17.02.2013 · Berichte aus dem Vatikan legen nahe, dass der Hirte nicht mehr viel hüten und leiten konnte. Aber Benedikt wollte wohl auch nicht als Marionette enden. Eine gute Nachricht ist das nicht.
Von Nils MinkmarRichtlinien für Lesermeinungen
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Kerkeling wollte für eine Übergangszeit nach Rom kommen. Aber
sein Freund Angelo, Ja, ein italienischer, hat ihn davon abgehalten: Er
(oder es) sei zu strapaziös, immer mittags von 13 bis 14 Uhr Essen
und Klavierspiel und Ausruhen. Ohne Gespräch mit einem Wellensittich...
Die von Mahnkopf zur Mitte der 1990er Jahre im 9. Sonderband der Zeitschrift Soziale Welt beschriebene Abhängigkeit des Einzelnen von den unzähligen Formen einseitiger Beziehungen, besitzt erwiesenermaßen allein fiktiven Charakter. Ein Leben als Marionette an den Fäden des Kapitalismus gibt es daher realiter nirgendwo weltweit. Dessen ungeachtet fließen allerdings rund um den Globus ungebrochen Unsummen an Geldern auf Felder, die dadurch nicht mehr als notwendig sozial verfasst bezeichnet werden können. In der Konsequenz von vornherein verloren, verfälschen indes die auf diese Weise selbst ernannten Investoren die eigene Bilanz und verbuchen die Verluste als Gewinn. Dass nicht zuletzt das geistliche Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche für deren Betriebe sich nicht mehr zu solchem Unfug anstiften lässt, zeugt insofern untrüglich von buchhalterisch fundierten Kenntnissen.
Der Rauch Satans scheint sich mittlerweile in allen Gemächern des Vatikans ausgebreitet zu haben -
Warum das niemand wörtlich nehme, wundert sich der Autor. Nun,
vielleicht ist's eine Metapher? Und keine schlechte obendrein, stammt
sie doch von einem italienischen Autor, und die lieben plastische
Sprachbilder voller Pathos und Drastik.
Was nun die Bewertung des Papst-Rücktritts angeht, so gilt für
Journalisten naturgemäß: only bad news are good news. Dem
berufsbedingten Schwarzseher Minkmar entgeht so, daß der
Rücktritt in jeder Hinsicht günstige Folgen hat:
Theologisch bewirkt er eine Vermenschlichung des Papstamtes, eine
„Entgöttlichung“ wie es heute im Kirchenfunk zutreffend hieß.
Politisch schwächt er die intriganten Strippenzieher im Vatikan,
denn deren Machtstrategien fußen zu nicht geringem Teil auf der
zunehmenden Altersschwäche eines Papstes.
Individuell darf sich der scheidende Papst auf einen entspannten
Altersruhestand freuen, in dem er sich sein Pensum an Arbeit und
Erholung ganz nach eigenem Gusto zumißt.