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Paulinum Leipzig : Sua culpa

Der Festakt zur Paulinums-Eröffnung in Leipzig. Bild: dpa

Mehrkosten, Bauverzug und Schuldzuweisungen: Acht Jahre später als geplant wurde das Paulinum in Leipzig feierlich eröffnet. Der Architekt Erick van Egeraat zeigt sich einsichtig.

          Das ist ein Satz, den man von seinem Architekten beim Einzug ins neue Haus nicht allzu häufig hören dürfte: „Alles, was nicht klappt, ist meine Schuld.“ In Leipzig wird man diese Worte Erick van Egeraats gern vernommen haben, denn wenn ein Bau schon mit acht Jahren Verspätung fertig wird wie jetzt das Paulinum, sollte wenigstens nichts mehr nachzubessern sein.

          Das Gebäude am zentralen Augustusplatz zwischen Opern- und Gewandhaus wird ja nicht nur gleichzeitig als Universitätskirche und Aula der Hochschule dienen, sondern auch noch in dritter Funktion als Konzertsaal. Und da kann man nach der feierlichen Eröffnung sagen, dass zumindest die Akustik einiges leistet: Man hörte den Telefonklingelton aus den hinteren Reihen in der Generalpause vor dem Miserere in Bruckners „Te Deum“ genauso grausam exakt wie die Auslösegeräusche der Handykamera aus den vorderen Reihen im andächtigen Schweigen nach Abschluss des Stücks. Oder die Synchronübersetzerin ins Englische aus ihrer doch eigentlich schallisolierten Kabine während der Rede des Architekten.

          Der für ein paar Jährchen der Verspätung mitverantwortlich ist, denn van Egeraat weigerte sich zuletzt beharrlich, den Bau als Urheber abzunehmen, nachdem man ihn als Architekten ausgebootet hatte. Jetzt durfte er sich vom Leipziger Oberbürgermeister Burkhardt Jung gratulieren lassen: „Gut, dass Sie sich durchgesetzt haben.“ Einige Gäste beim Festakt werden da mit den Zähnen geknirscht haben, aber so gut ist die Akustik denn doch wieder nicht. Bruckner allerdings hört sich hier perfekt an, genauso wie die große Orgel, auf der nun als erstes Stück Bachs Toccata in C-Dur, BWV 564, erklang – und zwar just von jener Stelle des Stücks an, bei der 1968 der damalige Universitätsorganist es hatte abbrechen müssen, weil man ihn mitten im Spiel aus der Kirche warf. Die wurde kurz danach auf Geheiß Walter Ulbrichts gesprengt, und nun, 49 Jahre später, knüpfte man mit der „unterbrochenen Toccata“ im Nachfolgebau an die Vorgängerkirche an und triumphierte so über die von Leipziger Universitätsrektorin Beate Schücking konstatierte „Arroganz der Macht“. Die hatte auch van Egeraat im Auge, als er sich in seinem Vortrag nicht dem angekündigten Thema „Erinnerungen für die Zukunft“, sondern vor allem seiner persönlichen Leidensgeschichte mit den Behörden während der Bauzeit widmete.

          Aber dann erklärte er sich zum Schluss eben doch für alleinverantwortlich. Hier schon mal die erste Mängelrüge: Jazz, wie er beim Festakt auch geboten wurde, klingt nicht gut im Paulinum. Aber das ist womöglich besser so, sonst müssten wir solche Samba-Variationen auf ein Bach-Thema noch häufiger ertragen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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