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: Gummilöwe mit Feldmarschallin

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Manche hohe Offiziere nannten ihn hinter vorgehaltener Hand "Gummilöwe", weil er zwar optisch eine beeindruckende Gestalt abgab, in der Sache aber immer "einklappte", wenn es darum ging, die Interessen der Wehrmacht und vor allem des Heeres gegen die "nationalsozialistische Revolution" zu verteidigen.

          Manche hohe Offiziere nannten ihn hinter vorgehaltener Hand "Gummilöwe", weil er zwar optisch eine beeindruckende Gestalt abgab, in der Sache aber immer "einklappte", wenn es darum ging, die Interessen der Wehrmacht und vor allem des Heeres gegen die "nationalsozialistische Revolution" zu verteidigen. Kirstin A. Schäfer schildert nun Werner von Blombergs Aufstieg und Fall. Blomberg gehört in der Weimarer Republik zu den Gegnern der Schlieffen-Schule. Nicht im raumgreifenden Operieren sieht er das Heil, sondern in der positiven Annahme des industrialisierten Massenkrieges. Nicht irgendwelche Flügel stark zu machen bringe den Sieg im nächsten Krieg, sondern die richtige Moral der Truppe. Das schafft ihm in der Reichswehr wenig Freunde, denn Hans von Seeckt - bis Ende 1926 Chef der Heeresleitung - gehört zu den Schlieffen-Jüngern, und Blombergs Gönner Walther Reinhardt verliert schnell an Einfluss. Blomberg wird Chef der Heeresausbildungsabteilung, später Chef des Truppenamtes, also des getarnten Generalstabs des Heeres. Von dort aber wird er Divisionskommandeur und Wehrkreisbefehlshaber im fernen Ostpreußen - viele Zeitzeugen werten das als Karriereknick, aber die Autorin kann mit guten Argumenten belegen, dass das eine durchaus angemessene Anschlussverwendung war, die zudem Blombergs publizistischer Tätigkeit jener Jahre entsprach. Dabei ist es etwas irreführend, ihn mit Charles de Gaulle in einem Atemzug als "Prophet" in der europäischen militärischen Szenerie zu nennen: Der Franzose de Gaulle tritt für ein kleines, hochbewegliches professionelles Heer ein und polemisiert gegen das von Blomberg gepriesene breite Massenheer.

          Blomberg ist auch beteiligt an der deutsch-sowjetischen Rüstungszusammenarbeit in den Bereichen Panzerentwicklung, Gaskrieg und Luftstreitkräfte. Er kann sich durchaus eine langfristige Zusammenarbeit mit dem stalinistischen Regime vorstellen und äußert das auch. Auf die Dauer führt die Karriere des Generals stetig, aber nicht steil nach oben. Daran ändert sich erst etwas, als Hitler Ende Januar 1933 für sein Kabinett einen neuen Reichswehrminister sucht und als seine Wahl eben auf Blomberg fällt. Blomberg ist es, der Hitler das Heer zuführt. Zug um Zug lässt er die bewaffnete Macht des Reiches (die jetzt bald "Wehrmacht" heißt - mit Blomberg als Reichskriegsminister an der Spitze) zur tragenden Säule des nationalsozialistischen Regimes werden. Hakenkreuz an der Uniformbrust, Eid auf die Person Hitlers, Teilnahme an den Reichsparteitagen - Blomberg ist immer die treibende Kraft. Blomberg scheint immer davon ausgegangen zu sein, dass er das Vertrauen Hitlers hatte und dass der Reichskanzler in militärischen Fragen auf ihn hörte. War es nicht Hitler gewesen, der 1934 durch die Ausschaltung der SA (und zugleich auch Blombergs alten Rivalen, General Kurt von Schleicher) das Heer als alleinigen Waffenträger der Nation bestätigt hatte? Nur als Hitler das noch im Aufbau befindliche Heer schon 1937/1938 in einen Krieg gegen die Tschechoslowakei schicken will, da wird der 1936 zum Generalfeldmarschall ernannte Blomberg zögerlich. Er sieht den rechten Zeitpunkt noch nicht für gekommen. Anders als etwa der Generalstabschef des Heeres, Ludwig Beck, tritt Blomberg aber deshalb nicht zurück. Ganz "Gummilöwe", ist er letztlich bereit zu tun, was sein "Führer" von ihm verlangt.

          Kirstin Schäfer hebt hervor, dass Blombergs überraschende Demission Anfang 1938 einen anderen Grund hat: Blomberg, verwitwet, hat wieder geheiratet, mit Hitler als Trauzeuge. Und die neue "Feldmarschallin" erweist sich als "unstandesgemäß" - sie hat eine Vergangenheit in der Berliner Halbwelt. Anders als in der zeitgleichen Fritsch-Affäre ist hier nichts von Schergen des "Dritten Reiches" konstruiert, der Skandal ist manifest, und Blomberg zeigt sich unwillig, durch schnelle Trennung von seiner Frau die Karriere zu retten. So ermöglicht er es dem "Führer", sich selbst zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht emporzuschwingen. Frau Schäfer räumt hier noch einmal mit einigen Mythen in der älteren Literatur auf. Vor allem gestützt auf Blombergs 1945/46 in der Nürnberger Haft entstandene Memoiren (die sie als Erste benutzen konnte, wobei man sich jedoch gelegentlich etwas mehr kritische Distanz zur Quelle gewünscht hätte), bemüht sie sich darum, den Kriegsminister der Jahre 1933 bis 1938 im Kontext des Militärwesens seiner Zeit zu sehen. Blomberg stirbt Anfang 1946 in der Haft an Darmkrebs - von den Alliierten als Kriegsverbrecher verdächtigt, von den Kameraden wegen des Ehe-Skandals geächtet.

          WINFRIED HEINEMANN

          Kirstin A. Schäfer: Werner von Blomberg. Hitlers erster Feldmarschall. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006. 291 S., 29,90 [Euro].

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