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Papst Franziskus zur Homosexualität : Über den Wolken

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Mit seinen Äußerungen zur Homosexualität bricht Papst Franziskus mit jahrtausendealten Vorurteilen. Das ist keine Stimmungsmache, sondern zeugt von Realitätssinn und wahrem Idealismus.

          „Wer bin ich, dass ich urteile?“ So endeten Papst Franziskus’ Worte über sein Verhältnis zu Schwulen. Im Duktus signalisiert die vordergründig lapidare Formulierung höchst Bedeutsames. Denn sie erinnert an jenes „Ich bedarf, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“, das Johannes der Täufer antwortete, als Jesus ihn um die Taufe bat. Die Papstworte sind Demutsgeste und Setzung in einem. Zuvor nämlich hatte er auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro vor Journalisten den Vorwurf kommentiert, im Vatikan agiere eine mächtige Gruppe Homosexueller. Wie ein scharfsinniger Jurist unterschied der Pontifex: „Die Schwulenlobby ist nicht in Ordnung, weil Lobbys nicht in Ordnung sind.“

          Als die Fragen sich dem generellen Verhältnis der katholischen Kirche zu Schwulen zuwandten, antwortete er ohne Umschweife, dass „Homosexuelle nicht diskriminiert, sondern in die Gesellschaft integriert“ werden sollten. Acht Jahre nachdem sein Vorgänger Benedikt XVI. in einem Kirchendokument festgelegt hatte, dass schwulen Männern das Priesteramt verwehrt bleiben solle, erklärte Franziskus: „Ich urteile nicht, wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht.“ Nicht wenige beurteilen das, was er über den Wolken sagte, als entscheidende Wende, die ein Mann einleitet, der mit beiden Füßen auf der Erde steht. Doch Realitätssinn allein erklärt den Bruch mit jahrtausendealten unmenschlichen und oft mörderischen Vorurteilen nicht. Es gehört ein hohes Maß an Idealismus zu einem solchen Bekenntnis. Ein Idealismus, wie ihn der Namenspatron des Papstes an den Tag legte, der eine ebenso grenzenlose wie hellsichtige Menschenliebe lebte.

          Mit Idealismus im landläufigen Sinne wiederum, blauäugiger Naivität also, hat das nichts zu tun - so, wie der heilige Franziskus wusste, was er tat, als er 1219 im Versuch, Frieden zu stiften, während der Kreuzzüge dem muslimischen Heer von Sultan Al-Kamil predigte, dürfte auch der Papst wissen, was seine Äußerungen auslösen. Dass er dabei ein geschickter Stratege ist, zeigt sein Kardinalsgremium, das berät, ob wiederverheiratete Katholiken die Sakramente empfangen dürfen, oder die Untersuchungskommission zu den dubiosen Geschäften der Vatikan-Bank. Einzig aber ist die Demut, die sich schon am Abend seiner Wahl zeigte, als er sich vor den Massen auf dem Petersplatz verneigte, ehe er zum ersten Mal den päpstlichen Segen spendete. Es wird nicht an Urteilen fehlen, die in all dem Stimmungsmache sehen. Doch mit Stimmung allein besteht kein Papst auf Dauer.

          Quelle: F.A.Z.

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