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Oscar-Nacht : „The Shape of Water“ ist der Gewinner des Abends

  • Aktualisiert am

Guillermo del Toro ist der Gewinner des Abends. Bild: AP

Der Fantasy-Film „The Shape of Water“ ist der klare Gewinner des Abends mit vier Oscars. Frances McDormand wird als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, und beim Originaldrehbuch gab es eine Überraschung.

          Bei der Oscar-Panne mit den vertauschten Gewinner-Umschlägen haben sie im vergangenen Jahr eher negativ im Rampenlicht gestanden – nun durften Faye Dunaway und Warren Beatty doch noch einmal ran. In der Nacht zu Montag präsentierten die beiden Schauspieler abermals den besten Film: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ von Regisseur Guillermo del Toro gewann die begehrte Trophäe. Dieses Mal klappte es ohne Patzer. Im vergangenen Jahr waren die Umschläge vertauscht worden, und Beatty und Dunaway hatten zunächst „La La Land“ als Sieger verkündet, ehe der Irrtum nach Minuten korrigiert und das Drama „Moonlight“ zum Gewinner ausgerufen worden war.

          In diesem Jahr war Guillermo del Toro mit seinem Fantasy-Film „The Shape of Water“ der Gewinner des Abends. Vier der begehrten Trophäen konnte er einstreichen. Neben dem Oscar für den besten Film erhielt del Toro die Auszeichnung als bester Regisseur, zudem wurde das Szenenbild und die Filmmusik von Alexandre Desplat ausgezeichnet. Del Toro erinnerte in seiner Dankesrede daran, dass auch er Einwanderer aus Mexiko sei.

          Frances McDormand wurde als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgezeichnet. Die sechzig Jahre alte Schauspielerin hielt eine emotionale Rede, an deren Ende sie alle Frauen im Saal bat, aufzustehen. „Meryl, wenn Du anfängst, machen alle mit“, rief sie Kollegin Meryl Streep, die für ihre Rolle in „The Post“ nominiert war, zu. McDormand nutzte den Moment, um die Männer darauf aufmerksam zu machen, dass alle diese Frauen im Saal brillante Ideen hätten, die sie umsetzen wollen. „Wenn Sie also mit uns über die Finanzierung dieser Projekte sprechen wollen, rufen Sie uns doch bitte in den nächsten Tagen an“, sagte McDormand. Den zweiten Oscar für die Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ gewann der 49-Jährige Sam Rockwell. Er bekam den Oscar für seine Nebenrolle als rassistischer Kleinstadtpolizist.

          Regisseur und Autor Jordan Peele schrieb Oscar-Geschichte: Mit seiner Horror-Komödie „Get Out“ gewann er als erster Afro-Amerikaner den Preis für das beste Original-Drehbuch. Sein Film war zudem in drei weiteren Kategorien nominiert.

          An politischen Botschaften mangelte es der Veranstaltung nicht. Während ihrer Perfomance des Songs „Stand Up for Something“ forderten auch Common und Andra Day das Publikum auf aufzustehen – „für die Dreamer, die Einwanderer, für das, woran ihr glaubt.“ Die Gäste des Dolby Theater folgten der Bitte. Auch die #MeToo-Bewegung und die Debatte um mehr Vielfalt in Hollywood kamen zur Sprache. In einem Video erzählten Schauspieler wie Salma Hayek, Mira Sorvino oder Kumail Nanjiani von ihren Erfahrungen.

          Ein Ansporn für wenig Worte: Die kürzeste Dankesrede erhielt diesen Jetski als Preis, präsentiert von der umwerfenden Glücksfee Helen Mirren. Bilderstrecke

          Gary Oldman als bester Schauspieler ausgezeichnet

          Der Brite Gary Oldman wurde für seine Verkörperung des britischen Premierministers Winston Churchill in „Die dunkelste Stunde“ mit dem Hauptdarsteller-Oscar ausgezeichnet. Das Historiendrama erhielt auch eine Auszeichnung in der Kategorie Make-up/Frisur. Beste Nebendarstellerin wurde Allison Janney – im Drama „I, Tonya“ spielt sie die ehrgeizige Mutter der Eiskunstläuferin Tonya Harding.

