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Plagiatsvorwürfe : Und jetzt alle!

Sie ist kein Einzelfall, sie ist nur prominent: Annette Schavans Dissertation wird kritisch beäugt Bild: dapd

Warum werden ausschließlich die Doktorarbeiten Prominenter auseinandergenommen? Ein Plädoyer für die Untersuchung sämtlicher Altpromotionen. Mit Zeitrahmenschätzung.

          Ein Vorschlag zur Gerechtigkeit. Es ist nämlich sehr ungerecht, dass immer nur die Doktorarbeiten von prominenten Politikern auseinandergenommen werden. Na, gut, Prominenz ist relativ, Chatzimarkakis und Althusmann, da hatte Kollege Martenstein damals recht, bei denen musste man auf Politik schon echt spezialisiert sein, um sie vor ihren Plagiatsaffären überhaupt zu kennen. Doch seine einleuchtende Forderung nach einer Mindestlebensleistung für die Verursacher von Skandalen war ja auch mehr an die Medien gerichtet.

          Den Universitäten hilft sie nichts. Die müssen aktiv werden, sobald ein Verdacht aufkommt, ganz gleich, welche Motive der Anzeige zugrunde liegen. Sind solche Motive nun aber sehr ungleich verteilt, gibt es ein Fairnessproblem. Mehr als 20.000 Doktorarbeiten werden jährlich an deutschen Universitäten hergestellt, da sind die prominenten Politiker oder diejenigen, die später - etwa durch Skandale - prominente Politiker werden, nur eine Minderheit.

          Nimmt man als Stichjahr 1980, als Annette Schavan ihr Literaturreferat abgegeben hat, und rechnet über den Daumen die phantastischen Steigerungsraten des Promovierens seitdem hinein, dann kommen wir leicht auf eine halbe Million Doktorarbeiten. Die müssen jetzt eigentlich nachuntersucht werden, das wäre die Wissenschaft ihrer Ministerin wohl schuldig. Da allerdings die Universität Düsseldorf gut acht Monate für die Prüfung einer einzigen Dissertation gebraucht hat, kommen wir dafür auf fast 350.000 Jahre. Das ist lang.

          Die Düsseldorfer Kommission bestand allerdings nur aus fünfzehn Leuten, das kann man ändern. Würde beispielsweise aus den Mitteln der „Allianz der großen Forschungsorganisationen“ (DFG, Max-Planck und so weiter) ein Sonderprogramm zur Akribischen Untersuchung der Gesamtmenge inländischer Altpromotionen (AUGIAS) aufgelegt, dann müsste in dessen Rahmen nur für eine Prüferzahl von etwa 300.000 gesorgt werden, damit die Sache in gut fünfzehn Jahren erledigt wäre. Das wiederum entspräche ungefähr dem Doktorandenaufkommen von nur fünfzehn Jahren deutscher Universitätsgeschichte. Was uns nun endgültig einer Lösung des Problems nahebringt. Es wird einfach jeder Promovend verpflichtet, nach Abschluss seines Verfahrens sofort und für die nächsten Jahrzehnte Kommissionen zur Überprüfung aller anderen Promotionen zur Verfügung zu stehen. Vermutlich würde allein die Aussicht, so gelesen zu werden, vom Schreiben abhalten, und dann ginge die Sache arithmetisch auf.

          Quelle: F.A.Z.

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