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„Hidden Figures“ im Kino : Schwarze Heldinnen

Sie hätten eine mutigere Regie verdient gehabt: Janelle Monae (l.), Taraji P. Henson und Octavia Spencer in „Hidden Figures“. Bild: Hopper Stone/Twentieth Century Fox

„Hidden Figures“ erzählt die Geschichte von drei Mathematikerinnen, die bei der Nasa in den späten Fünfzigern als „menschliche Computer“ arbeiteten. Vor allem die Darstellerinnen machen den Film sehenswert.

          Diese Geschichte ist es wert, erzählt zu werden. Man kann sich andere Formen vorstellen, deutlich weniger Zuckerguss über den häuslichen Szenen, einen aggressiveren Zugriff auf die Zumutungen, denen die Figuren ausgesetzt sind, und auch die Botschaft, wer mit überragender Klugheit ausgestattet, immer bestens vorbereitet und in der Lage sei, seine Wut über tägliche Beschämungen und Diskriminierungen herunterzuschlucken, werde es als Farbiger auch in einer rassistisch organisierten Gesellschaft schaffen, ist natürlich eine Lüge. Denn eine durchaus einzigartige Geschichte wie jene der „Hidden Figures“, um die es hier geht, ist ja genau dies: einzigartig, also nicht verallgemeinerbar.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Aber diese einzigartige Geschichte, wie gesagt, die musste endlich erzählt werden. Denn sie ist im Kern wahr. Und da wir bisher zu ihr nur das Buch „Hidden Figures“ von Margot Lee Shetterley und nun den gleichnamigen Film von Theodore Melfi haben, der auf dem Buch beruht, müssen wir uns vorerst damit begnügen.

          Eine knappe Meile von den weißen Männern entfernt

          Die wahre Geschichte geht so: In den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren, kurz vor Beginn des Computerzeitalters, arbeiteten bei der NASA menschliche Computer. Sie hießen auch so. Sie rechneten mit der Hand aus, was heute Rechner rechnen. Es waren fast immer Frauen, und genügend von ihnen waren schwarz, um eine eigene Toilette für „Colored Ladies“ zu bekommen. Einen eigenen Raum für „Colored Computers“ hatten sie sowieso.

          Das Gebäude, in dem sie arbeiteten, lag zwar auf dem Gelände der NASA, aber eine knappe Meile entfernt von jenem, in dem die weißen Männer tätig waren. Nicht immer mit großem Erfolg, muss man sagen, denn die Russen - wir befinden uns mitten im Kalten Krieg und dem sogenannten „space race“ - haben früher als sie einen Mann ins All geschossen. Den Amerikanern will das nicht gelingen. Es hapert an einer Formel zur Berechnung der Flugbahn, die eine sichere Rückkehr ermöglichte.

          Rechnen mit geschwärzten Zahlen

          Vermutlich war die Sache komplizierter, aber was ungefähr geschah, war dies: Die genial begabte Mathematikerin Katherine Johnson, die mit ihren Freundinnen Mary Jackson und Dorothy Vaughan weit weg von dem Gebäude der weißen Männer rechnete, wird Teil der Gruppe um Al Harrison, der endlich einen Mann ins All schießen will und muss, wenn er den Anschluss an die Russen nicht verpassen will.

          Katherine Johnson kommt in sein Team, um die Zahlen zu überprüfen, mit denen die Männer rechnen, was schwierig ist, denn ihr direkter Vorgesetzter streicht die meisten Zeilen schwarz aus, weil sie Geheimdaten seien. Das ist nicht das einzige Hindernis, auch der Gang zur Toilette, eine knappe Meile entfernt wie gesagt, macht ihre Arbeit nicht leichter. Aber am Ende schafft sie es, entwickelt eine geniale Formel, gewinnt ein Lächeln des Astronauten John Glenn und sogar noch einen Ehemann.

          Sie hätten bessere Dialoge verdient gehabt

          An anderen Fronten kämpfen ihre Freundinnen. Die eine, Dorothy, will Supervisorin im Rechnerraum werden, eine Position, die sie faktisch ausfüllt, offiziell aber nicht bekleiden darf. Und Mary Jackson will Ingenieurin werden und muss sich den Zutritt zur Abendschule („whites only“) gerichtlich erkämpfen - was ihr, siehe oben, mit bester Vorbereitung, Recherche und kluger Taktik auch gelingt.

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          All das klingt nach einem Märchen und sieht auch so aus, einschließlich der miesen Behandlung, die irgendwann aufhört, und der Bilderbuchfamilien. Sehenswert machen den Film allerdings die Darstellerinnen: Taraji P. Henson in der Rolle der genialen Katherine Johnson (die noch am Leben ist und aus der Hand von Präsident Obama vor einiger Zeit die „Presidential Medal of Freedom“ erhielt) ist von erfrischender Resolutheit; Dorothy Vaughan wird von Octavia Spencer gespielt, und die R&B-Sängerin Janelle Monáe gibt die Jüngste unter ihnen, Mary Jackson, die ihren Zugang zur Abendschule erstreitet. Erstaunliche Frauen, erstaunliche Schauspielerinnen, die bessere Dialoge und eine mutigere Regie verdient gehabt hätten. Aber die Kostüme, die sie tragen, und die Stimmung, die sie verbreiten, die sind erste Klasse.

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