          Von den mehrfachen deutschen Oscar-Hoffnungen erfüllte sich nur eine: Gerd Nefzer aus Schwäbisch Hall, der in der Filmschmiede Potsdam-Babelsberg arbeitet, erhielt die Trophäe für die besten visuellen Effekte. Der 52-Jährige wurde mit drei Kollegen für die Arbeit an „Blade Runner 2049“ ausgezeichnet, Der Science-Fiction-Film wurde außerdem für die beste Kamera geehrt.

          Moderator Jimmy Kimmel hatte die Gala mit zahlreichen Spitzen zum Missbrauchsskandal in Hollywood eröffnet. „Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann“, sagte der 50 Jahre alte Moderator. „Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann.“ Er sei nie unflätig, und am wichtigsten: „Kein Penis.“ „Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“ Kimmel spielte damit auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Produzent Harvey Weinstein und weitere Männer im Filmgeschäft an.

          In den technischen Kategorien räumte das Kriegsdrama „Dunkirk“ drei Oscars ab (Tonmischung, Tonschnitt, Filmschnitt). Je einen Oscar bekamen das Gesellschaftsdrama „Der seidene Faden“ (Kostümdesign) und das Liebesdrama „Call Me By Your Name“ (adaptiertes Drehbuch). Der Zeichentrickfilm „Coco“ holte zwei Trophäen: als bester Animationsfilm und für den besten Filmsong.

          Guillermo del Toro hat mit „Shape of Water“ und seiner fabelhaften Welt des Fischwesens einen Nerv getroffen: Vier Oscars gingen an den Fantasyfilm. Bilderstrecke

          Der Auslands-Oscar ging in diesem Jahr nach Chile an Sebastián Lelio mit seinem Film „Eine fantastische Frau“. Beste Dokumentation wurde „Icarus“ von Bryan Fogel und Dan Cogan über die russischen Doping-Machenschaften der vergangenen Jahre.

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          Die Oscar-Gewinner 2018

          Bester Film: “The Shape of Water”
          Bester Schauspieler in einer Hauptrolle: Gary Oldman, “Darkest Hour”
          Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle: Frances McDormand, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
          Bester Schauspieler in einer Nebenrolle: Sam Rockwell, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“
          Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle: Allison Janney, “I, Tonya”
          Regisseur/Regisseurin: Guillermo del Toro, “The Shape of Water“
          Animationsfilm:  “Coco,” Lee Unkrich, Darla K. Anderson
          Animierter Kurzfilm: “Dear Basketball,” Glen Keane, Kobe Bryant
          Adaptiertes Drehbuch: “Call Me by Your Name,” James Ivory
          Original Drehbuch: “Get Out,” Jordan Peele
          Kamera: “Blade Runner 2049,” Roger Deakins
          Bester Dokumentarfilm: “Icarus,” Bryan Fogel, Dan Cogan
          Bester Dokumentar-Kurzfilm: “Heaven is a Traffic Jam on the 405,” Frank Stiefel
          Bester Live Action Short Film: “The Silent Child,” Chris Overton, Rachel Shenton
          Bester Fremdsprachiger Film: “A Fantastic Woman” (Chile)
          Bester Schnitt:  “Dunkirk,” Lee Smith
          Bester Tonschnitt: “Dunkirk,” Alex Gibson, Richard King
          Bester Ton: “Dunkirk,” Mark Weingarten, Gregg Landaker, Gary A. Rizzo
          Bestes Szenenbild:  “The Shape of Water,” Paul D. Austerberry, Jeffrey A. Melvin, Shane Vieau
          Beste Filmmusik: “The Shape of Water,” Alexandre Desplat
          Bester Song: “Remember Me” from “Coco,” Kristen Anderson-Lopez, Robert Lopez
          Bestes Makeup und Hairstyling: “Darkest Hour,” Kazuhiro Tsuji, David Malinowski, Lucy Sibbick
          Bestes Kostümdesign: “Phantom Thread,” Mark Bridges
          Beste visuelle Effekte: “Blade Runner 2049,” John Nelson, Paul Lambert, Richard R. Hoover, Gerd Nefzer

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