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Peter Carey: Parrot und Olivier in Amerika : Wenn der Papagei plappert, lassen die Dummen Federn

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Peter Carey erteilt in seinem geistreichen Tocqueville-Roman „Parrot und Olivier in Amerika“ dem Alten Europa Lektionen in Sachen Kunst und Demokratie - mit viel Ironie, Scharfsinn und Spaß an der Provokation.

          Der tragikomischen Dialektik von Herr und Knecht verdanken wir einige der schönsten Geschichten der Weltliteratur: Don Quijote und Sancho Pansa, Jacques und sein Herr, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, Puntila und Matti. "Parrot und Olivier in Amerika" reiht sich würdig in diese große Tradition ein. Aber Peter Carey ist nicht nur ein sprachgewaltiger Erzähler, sondern auch ein raffinierter Spieler und Trickser (sein letzter Roman, "Liebe", war eine Liebes- und Diebesgeschichte im Kunstfälschermilieu), und so gibt er dem alten Motiv vom Lakaien, der klüger als sein Herr ist, einen neuen, ironischen Drall: Das barbarisch unkultivierte Amerika, die "schreckliche Tyrannei der Mehrheit", erteilt dem hochmütigen alten Europa eine literarische Lektion.

          Besessen von Geld und Handel

          Der standesgemäß asthmatische und hochnäsige Olivier de Garmont, von seinem Diener respektlos als "Lord Migräne" oder "Graf Kolben von Keuch" tituliert, ist ein nur leicht retuschiertes Abziehbild jenes Alexis de Tocqueville, der 1831 im Auftrag der französischen Regierung den amerikanische Strafvollzug begutachten sollte und mit seinem berühmten Buch "Über die Demokratie in Amerika" zurückkam: Ein royalistischer Schnösel, der als gebranntes Kind der Französischen Revolution (sein Großvater starb unter der Guillotine) die Herrschaft der "übelriechenden égalité" mit einiger Skepsis heraufdämmern sieht und so zu einem der ersten und hellsichtigsten Kritiker der amerikanischen Demokratie wurde.

          Schon auf der Überfahrt bestätigen sich Oliviers Vorurteile, und nach ausgedehnten Recherchen in Clubs, Vereinen, Kirchen, Gefängnissen und Herrenhäusern steht fest: Die Herrschaft des Pöbels begünstigt neureiche Protzerei, moralische Bigotterie und eine Kulturbarbarei, die nicht nur das ausgeprägte Zart- und Ehrgefühl eines französischen Aristokraten beleidigt. "So stark die religiösen Auffassungen der Amerikaner und so leidenschaftlich ihre Ansichten über die Besserung von Verbrechern auch sein mochten", notiert der Student der Demokratie angewidert, "zeigte sich doch bald, dass sie von Geld und Handel nahezu besessen waren und über den Rand ebendieser Zelle hinaus schlicht nichts wahrnahmen, was ihre Vorliebe für reichlich Eigenlob hätte schmälern können."

          Liebeserklärung an Amerika

          Der seit zwanzig Jahren in New York lebende Australier Carey feuert einige satirische Breitseiten gegen seine Wahlheimat: Wenn sein Gefängnisinspektor Sing Sing, Präsident Jackson oder geldgierige Banker besucht, darf man ruhig an Guantánamo, George W. Bush oder die jüngste Bankenkrise denken. Amerika taugt nicht als Modell für die europäische Zivilisation, nicht nur, weil es so prosaische Dinge wie den Yankee Doodle, Colts und Franklins Schaukelstuhl, dieses "grässliche Monument demokratischer Ruhelosigkeit", hervorbringt.

          Unter der Hand ist Careys Roman freilich auch eine Liebeserklärung an Amerika. Spätestens als Miss Amelia, die charmant zupackende Tochter seines Gastgebers, ihm das Land und die Liebe erklärt, beginnt der galante Franzose die traditionslose Unbefangenheit der Neuen Welt mit anderen Augen zu sehen. Die vulgären Paraden und Toasts am 4. Juli, die freilaufenden Schweine am Hudson Square, der Wein und die ungehobelten Manieren mögen einen degoutanten "Mangel an Imperium und gloire" verraten. Aber ein Leben ohne Anstandsdamen, Krinolinen und Geschichte, dafür mit Schaukelstuhl, Meinungsfreiheit und Maisschälmaschinen hat auch seine Vorzüge.

          Lakonischer Sarkasmus

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