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: Absolute Macht korrumpiert absolut

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Wer noch Mitte seiner achtziger Jahre Memoiren schreibt - und nicht schreiben lässt -, der weiß, dass er auf ein bewegtes Leben zurückblickt. Da darf man dann auch nicht Anstoß daran nehmen, wenn der im Plauderton erzählende alte Herr von einem Thema zum anderen springt oder wenn er seitenlang die ...

          Wer noch Mitte seiner achtziger Jahre Memoiren schreibt - und nicht schreiben lässt -, der weiß, dass er auf ein bewegtes Leben zurückblickt. Da darf man dann auch nicht Anstoß daran nehmen, wenn der im Plauderton erzählende alte Herr von einem Thema zum anderen springt oder wenn er seitenlang die Regeln des Benedikt von Nursia zitiert, denen er sich beinahe unterworfen hätte, oder wenn er ebenso ausführlich auf die Menagerie seiner verstorbenen Frau eingeht, einschließlich aller ausgestopften Tiere. Immer versteht es Roland Hill, in angelsächsischer Manier den Leser zu unterhalten und zu informieren. Am Ende erweist sich, dass dieses eindrucksvolle Leben um zwei große Komplexe kreist: das Zurechtfinden des aus einer jüdischen Familie stammenden, zunächst protestantisch getauften und dann zum Katholizismus konvertierten Mannes in seiner neuen spirituellen Heimat und das Einleben des kontinentaleuropäischen Intellektuellen in Großbritannien, seinem politischen Refugium, dem er sein Leben verdankt.

          Nach mehreren Umzügen der Familie und nahezu mittellos erreichte der Achtzehnjährige einen Monat vor Kriegsbeginn im Sommer 1939 die britische Hauptstadt, die für immer der Mittelpunkt seines Lebens bleiben wird. Schon damals fielen ihm sogleich die kultivierten Umgangsformen der Engländer auf, zumal ihre distanzierte Höflichkeit; "a land of such dear souls" überschreibt er das Kapitel. Ihren pragmatischen Optimismus, die Überzeugung, dass der Mensch, nicht Gott, Herr seines Schicksals ist, führt er auf das Missionswerk des Pelagius zurück, der nicht an die Erbsünde glaubte, aber Augustinus in diesem Disput unterlag. Während seiner kurzfristigen Internierung auf der Insel Man im Sommer 1940 wird ihm bewusst, wie tief die ältere jüdische Generation in der deutschen Kulturnation verwurzelt war, mehr noch als in ihrer Religion.

          Erst mit Eintritt in ein schottisches Infanterieregiment nennt er sich Roland Hill, er, der Sohn eines Hamburger Kaufmanns mit Namen Rudolf Hess (!). In der Uniform des Siegers kehrt er dann 1945 in seine Vaterstadt zurück, um beim Wiederaufbau eines demokratischen Pressewesens zu helfen. Nach dem Krieg begann er seine Karriere als Journalist bei dem katholischen Wochenblatt The Tablet unter der Leitung des namhaften Publizisten Douglas Woodruff, dessen Frau die Enkeltochter von Lord Acton (1834 bis 1902) war, des liberalen katholischen Historikers und Professors in Cambridge. Die sorgfältig recherchierte Biographie dieses Außenseiters unter den englischen Katholiken des 19. Jahrhunderts sollte dann das von der historischen Zunft durchaus gewürdigte Alterswerk Hills werden: die Geschichte eines grandios gescheiterten Lebensentwurfs. Acton und sein Münchner Lehrer Ignatz von Döllinger waren bekanntlich die resolutesten Gegners des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit.

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