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Papst Franziskus : In nomine patris!

Wir haben wieder einen Papst, die Freude ist groß. Aber wie sollen wir ihn denn nun nennen? Wir Deutschen gefallen uns in der Rolle der Weltläufigen. Da ist ein Papst Franz doch ein wenig schnöde.

          Vielleicht doch noch ein Wort zum neuen Papst. Die Frage, ob man nun „Franziskus“ oder, möglichen weiteren Namensträgern vorgreifend, „Franziskus I.“ sagen soll, lässt sich mit Hilfe der Logik schnell beantworten: Natürlich ist es der erste Franziskus, aber wenn es der einzige Franziskus bleiben sollte, dann ist es jetzt und immerdar überflüssig, mit dem Zählen anzufangen. Wenn wir Pech haben, werden wir bis ans Ende dieser Tage nicht wissen, ob das jemals nötig sein wird. Doch sobald es einem Nachfolger, vielleicht ja schon dem direkten, in den Sinn kommt, sich ebenfalls so zu nennen, sieht die Sache anders aus. Bis das entschieden ist, haben wir Zeit, über etwas anderes nachzudenken: warum überhaupt „Franziskus“ und nicht „Franz“?

          Man kennt den Eifer der Deutschen, sich zumindest sprachlich den Anschein des International-Weltläufigen zu geben, sich fremdem Sprachgebrauch übertrieben anzupassen, so dass dann semantisch („Myanmar“ statt „Birma“ oder „Burma“) wie lautlich (die nordkoreanische Stadt Pyeongchang wird wohl nirgends so gekonnt und korrekt ausgesprochen wie hier, nämlich „Pschjöntschang!!!“) die schicksten Sachen dabei herauskommen. Als nun aber der Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran auf dem Balkon des Petersdoms den Erwählten verkündete, nannte er ihn ausdrücklich bei dessen lateinischem Namen (Franciscus) und überließ es jedem einzelnen anderen Land, sich darauf einen nationalen Reim zu machen.

          Wie nett und buchstäblich volksnah klingt „Papst Franz“!

          Aber an „Franziskus“ ist jetzt wohl nicht mehr zu rütteln, denn schon gab ein anderer Papst, der Sprachpapst Wolf Schneider, dem Namen seinen Segen: „Gegen Papst Franz sträubt sich einfach das Gemüt.“ Welches Gemüt meint Schneider: das vornehm-wichtigtuerische? Das schlichte, das mit dem Träger selbst schon in so enge Verbindung gebracht wird, kann es nicht sein, denn das würde doch wohl entschieden für „Franz“ sein, zumal man den Namenspatron ja auch bloß Franz von Assisi nennt. Wie nett, buchstäblich volksnah klingt auch „Papst Franz“!? Wem das zu schlicht ist, der mag im Geiste eine römische Eins hinzufügen, darauf hoffend, dass Gottes Wille uns dermaleinst noch einen zweiten spendieren wird.

          Ewig gilt dagegen, was ein anderer großer Katholik einst so mustergültig verkündete, auch umgekehrt: Das Amt des Papstes oder, wenn man das im bodenständigen Idiom des Franziskus Münterfering verkürzen darf, „Papst ist das schönste Amt neben SPD-Vorsitzendem.“ Der Sauerländer hatte noch mehr Sprüche auf Lager: „Nur wer arbeitet, soll auch essen“, sagte er, als er noch zur Rechten Angela Merkels saß, im ersten Moment nicht merkend, dass ihn hier seine Bibelfestigkeit im Stich ließ, denn bei Paulus (deutsch Paul) heißt es: „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Dem Sauerländer kam also die Logik ins Gehege. Gilt dann im Umkehrschluss auch: „Wer arbeitet, muss auch essen“? Oder: „Wer isst, soll auch arbeiten“? Um solche und ähnliche Fragen wird Papst Franziskus jedenfalls kaum herumkommen.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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