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Aus internationalen Zeitschriften : China, China, China

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Andy Warhol: Mao Bild: REUTERS

Neunzig Jahre nach Gründung der Kommunistischen Partei Chinas: Bestimmt eine neue Hegemonie oder etwa friedliche Kooperation die chinesische Politik?

          Das waren noch Zeiten, als der Bundeskanzler im Bundestag emphatisch ausrief: „Ich sage nur: China, China, China!“ Mehr als 40 Jahre ist das her. Damals war damit alles gesagt. Regierungsparteien und Opposition schauderten. Zur einen Hälfte bestand Chinas Aura aus vagen Bedrohungsempfindungen, zur anderen aus unbegründbaren Langzeithoffnungen. Kreml-Astrologie war im Vergleich zur politischen Beschäftigung mit China eine rationale Angelegenheit. Klar war nur eines: Irgendwie musste man mit China rechnen. Ernsthaft begonnen hat damit Präsident Nixon. Sein Staatsbesuch beim greisen Mao im Februar 1972 gehört heute zu den politischen Mythen zwischen Kaltem Krieg und Ost-West-Entspannung.

          Seit jenem Besuch hat sich im Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten viel verändert. China ist längst nicht mehr nur eine potentielle, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht eine reale Weltmacht mit zahlreichen Handlungsoptionen, auch solchen, die es zum Nachteil Washingtons einsetzen könnte. Seine groß-regionalen sowie globalen Interessen vertritt China mehr und mehr unmissverständlich. Zugleich trägt es schwer an seinen inneren Problemen und weist, aus westlicher Sicht, ein beachtliches Defizit in seiner Demokratie- und Menschenrechtsbilanz auf.

          Seit ein paar Jahren werden in Universitäten und Denkfabriken innerhalb und außerhalb Chinas immer neue Szenarien über den Aufstieg des Landes zu einer entscheidenden Weltmacht entworfen. Bleibt dieser Aufstieg friedlich? Oder wird es zu regionalen und überregionalen Konflikten kommen, bei denen „harte“ Machtfaktoren wie Wirtschaftskraft und Streitkräfte den Ausschlag geben? Anders gefragt: Läuft der Aufstieg Chinas auf ein Macht-Nullsummen-Spiel hinaus?

          Entschieden dieser Ansicht ist John J. Mearsheimer von der University of Chicago. Sein Aufsatz „The Gathering Storm: China's Challenge to US Power in Asia“ in The Chinese Journal of International Politics basiert auf der These, dass es weltpolitisches Handeln einzig zum Wohle des Ganzen nicht gibt. Wer eine Spitzenstellung einnimmt, will als Vormacht einen möglichst großen Abschnitt der Welt beherrschen. Die Vereinigten Staaten haben das so gemacht; China wird es ebenso machen. Bei der Suche nach Verbündeten werden eine Reihe von Chinas Nachbarstaaten wie Indien, Japan, viele südostasiatische Staaten und Australien die Nähe zu Washington suchen, um Chinas Gewicht auszubalancieren. Europa hingegen wird sich, weil nicht direkt tangiert, aus dem Wettbewerb zwischen Washington und Peking heraushalten wollen. Da China ganz besonders auf einen sicheren Seeweg vom Indischen Ozean zu den eigenen Häfen angewiesen ist, prognostiziert Mearsheimer einen maritimen Rüstungsschub.

          Wie wichtig neuerdings die Marine (Handelsmarine und Kriegsmarine) für China geworden ist, unterstreicht auch Lixin Sun von der Normal University in Peking. Als Historiker vergleicht er „Chinese Maritime Concepts“ im Asia Europe Journal in Vergangenheit und Gegenwart. Dabei wird einmal mehr deutlich, wie tief das „Jahrhundert der Demütigungen“ zwischen 1840 und 1949 im Gedächtnis der chinesischen Führungsschicht verankert ist. Noch Mao Tse-tung betrachtete die Meere um China als geographische Barrieren.

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