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Veröffentlicht: 26.07.2013, 16:56 Uhr

Pius-Bruderschaft Die Kreuzzügler

Die Pius-Brüder verdammen alles, was unsere Gesellschaft heute prägt. Doch während die katholische Kirche ständig Mitglieder verliert, gewinnen sie neue hinzu. Über den Reiz des Fundamentalismus in der Moderne.

von Christina Rietz
© Frank Röth Der Generalobere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, bei der Priesterweihe in Zaitskofen

In knöchellangen weißen Gewändern liegen sieben Männer auf dem Boden. Ihre Gesichter ruhen auf den Unterarmen, über dem linken liegt, zusammengefaltet, das Messgewand, das sie später zum ersten Mal tragen dürfen. Die Männer werden zu Diakonen und Priestern geweiht. Vor ihnen, auf den Stufen zum blumengeschmückten Altar, knien auf rotem Teppich vier Priester in roten Gewändern. Links und rechts der Kandidaten knien Geistliche in weißen Chorhemden, hinter ihnen zweitausend Gläubige vor Bierbänken. Alle rufen die großen Heiligen der katholischen Kirche an. Es sind 52 Namen. In Demut verharren die Kandidaten ausgestreckt vor dem Altar. Sie werden jetzt Männer Gottes. „Sancte Martine - ora pro nobis!“ Heiliger Martin, bitte für uns.

Was hier in Zaitzkofen, einem kleinen Ort in Niederbayern, geschieht, hat der Vatikan verboten. Deshalb findet es nicht in einer prachtvollen Kathedrale statt, sondern in einem Zelt unter freiem Himmel. Diese Priesterweihen sind illegal. Denn es versammelt sich die Pius-Bruderschaft, ein Zusammenschluss konservativer Katholiken, der sich mit Rom zerstritten hat. Die Pius-Brüder missbilligen die Religionsfreiheit, die Ehescheidung, die Homosexualität, die Gleichberechtigung der Frau, die Abtreibung, die Trennung von Staat und Kirche und, generell, die Aufklärung. Sie sind gegen alles, was die moderne Gesellschaft ausmacht. Sie sind, wenn man so will, päpstlicher als der Papst.

Nach dem Bittgebet legt der Bischof jedem einzelnen Kandidaten die Hände auf das Haupt, so wie es seit 2000 Jahren Bischöfe bei Weihen tun. Er trägt rote Handschuhe, seinen Ring und sagt: „Nimm das Joch des Herrn, denn Sein Joch ist süß und Seine Bürde leicht.“ Dann legt er den Neupriestern die Stola auf beide Schultern, salbt ihre Hände. „Damit alles, was sie segnen, gesegnet sei.“ Er überreicht ihnen Kelch und Hostie zum Zeichen ihrer neuen Gewalt. Am Ende der Zeremonie sagt er: „Denen du die Sünden nachlassen wirst, denen sind sie nachgelassen, und denen du sie behalten wirst, denen sind sie behalten.“ Alles freilich auf Latein.

Fundamentalismus als Kompliment

Gläubige aus ganz Europa sind zu dieser Priesterweihe gekommen. Die Frauen unter den Besuchern tragen Rock. Angehörige verschiedener katholischer Orden sind da. Ebenso eine Abordnung der Marienritter des kostbaren Blutes in beigefarbenen Umhängen. Es ist ein kühler Frühsommertag in Zaitzkofen, wo es ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert gibt, das ein Priesterseminar der Bruderschaft Pius’ X. beherbergt. Im Schlossgarten findet der Weihegottesdienst statt. Von hier werden die neuen Priester ausgesandt in alle Welt.

Sie sollen dem katholischen Europa, seinen Führern und Gläubigen, die eine Wahrheit predigen, die diese nicht mehr hören wollen. Sie sollen missionieren und allen Völkern das Evangelium bringen. Sie sollen die katholische Kirche retten, die ihnen wie eine Ruine vorkommt. Man schimpft sie Fundamentalisten, doch das empfinden sie als Kompliment.

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