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Pariser Demonstrationen Gendermerie

In Paris steht das neue Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe vor der Annahme. In die Demonstrationen gegen die Mariage pour tous mischten sich auch Töne, die eine tief sitzende Frankophilie etwas in Verlegenheit bringen können.

Akademische Gendertheorien sind eigentlich nicht dafür bekannt, dass sie weit ins profane Leben vordringen. Aber jetzt hat sich gezeigt, dass sie durchaus untergründige Wirkung zeigen können. Béatrice Bourges, Führerin des „Printemps français“, einer rechten Splittergruppe der Protestbewegung „Manif pour tous“ gegen das von der französischen Nationalversammlung vorbereitete Gesetz zur Homosexuellen-Ehe, hat eine Journalistin gerade wissen lassen, was sie auf den Weg brachte.

Helmut Mayer Folgen:  

Vor fünf Jahren war es, da sei ihr aufgegangen, dass die These von der sozialen Konstruiertheit des Geschlechts das Ende der Zivilisation bedeute. Ein Missverständnis, das, für sich genommen, noch nicht schlimm gewesen wäre, hätte es sie nicht auf die Idee gebracht, die Zivilisation zu retten. Zum Beispiel vor einem Kindergarten, in denen die Kleinen sich ihr Geschlecht aussuchen können. Was sich dann nach den Recherchen von „Le Monde“ als eine Einrichtung herausstellte, in welcher die Kinder wählen dürfen, ob sie mit Autos oder Puppen spielen möchten.

Immer eine Ausnahme

So ziehen sie nun durch die Straßen, trikoloriert, was das Zeug hält, und auch noch mit neckischen Jakobinermützen. Nicht ausgeschlossen, dass sie Jules Ferry für einen Abbé halten, sicherlich aber die Nation für keine Konstruktion. Aufrechte Frankophilie, die sich nicht an die Mär von der ältesten Tochter der Kirche, sondern an die monarchische Republik hält, muss in diesen Tagen also etwas leiden. Natürlich weiß man, was sich in la France profonde so alles tut, mit oder ohne katholisches Ressentiment. Aber Paris wollte man doch immer als Ausnahme sehen.

Nun amtet in Elysée und Palais Bourbon eine linke Regierung, die ziemlich mühelos die Peinlichkeiten der Rechten erreicht, was keine Kleinigkeit ist. Und über die Boulevards defilieren nicht wie sonst verlässliche Gewerkschafts-Mitglieder, sondern aufgeregte Leute, denen man zwar durchaus nichts in Sachen Lebensführung vorschreiben wird, die aber unbedingt zum Zweck des moralischen Wohlgefühls jenen in die Suppe spucken müssen, die es nicht mit un père, une maman halten. Sofern sie nicht gleich deren Lokale heimsuchen. Wozu Frauen vom Schlage Béatrice Bourges’ dann via Twitter gratulieren. Dem Frankophilen bleibt da nur die Hoffnung, dass der Spuk an diesem Dienstag Abend vorbei sein wird, wenn die Nationalversammlung das Gesetz verabschiedet. Die nächste Gewerkschaftsdemonstration feiern wir jedenfalls am Rand des Boulevards mit einem Gläschen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.04.2013, 17:21 Uhr

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Von Stefan Schulz

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