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„Partner Tracker“ Überwachungsspaß mit dem Handy

30.01.2008 ·  „Wolltest du nicht immer schon wissen, was dein Schatz macht, während du nicht in der Nähe bist?“ Mit diesem Satz wird der „Partner Tracker“ beworben, mit dem man angeblich Handys orten kann: ein wahrlich teurer Spaß.

Von Miloš Vec
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Ziemlich unanständig, aber zukunftsträchtig: so jedenfalls der erste Eindruck der schnellen Bilder, die für das Produkt werben. Seit kurzem läuft auf dem Fernsehsender Viva ein neues Werbevideo. Beworben wird der „Partner Tracker“ vom Anbieter Jamba. Wer ihn kauft, versorgt sich mit exklusiven Informationen. Es geht um die heimliche Ortung von Handys, das heißt eigentlich des Aufenthaltsortes ihres Besitzers.

Im Spot wird man aufgefordert, eine Handynummer per kostenpflichtige SMS an den Anbieter zu versenden, und Jambas „Partner Tracker“ wird uns den Ort von Handy und Inhaber verraten. Illustriert wird die erfolgreiche Detektion von einer Abfolge schneller Bilder: Wir zoomen aus dem Weltraum zielsicher ins europäische Festlandsgrün. Die Bildsprache haben wir durch Google Earth lesen gelernt.

Peinliche Überführung

Ungewohnt ist freilich der vorläufige Schluss der Kamerafahrt im Spot, der den Nutzen des „Partner Tracker“ mit einer peinlichen Überführung veranschaulicht: Der Erwischte vergnügt sich in so unanständiger Weise, dass sich ex post jener Verdacht rechtfertigt, der zuvor zum ebenfalls unanständigen Einsatz der Fernüberwachung führte. Aus dem Ausgespähten wird vermutlich ein getrackter Ex-Partner werden, am besten ebenfalls per Mobil-SMS: Die Wunde schließt die Wanze nur, die sie schlug. Die Manieren 2.0 passen sich dem technischen Wandel an.

Neu an dem beworbenen Produkt ist das Versprechen seiner entscheidenden Vereinfachung der heimlichen Handy-Ortung: Bisher musste neben einer Anmeldung des zu ortenden Geräts auch eine Klippe umschifft werden. Denn die Anbieter versenden als Bestätigung anschließend eine unmissverständliche SMS an das Handy des zu Ortenden. Diese musste also unbemerkt abgefangen werden, damit das Manöver seinen ausforschenden Sinn behielt. Was durchaus machbar scheint.

Missbrauchsgefahr groß

Für einen Preis von 99 Cent wird der Service mit Warnung an den Georteten kräftig genutzt. Zehntausende Kunden sollen solche Dienste bereits in Anspruch genommen haben. Manche Anbieter finden den Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung allerdings so schwerwiegend und die Missbrauchsgefahr so groß, dass sie nicht nur einmalig, sondern vor jeder Ortung eine Anfrage auf Bestätigung des Ortungsersuchens an das Handy senden. Andere verweigern sich dieser Technik sogar ganz.

Datenschützer würden die heimliche Ortung gern unter Strafe stellen. Wo diese Anwendungen dennoch gesellschaftlich popularisiert werden, da rechtfertigen die Fürsprecher die Möglichkeit zur Ausforschung paternalistisch: Es gehe um den Schutz von Kindern und Orientierungslosen. Oder die Ortung ist konsensual und erfolgt wechselseitig: „Geben Sie sich mit Ehebruch24 den Liebesbeweis des neuen Jahrtausends, erteilen Sie sich gegenseitig eine Ortungsgenehmigung, dann hat Eifersucht keine Chance!“ So wirbt der Anbieter mit dem missverständlichen Firmennamen, welcher sein Anliegen ins Gegenteil verkehrt.

Eine Grenzüberschreitung

Das alles muss man wissen, um den Schritt des „Partner Tracker“ als das zu begreifen, was er ist: eine juristische und zivilisatorische Grenzüberschreitung. Nun genügt die bloße Nummer, und es wird zur Ortung geblasen. Die lockere Anrede reizt zur lockeren Handhabung: „Wolltest du nicht immer schon wissen, was dein Schatz macht, während du nicht in der Nähe bist? Noch besser: Zeige deinen Freunden, wo ihre Partner sind und was sie im Moment wirklich tun! Einfach die Nummer eingeben, und schon zeigt es dir dein Handy.“ Räumliche und soziale Nähe spielt keine Rolle mehr, wir können uns jede Zudringlichkeit technisch erlauben. Wir erfahren für den Preis einer SMS Aufenthaltsorte unserer Mitmenschen, die so unterhaltsam und exotisch sein können, wie die Konfrontation jener Paris-Hilton-Welten mit dem amerikanischen Kleinstadtmief, der im sogenannten Sendeprogramm von Viva vor und nach der Werbung zu sehen ist.

Modernste Technik wird eingesetzt, um gesellige Unterhaltung auf höchstem Spionageniveau zu gewährleisten: „Ein Riesenspaß für alle. Neugierig? Worauf wartest du?! Hol dir jetzt den Partner Tracker!“ Doch gemach: Wer es tatsächlich versucht, wird zum betrogenen Betrüger: Die Antwort auf die Suchanfrage leitet zum immer gleichen verpixelten Paar und seinem unzweideutigen Treiben. Die Werbung ist der Technik voraus und spielt mit dem Wunsch nach Ausforschung, in den der unziemlich Neugierige tappt. Es gibt noch gar keine Ortung durch bloße Nummerneingabe.

Unser Verdacht der Rechtswidrigkeit bleibt gleichwohl bestehen: Zwar verstößt „Partner Tracker“ nicht gegen die informationelle Selbstbestimmung, aber seine Vorspiegelung zieht Leichtgläubigen Geld aus jener Teenie-Tasche, die normalerweise den Erwerb von Klingeltönen speist. Jamba hat auf Anfragen nicht reagiert, und mit „Handy Radar“ und „Mobile Spy“ gibt es noch zwei ähnliche Konkurrenzangebote, die gleichfalls Versprechungen machen, die sich dann als Scherz erweisen. Aber wann wird die Sache ernst? Denn eine Erkenntnis bleibt vom Fake unberührt: Spaßgesellschaft und Überwachungsgesellschaft schließen sich nicht aus.

Quelle: F.A.Z., 31.01.2008, Nr. 26 / Seite 37
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