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Oscar-Favorit in der Kritik : Die Frau hat eine Idee

Bild: Twentieth Century Fox

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist eine schwarze Komödie über die Grausamkeit des Ländlichen. Ihr Ton und die grandiose Frances McDormand haben sie zum Oscar-Favoriten gemacht.

          Weites Land. Flach, ohne besondere Kennzeichen außer eben: weit. Weit ab vom Schuss auch. Neben der Straße drei Plakatwände, riesig und hintereinander stehend und schon seit sehr langem nicht mehr benutzt. Fetzen alter Werbeplakate hängen zwischen den Verstrebungen. Es kommt auch kaum jemand vorbei, der lesen und schauen könnte, wofür auch immer hier geworben würde. Wir sind in Missouri, in der Nähe des Städtchens Ebbing, das immerhin groß genug ist, um sich einen Souvenirshop zu leisten und eine Marketingagentur.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Während wir über die Weite schauen und in ein Auto blicken, das Frances McDormand steuert, singt Renée Fleming mit so großer Innigkeit, wie nur sie das hinbekommt, das irische Folklied „Last Rose of Summer“. Dann bleibt das Auto stehen. Frances McDormand schaut auf die Werbetafeln und knabbert an ihrem Daumennagel. Sie hat eine Idee. Das Lied werden wir später noch einmal hören. Da wird Mildred Hayes, so heißt die Figur, die Frances McDormand spielt, eine andere geworden sein. Jedenfalls vorübergehend.

          So outside wie Ebbing

          Ebbing ist ein fiktives Städtchen, und der Filmtitel „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, fast schon ein Witz, so outside wie Ebbing selbst es ist, wenn man an die Zentren des Landes denkt. Fast schon ein Witz: Auf diesem sehr schmalen Grat bewegt sich der irische Regisseur Martin McDonagh, der sich im tiefschwarzen Komödiengenre mit „Brügge sehen . . . und sterben“ und „7 Psychos“ bereits ausgewiesen hat. Hier tritt die Komödie zurück, auch wenn in einigen Szenen Ansätze von Slapstick sichtbar bleiben, von Groteske und Überzeichnung. Worum es geht, ist weder komisch noch skurril noch zu ironisieren.

          Ein Mädchen ist tot. „Raped While Dying“. Mildreds Tochter Angela. Fast ein Jahr ist das her, und es gibt immer noch keine Festnahme. Nicht einmal einen Verdächtigen. Wie kann das sein?

          Mildred Hayes (Frances McDormand), Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) und Officer Jason Dixon (Sam Rockwell) sind sich uneinig.

          Genau dies lässt Mildred in schwarzen Lettern auf rotem Grund auf die drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing schreiben, die sie beim örtlichen Agenten für solcherlei gemietet hat. Fast unmerklich verlangsamt McDonagh ihren Schritt zur Tür des niedrigen Hauses gegenüber der Polizeistation, in dem die Agentur ihr Büro hat, und lässt Mildred, im Overall und mit Bandana um den Kopf, wie die Rächerin im Western auf dem Weg in den Saloon dort einziehen. Doch mit dem Agenten ist sie sanft. Zwei Feststellungen will Mildred auf den Werbeflächen sehen. Und auf der letzten eine Frage. Sie ist persönlich: „How Come, Chief Willoughby?“

          Wer hat ihre Tochter getötet?

          Mildred hat ihre eigenen Vorstellungen, wie der Sheriff bei der Suche nach dem Täter vorgehen sollte. DNA-Proben von allen Männern über acht in der Gegend. Warum nicht, für spätere Fälle, DNA-Proben von allen männlichen Babys, die geboren werden, landesweit? Bürgerrechte, murmelt Sheriff Willoughby, aber Mildreds Blick hat sich verengt auf nur eine Frage: Wer hat ihre Tochter getötet? Und sie geht sehr weit in ihren Methoden, es herauszufinden. Dabei lernen wir nicht nur sie kennen, sondern auch einige der Bewohner von Ebbing. Zu allererst den Sheriff, den sie öffentlich anklagt, Chief Willoughby.

          Doch nicht er ist der primitive, unmögliche, rassistische und leicht dämliche Polizist, den wir erwarten, sondern sein Mitarbeiter Dixon, den Sam Rockwell in einer Weise spielt, die ihm in seiner Beschränktheit noch die Möglichkeit zur Läuterung offenhält, ihm also ein Stück Würde lässt. Willoughby hingegen ist ein vernünftiger Mann: „Wenn wir alle rassistischen Polizisten entlassen würden, blieben drei übrig, und die hätten was gegen Schwule.“ Es geht auch beides, wie Dixon beweist.

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