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Plünderungen „Unser Land hat nichts getan“

17.04.2003 ·  Der Präsident des Kulturbeirats von Präsident Bush, Martin Sullivan, ist aus Protest gegen die Plünderungen im Irak zurückgetreten. Unesco und Interpol schicken Experten in die Region, um Kulturgüter aufzuspüren.

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Der Präsident des Kulturbeirats von Präsident George W. Bush, Martin Sullivan, ist aus Protest gegen die Plünderungen und Verwüstungen der Museen im Irak zurückgetreten. Auch zwei weitere Berater traten zurück.

In einem an Bush gerichteten Schreiben vom Montag kritisiert Sullivan, die „Tragödie“ der Zerstörung irakischer Kunstschätze sei „wegen der Untätigkeit unseres Landes“ nicht verhindert worden. Präsident Bush habe die zwingende moralische Verpflichtung gehabt, eine solche Plünderung und Zerstörung zu vermeiden. Die Regierung habe nicht auf die Ratschläge der Wissenschaftler gehört.

„Andere Prioritäten“

Auch der amerikanische Professor McGuire Gibson von der Universität Chicago äußerte sich am Donnerstag auf einer Unesco-Konferenz in Paris enttäuscht über die alliierten Truppen. Er habe das Militär vor dem Krieg auf die Gefahren hingewiesen, doch hätten die Streitkräfte andere Prioritäten gehabt. Neben spontanen Plünderungen habe es auch organisierte und ganz offenbar von außerhalb Iraks gesteuerte Diebstähle gegeben, sagte der Präsident der amerikanischen Forschungsvereinigung in Bagdad. Einige Plünderer hätten sich Schlüssel besorgt und Objekte aus Tresoren gestohlen.

Mit einer Resolution des Weltsicherheitsrats will die Unesco den weltweiten Ausverkauf der bei Plünderungen gestohlenen irakischen Kulturgüter stoppen. Die Vereinten Nationen sollten für einen Übergangszeitraum den Handel mit Objekten aus Irak international verbieten, forderte der Generaldirektor der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Koichiro Matsuura, in Paris.

Die Unesco sowie Interpol wollen so schnell wie möglich Experten nach Irak entsenden. Erste Diebesware aus den irakischen Museen ist offenbar bereits in Europa angekommen.

Listen im Internet

Fachleute haben mit der Erstellung von Listen begonnen, um Zoll, Polizei und den Akteuren des internationalen Kunst- und Antiquitätenmarkts die Identifizierung möglicherweise gestohlener Objekte zu ermöglichen. Gibson sagte, schon in Kürze würden Informationen über die verschwundenen Kulturgüter ins Internet gestellt.

Interpol appellierte am Freitag in Lyon an alle Kunsthändler, Angebote von Objekten aus Irak abzulehnen. Die internationale Polizeiorganisation bildete eine hochrangige Kommission, die die Bemühungen zum Aufspüren der verschwundenen Kulturgüter und der Täter koordinieren soll.

Eine UN-Resolution würde den Handel mit Objekten aus Irak weltweit unter Strafe stellen, eine entsprechende Konvention der Unesco gilt derzeit nur in 97 Staaten. Deutschland hat die Konvention aus dem Jahr 1970 nicht ratifiziert.

Erste Stücke in Frankreich

Unesco-Generaldirektor Matsuura sagte, er werde UN-Generalsekretär Kofi Annan bitten, eine entsprechende Resolution im Weltsicherheitsrat einzubringen. Der stellvertretende Unesco-Generaldirektor für Kultur, Mounir Bouchenaki, sagte, nach Angaben eines französischen Abgeordneten seien erste Stücke aus Irak in Frankreich angekommen.

Matsuura appellierte an die neuen Machthaber in Irak, zur Verhinderung weiterer Plünderungen umgehend eine landesweite „Polizei für das Kulturerbe“ einzurichten. Er bedankte sich bei Italien, das 370.000 Euro für den Schutz des irakischen Kulturerbes bereitgestellt habe. Auch aus anderen Staaten sei inzwischen Geld geflossen, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Weltkulturerbe

An dem Pariser Treffen nahmen 30 Experten teil, darunter die irakische Archäologin Salma El Radi von der Universität New York und der Direktor der archäologischen Missionen der Vereinigten Staaten in Irak, McGuire Gibson, sowie der langjährige Vorstand des Instituts für Vorderasiatische Archäologie der Universität München, Barthel Hrouda. Die Unesco hatte sich bereits nach den Kriegen in Kambodscha, auf dem Balkan und in Afghanistan um die Erhaltung des Kulturerbes gekümmert. Derzeit steht Hatra als einzige irakische Kulturstätte auf der Unesco-Welterbe-Liste. Für sieben andere Stätten - darunter Assur, Nimrud, Ninive und Ur - ist die Aufnahme beantragt.

Für den 5. und 6. Mai hat Interpol am Hauptsitz in Lyon eine Konferenz einberufen, auf dem Experten verschiedener Organisationen, darunter auch die Unesco, darüber beraten sollen, wie effektiv und schnell gegen den Raub der irakischen Kulturgüter vorgegangen werden kann. Interpol hat bereits seine 181 Mitgliedsländer aufgerufen, auch Zoll, Grenzschutz, Kunsthandel und Auktionshäuser zu informieren.

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