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„Penguin Random House“ : Das Ende einer Marke

Verspielt Bertelsmann die Marke Penguin? Bild: AP

Der Penguin-Verlag wurde zu einem der bekanntesten internationalen Markenzeichen - und damit zu einem reizvollen Geschäftsobjekt. Vom nächsten Jahr an ist er nicht mehr in englischer Hand.

          Als der Verlag Penguin in den dreißiger Jahren gegründet wurde, war der dramatische Wandel des Buchmarkts, der nun zur Fusion der zu Bertelsmann und Pearson gehörenden Großverlage Random House und Penguin geführt hat, unvorstellbar. Dabei haben die Ursprünge von Penguin und die Gründung von Random House eines gemeinsam: Ziel war es, einen Massenmarkt zu erreichen. Dies geschah allerdings unter unterschiedlichen Voraussetzungen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Schockiert über den Mangel an gehobenem Lesematerial in der Bahnhofsbuchhandlung von Exeter, beschloss der Verleger Allen Lane auf der Rückkehr von einem Besuch bei Agatha Christie, eine Buchreihe ins Leben zu rufen, die gute Literatur für jedermann erschwinglich machen sollte. Als Name schwebte ihm etwas vor, das „würdig, aber frivol“ klinge, womöglich ein Tier oder ein Vogel. Eine Mitarbeiterin schlug einen Pinguin vor. Daraufhin wurde ein Künstler in den Londoner Zoo entsandt, um Zeichnungen anzufertigen.

          Noch nicht ausgeschöpft

          Das daraus hervorgegangene Emblem hat sich in der englischsprachigen Welt als eines der bekanntesten Markenzeichen etabliert, ähnlich wie die BBC, die etwa gleichzeitig aus demselben Geist hervorgegangen ist. Diese internationale, für Qualität bürgende Erkennbarkeit macht den Penguin-Verlag mit seiner wertvollen Backlist von Titeln, deren Urheberrechte noch nicht ausgelaufen sind, zu einem reizvollen Geschäftsobjekt.

          So ist es wohl kein Zufall, dass Bertelsmann und Pearson das neue Kind Penguin Random House nennen wollen und nicht umgekehrt, obwohl der deutsche Konzern den Mehrheitsanteil von 53 Prozent besitzen und mit Markus Dohle den Geschäftsführer stellen wird. Random House besitzt den größeren Marktanteil, Penguin steuert das Markenzeichen bei, dessen Potential, zumal in Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China, noch nicht ausgeschöpft ist.

          Digitale Herausforderungen

          Penguin hat seine Unabhängigkeit schon 1970 verloren, als der in finanzielle Not geratene Verlag von der Pearson-Longman-Gruppe übernommen wurde. Damit blieb der Verlag jedoch in britischen Händen. Dies wird sich nun ändern - vorausgesetzt, die Kartellbehörde stimmt der Fusion zu. Da sie auch dem Konsolidierungsprozess in der Musikindustrie keine Hürden in den Weg gestellt haben, wird allerdings damit gerechnet, dass der für die zweite Hälfte 2013 in Aussicht gestellte Geschäftsabschluss über die Bühne gehen dürfte.

          Die Fusion wird mit den Herausforderungen des digitalen Marktes erklärt. Penguin Random House positioniert sich gegen den Online-Versand Amazon, der neunzig Prozent des elektronischen Buchmarktes beherrscht, sowie gegen Google und Apple. Adam Freudenheim, der bis vor kurzem die Klassikerreihe bei Penguin betreute und unlängst den Pushkin-Verlag erworben hat, vermutet jedoch, dass die Zusammenlegung eher mit strategischen Prioritäten der Pearson-Gruppe zu tun habe. Die, so wird gemeinhin vermutet, wolle sich künftig auf ihr Kerngeschäft im Lernsektor konzentrieren.

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