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: Ohne Tiefe

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Der Band gibt die 101 erhaltenen Berichte der österreichischen Botschafterin Johanna Nestor wieder, die sie von 1972 bis 1976 an das Wiener Außenministerium gerichtet hat. Es geht dabei vorwiegend um außenpolitische Fragen, beginnend mit der Reaktion auf den Terroranschlag gegen die Olympiamannschaft ...

          Der Band gibt die 101 erhaltenen Berichte der österreichischen Botschafterin Johanna Nestor wieder, die sie von 1972 bis 1976 an das Wiener Außenministerium gerichtet hat. Es geht dabei vorwiegend um außenpolitische Fragen, beginnend mit der Reaktion auf den Terroranschlag gegen die Olympiamannschaft in München bis hin zu einer Lageschilderung im Sommer 1976. Die Visiten verschiedener Außenminister werden ebenso nachgezeichnet wie diejenigen des UN-Generalsekretärs Waldheim oder des amerikanischen und des mexikanischen Präsidenten. Wenn die Beiträge auch weitgehend beschreibenden und weniger analytischen Charakter haben, so vermitteln sie doch einen Überblick über die anstehenden Fragen aus der Sicht Österreichs. Im Zentrum steht, was den Titel des Dokumentenbandes rechtfertigen mag, der Nahostkonflikt in seinen mannigfachen Facetten, über den eine zusammenfassende Darstellung für die betreffende Zeitspanne fehlt. In einer fünfseitigen Einleitung wird allgemein auf die aus der Vergangenheit herrührenden Schwierigkeiten der bilateralen Beziehungen und deren Entwicklung bis Mitte der siebziger Jahre hingewiesen, ohne dies zu vertiefen. Dabei registrieren die Herausgeber, dass wesentliche Ereignisse - wie die Schließung des Transitlagers Schönau nach dem Überfall palästinensischer Terroristen nebst Geiselnahme 1973 und die israelische Kritik daran - von der Botschafterin nicht behandelt wurden.

          Die Besuche von Bundeskanzler Brandt und Außenminister Genscher in Israel sowie von Ministerpräsident Rabin in Deutschland kommen nicht zu kurz. Daran war der Ballhausplatz gewiss umso mehr interessiert, weil die Bundesrepublik dem Staat Israel eine substantielle globale Wiedergutmachung ausgerichtet hatte, während Österreich dies im Sinne der aus der Okkupationstheorie abgeleiteten "Opferthese" seit jeher strikt ablehnte und daher auch eine angemessene individuelle Entschädigung der jüdischen Opfer lange auf sich warten ließ. Das war noch damals - und bis in die jüngste Zeit - durchaus mit maßgeblich für das gespannte Verhältnis zwischen Wien und Jerusalem, doch wird das heikle Thema weder in den Berichten noch in der Einleitung angesprochen.

          NIELS HANSEN

          Rolf Steiniger/Rudolf Agstner (Herausgeber): Israel und der Nahostkonflikt 1972-1976. Olzog Verlag, München 2006. 349 S., 29,90 [Euro].

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