichtig; wichtig ist allerdings, daß es unser Kammerton im Auswärtigen Dienst ist." (Ursula Müller/Christiane Scheidemann [Herausgeber]: Gewandt, geschickt und abgesandt. Frauen im diplomatischen Dienst. Olzog Verlag, München 2000. 432 Seiten, Abbildungen, 68,- Mark.)

          rab.

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