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Peter Körte Er nervt, weil er muß

25.07.2004 ·  Schon möglich, daß die Amerikaner dank Moores Film Bush abwählen und der Regisseur dann arbeitslos wird. Keine schlechte Pointe.

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Doch, er kann bisweilen sehr lustig sein, und wenn es in einem Dokumentarfilm mal etwas zu lachen gibt, sollte man dankbar sein. Immerhin hat Michael Moore auch einen echten Präsidenten zur Filmkritik konvertieren lassen. Der Tscheche Vaclav Klaus ärgerte sich so sehr, daß er "Fahrenheit 9/11"; mit kommunistischer Propaganda verglich und den Erfolg des Films mit dem "klassischen europäischen Kultur-Anti-Amerikanismus" der Jury in Cannes erklärte.

Was auch sehr lustig ist, weil der Jurypräsident Quentin Tarantino hieß und weil "Fahrenheit 9/11" in Amerika die für einen Dokumentarfilm fabelhafte Summe von hundert Millionen Dollar eingespielt hat - womöglich sind ja die Amerikaner die wahren Antiamerikaner. Ein wenig verwirrend ist nur, was in Tarantinos Kopf vorgeht, der weiß, wie man Filme macht, wohingegen Moore mitunter so wirkt, als habe er gerade entdeckt, daß man am Schneidetisch Bilder nahezu beliebig montieren und damit so wuchtige wie schlichte Effekte erzielen kann.

Und wenn einer mit soviel Wucht offene Türen einrennt, wird er halt von seinem eigenen Schwung mitgerissen und verliert das Gleichgewicht. Wer Moore nun "moralische Frivolität" und Widersprüchlichkeit vorwirft - wie der Publizist Christopher Hitchens -, übersieht, daß Moore genau der Widersacher ist, den ein Präsident wie George W. Bush verdient. Er nervt und nervt und hat damit Erfolg. Schon möglich, daß die Amerikaner dank Moores Film Bush abwählen und der Regisseur dann arbeitslos wird. Keine schlechte Pointe.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.07.2004, Nr. 30
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