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PDS und NDP Private Einheitsfront

 ·  Bonn ist nicht Weimar, aber was ist mit Siegburg? Dort hat sich der PDS-Politiker Uwe-Bernd Griesert aus Machtgründen mit der NPD verbündet. Nach Protesten erklärt er die Aktion nun zur „Satire“.

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Der Zusammenfall der Gegensätze ist nicht nur in der neuplatonischen Mystik, sondern auch in der Totalitarismustheorie ein Leitmotiv. Nicht erst die Zusammenarbeit von KPD und NSDAP beim Berliner Straßenbahnerstreik von 1932 legte den Gedanken nahe, daß sich das politische Spektrum im Extremfall zum Kreis schließt. Vor diesem Hintergrund wirkt der Fall des Siegburger Kreistagsabgeordneten Uwe-Bernd Griesert, als habe ein Ernst Nolte ihn erfunden.

Ein unkontrollierbarer PDS-Mann aus Neunkirchen-Seelscheid, der im Kreistag aus Machtgründen eine "technische Fraktion" mit den Vertretern von NPD und "Bündnis für Deutschland" eingeht und so selbst den Bundesgeschäftsführer seiner Partei zu einer scharfen Stellungnahme bewegt: "Das Verhalten des inzwischen ehemaligen PDS-Kommunalabgeordneten Griesert ist entsetzlich, empörend und richtet sich gegen alles, was die Partei des Demokratischen Sozialismus politisch will."

Wie beim Hitler-Stalin-Pakt

In linken Internetforen wie "Indymedia" heizt die Meldung schon Debatten über eine neue "Querfront" im Stile der Weimarer Republik an. Ein "Trotzkist" schreibt dort unter jenen blaßgedruckten Beiträgen, die laut Webmaster "keine inhaltliche Ergänzung" darstellen: "Das hatten wir schon einmal - beim Hitler-Stalin-Pakt." Natürlich haben wir in der Bad Godesberger Republik, wo selbst verfeindete Lager vertrauliche Umgangsformen pflegten, gelernt, daß Bonn nicht Weimar ist - aber gilt das auch für Siegburg?

Auf der Homepage der PDS Rhein-Sieg flattert immer noch eine Friedenstaube auf blauem Grund, und die politischen Einlassungen drehen sich allenfalls um überschaubare Verschwörungen: "Mit den neuen Kanälen in Windeck soll den Leuten per Ratsbeschluß das Fell über die Ohren gezogen werden." Nun beschreibt sich Griesert, mit 4117 Stimmen in den Kreistag gewählt, am Telefon selbst als Opfer eines Komplotts: "Hier laufen schon Gestalten ums Haus, die Geschichte wird mir jetzt doch zu heiß."

„Eine Satire, die keiner verstand“

Das Weimarer Wetterleuchten, auf das die Berliner Republik gewartet zu haben schien, erklärt der ehemalige Kapitän der Handelsmarine kurzerhand zur Eulenspiegelei: "Ich habe das Kunststück fertiggebracht, eine Metamorphose zu betreiben, die mich gleichzeitig zum Rechtsextremisten und zum Linksextremisten machte. Aber diese Satire hat keiner verstanden." Trotzdem rechtfertigt Griesert, der in seinem Rundbrief "Linkszeit" buddhistische Lehrdialoge zwischen Meister und Schüler nacherzählt, die strategische Allianz zwischen Nationalismus und Sozialismus.

Zwar störe ihn im NPD-Parteiprogramm manches: "Die Begriffe, die die da verwenden, immer dieses Volk, und dann die Alten mit ihren Kränzen!" Aber ein Schulterschluß sei, besonders bei "sozialen Themen", mit seiner "humanistischen Grundauffassung" vereinbar. "Nehmen wir einmal an, der Herr Meise von der NPD bringt einen Antrag zur Absicherung einer Minimalrente ein." Das sei zwar kein kommunales Thema, aber das findet der Kommunalpolitiker nicht wichtig: "Der Antrag entspräche zu hunderttausend Prozent meiner Meinung."

Am Wochenende faßte der Kreistagsabgeordnete den Beschluß, die "technische Fraktion" mit den deutschnationalen Abgeordneten "wegen diverser Morddrohungen über Telefon und Mail" aufzulösen: "Das ist mir dieser Test der Demokratie nicht wert." Ob sich wohl weitere Freiwillige zur Verifikation der totalitarismustheoretischen Thesen melden?

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2004, Nr. 244 / Seite 42
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