Es kann jetzt nicht mehr lange dauern, bis man auf all die untauglichen Werkzeuge verzichten kann, die manche Menschen immer wieder dazu bringen, Dinge zu sagen, die sie so nicht meinen. Das gefährlichste dieser Instrumente ist die Schrift: Kaum hat man sich versehen, hält sie launig vor sich hin gedachte Gedanken fest, völlig egal, wie fertig oder unfertig sie sind, wie krank oder gesund, manchmal sind es nicht einmal die eigenen.
Mit Hirnscannern für den Hausgebrauch wird man dem Problem bald zu Leibe rücken, mit Nanosonden, die Ideen direkt aus dem Kleinhirn abholen, in Echtzeit natürlich. Bis es so weit ist, gibt es Twitter. Auf Twitter kann man schon heute Menschen beim Denken zuschauen, auch jenen, die damit ihre Probleme haben. Womit wir bei den Piraten wären. Wo andere Politiker die Klappe halten, gern auch mit vielen Worten, kämpfen die Piraten um die Freiheit, Unsinn zu reden, und das geht eben nirgends so gut wie im Netz. Gestern hat schon wieder ein Pirat so einen Satz ins Internet gehängt, von dem er anschließend nicht weit genug weglaufen konnte: Der Lübecker Direktkandidat Manfred Vandersee hatte sich auf Facebook beschwert, dass der Zentralrat der Juden seit 2012 „mit 10 Millionen Euro (!) aus hart erarbeiteten Steuergeldern alimentiert“ werde, und möglichst raunend hinzugefügt: „Weitere Kommentare spare ich mir an dieser Stelle.“
Medikament für politische Bildung
Und während die zugeschaltete Piratencrew noch darüber diskutierte, ob so ein Satz jetzt antisemitisch sei (auf dem nächsten Parteitag übrigens soll endlich eine verbindliche Richtlinie über die Frage verabschiedet werden, ob die Erde eine Kugel ist), da rülpste schon der nächste Matrose unter dem Pseudonym „juggernaut“ ins Netz: „Der Zentralrat der Juden ist ja auch ein faschistischer Scheißverein.“
Und als ihm dann seine Twitterfreunde erklärt hatten, was er damit denn nun gemeint hat, entschuldigte er sich mit allen Versalien, die seine Tastatur hergab für die „RIESENGROSSE SCHEISSE“, die er gerade erzählt hatte. Er sei sehr krank, sage sein Psychologe, und werde nun erst einmal seine Pillen nehmen. Mag sein, dass „juggernaut“ tatsächlich psychische Probleme hat, dann gute Besserung. Blöd nur, dass eine Partei nicht einfach Pillen gegen ihre antisemitischen Ausschläge nehmen kann. Aber vielleicht gibt es ja andere Mittel gegen den lebensgefährlichen Mangel an politischer Bildung. Irgendein Nerd entwickelt bestimmt schon eine Software dagegen.