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Peter Handke : Andersalt

Zieht sich Peter Handke etwa aufs Altenteil zurück? Anzeichen dafür gibt es bereits seit Jahren. Doch der Abschied dürfte untermalt von nicht enden dürfenden Fanfarenklängen sein.

          Er habe das Wörtchen „fast“ ganz gern, hat der Schriftsteller Peter Handke einmal gesagt. Das kann man gut verstehen: Er hat fast alles erreicht, was ein Autor erreichen kann, fast alles geschrieben, was er zu schreiben, fast alles gesagt, was er zu sagen hatte, und fast alles anders gemeint, als es verstanden wurde. Ohne das Wörtchen fast ist Peter Handke fast nicht beizukommen.

          Jetzt, wenige Wochen nach seinem fünfundsechzigsten Geburtstag, hat er in einem Gespräch mit dem Magazin „Cicero“ erklärt, künftig gehe es ihm darum, das literarische Lebenswerk „zum Ausklingen zu bringen“. Wie das, zieht sich Peter Handke etwa aufs Altenteil zurück? Und tatsächlich, Anzeichen dafür gibt es bereits seit Jahren: Zunächst hat er erklärt, er werde nie mehr öffentlich auftreten, danach hieß es, er wolle nie wieder einen Preis annehmen, im letzten Jahr imaginierte er sich als einen, der „geschrieben haben wird“, in seinem jüngsten, vor kurzem erschienenen Buch „Die morawische Nacht“ zeichnet er das Porträt eines „abgedankten Autors“.

          Gründlich aufgeräumt

          Auch in der eigenen Schreibstube wurde gründlich aufgeräumt: Einen Teil seines Archivs hat Handke unlängst nach Wien gegeben, seine Notizbücher gingen ins Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Großreinemachen im Hause Handke also. Dazu passt auch die jüngste Erzählung, die von der Kritik mit seltener Einmütigkeit als überraschend selbstironischer Versuch einer Lebensbilanz gelesen wurde, als „Selbstprüfung“, die auch das Trauma der letzten Jahre nicht ausspart: Sogar seine verbohrte Verklärung des reinen Serbentums wird hier geradezu ironisch betrachtet.

          Der Dichter der andersgelben Nudel ist jetzt also ein andersalter Poet: geläutert, gelassen, altersmilde. Denn nun geht es um das Ausklingen. Handke denke über das Ende seines literarischen Schaffens nach, schreibt „Cicero“, und es könnte einem jetzt ganz melancholisch werden, wenn man nicht gerade erst ein Fernsehinterview mit Handke gesehen und von seinem Interview mit der Belgrader Zeitung „Politika“ gehört hätte, in dem er schon wieder fast der Alte ist. Und dann sind da ja außer der neuen Erzählung auch noch zwei soeben erschienene Bücher mit gesammelten Essays und Gedichten sowie ein Band mit Interviews und eine Bildmonographie zu Leben und Werk. Und das nächste Interview kommt bestimmt auch bald.

          Fassen wir uns also, Schluss mit der Melancholie! Handke ist allgegenwärtig, und allmählich beginnt sich abzuzeichnen, wie sich der Liebhaber der Stille das Ausklingen vorstellt: untermalt von nicht enden dürfenden Fanfarenklängen. Fast hätte man's ahnen können.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z., 23.01.2008, Nr. 19 / Seite 33

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