http://www.faz.net/-gqz-16jxw

: Nicht auf dem Abstellgleis verharren!

  • Aktualisiert am

"Und ohne den Frieden ist alles andere nichts" war in den achtziger Jahren ein oft geäußerter Leitspruch Willy Brandts, der mit kleinen Schritten seiner Vision einer europäischen Friedensordnung näherkommen wollte. Seit 1982, als die SPD auf den Bänken der Opposition hatte Platz nehmen müssen, fand der Nato-Doppelbeschluss nicht mehr die Unterstützung des SPD-Parteivorsitzenden.

          "Und ohne den Frieden ist alles andere nichts" war in den achtziger Jahren ein oft geäußerter Leitspruch Willy Brandts, der mit kleinen Schritten seiner Vision einer europäischen Friedensordnung näherkommen wollte. Seit 1982, als die SPD auf den Bänken der Opposition hatte Platz nehmen müssen, fand der Nato-Doppelbeschluss nicht mehr die Unterstützung des SPD-Parteivorsitzenden. Er focht für das Konzept einer Sicherheitspartnerschaft in Europa und der strukturellen Nichtangriffsfähigkeit von Nato und Warschauer Pakt, da er die Welt in Gefahr sah, "sich zu Tode zu rüsten". Im Dialog mit den osteuropäischen Staaten und Moskau wollte Brandt eine zweite Phase der Entspannungspolitik einleiten, was freilich eine Illusion war, solange in Moskau mit Andropow und Tschernenko die Moskauer Gerontokratie die politischen Zügel in der Hand hielt. Erst mit dem Amtsantritt Michail Gorbatschows zum neuen Generalsekretär der KPdSU im März 1985 eröffneten sich neue Perspektiven für ein Gespräch über Abrüstung, Sicherheit und Zusammenarbeit.

          Im zehnten und letzten Band der Edition "Willy Brandt - Berliner Ausgabe" werden erstmals der Briefwechsel zwischen dem sowjetischen Parteichef und dem sozialdemokratischen Elder Statesman sowie Auszüge aus Protokollen über drei Gespräche, die Gorbatschow und Brandt in Moskau führten, veröffentlicht. Bereits am 27. Mai 1985 - kurz nach seinem Amtsantritt - gewährte Gorbatschow dem SPD-Parteivorsitzenden ein längeres Gespräch als allen anderen westlichen Politikern. Der Generalsekretär der KPdSU brachte seine Wertschätzung für Brandt und die Aktivitäten der SPD zum Ausdruck und stellte unter anderem den Vorschlag eines allgemeinen Moratoriums für die Mittelstreckenwaffen zur Debatte. Brandt begrüßte dies, allerdings ergänzt durch eine einseitige Abrüstungsinitiative der Sowjetunion, worauf sich der kommunistische Parteichef zu diesem Zeitpunkt noch nicht einließ.

          Der SPD-Chef nahm den zögernden Gorbatschow schon 1985 beim Wort, versuchte dessen Willen zur Abrüstung zu bestärken und dessen Initiativen Gehör zu verschaffen. So bat er Bundeskanzler Kohl im April 1986 inständig, das Gewicht der Bundesregierung für den von Gorbatschow vorgeschlagenen Atomteststopp "in die Waagschale zu werfen". Die ohnehin nicht guten Beziehungen zwischen dem Generalsekretär der KPdSU und dem deutschen Bundeskanzler sollten allerdings 1986 einen Tiefpunkt erreichen, als Kohl im Interview mit dem amerikanischen Magazin "Newsweek" Gorbatschow mit Goebbels in einem Atemzug nannte. Brandt war um Schadensbegrenzung bemüht und teilte Gorbatschow seinen Wunsch mit, "das Verhältnis zwischen Bonn und Moskau von den Belastungen zu befreien, die Herr Kohl zu verantworten hat".

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wunderkind : Der Überflieger in Berlins Start-up-Szene

          Abitur mit 12, Studium mit 15, dazu zwei Doktortitel: Der Georgier Tamaz Georgadze ist ein Ausnahmetalent – und sammelt Milliarden von deutschen Sparern ein.
          Karamba Diaby mit seinem Wahlkampfplakat in Halle

          Interview mit Karamba Diaby : „Ostbashing kann ich nicht nachvollziehen“

          Im neuen deutschen Bundestag sitzt genau ein schwarzer Parlamentarier, und der kommt ausgerechnet aus dem ostdeutschen Halle. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Karamba Diaby (SPD), was die Westdeutschen am Osten nicht so recht verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.