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Oscars 2017 : Nach Panne mit falschem Umschlag: „Moonlight“ holt Oscar als bester Film

  • Aktualisiert am

Einen Moment lang teilen sich die beiden großen Gewinner des Abends die Bühne: Verwirrung um den Oscar für den besten Film. Bild: AFP

In den wichtigen Kategorien räumt „La La Land“ bei den Academy Awards ab. „Moonlight“ aber bekommt den Oscar als bester Film – aber erst im zweiten Anlauf. Der deutsche Kandidat „Toni Erdmann“ geht hingegen leider leer aus.

          „La La Land“ und „Moonlight“ waren die großen Favoriten der Kritiker in der Oscar-Nacht. Und gleich die erste Trophäe des Abends ging an „Moonlight“. Der Schauspieler Mahershala Ali gewann den Oscar als bester Nebendarsteller. Er spielt in dem Drama einen Drogenhändler und Ersatzvater für einen jungen schwarzen Heranwachsenden. Ali zeigte sich sichtlich gerührt von der Ehrung – seine Auszeichnung war erst der fünfte Oscar für einen schwarzen Nebendarsteller.

          Auch der Oscar für die beste Nebenrolle ging mit Viola Davis an eine schwarze Schauspielerin. Gerührt bedankte sie sich für die Ehrung ihrer Darstellung im Drama „Fences“.

          Großer Favorit bei der Preisverleihung war aber das Musical „La La Land“ mit Emma Stone und Ryan Gosling mit vierzehn Nominierungen. Der Film holte insgesamt sechs Trophäen, unter anderem in den Kategorien beste Filmmusik und bester Song.

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          Emma Stone wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Damien Chazelle bekam als jüngster Regisseur in der Geschichte der Oscars die Regie-Auszeichnung für „La La Land“ überreicht. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde das Musical auch in der Kategorie „Bester Film“ ausgezeichnet. Die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway hatten den falschen Gewinner vorgelesen und damit für einige Verwirrung gesorgt. Zuerst verkündeten sie, das Musical „La La Land“ habe in der Hauptkategorie als bester Film gesiegt. Das war aber falsch, die Umschläge waren vertauscht worden. Wenig später stand dann fest: Das Drama „Moonlight“ des schwarzen Regisseurs Barry Jenkins hat den wichtigsten Oscar des Abends gewonnen.

          Als bester Hauptdarsteller wurde Casey Affleck für das Drama „Manchester by the Sea“ ausgezeichnet. Darin spielt er einen traumatisierten Mann, der nach dem Tod seines Bruders in seine Heimatstadt zurückkehrt.

          Deutschland geht leider leer aus

          Deutschland hatte gleich drei Kandidaten im Rennen, ging jedoch in allen Kategorien leer aus. Maren Ades Tragikomödie „Toni Erdmann“ verlor in der Kategorie für den besten nicht-englischsprachigen Film gegen den iranischen Film „The Salesman“. 

          Außerdem nominiert war Regisseur Marcel Mettelsiefen mit seinem Flüchtlingsfilm „Watani: My Homeland“ in der Kategorie Kurz-Doku. Hier ging der Oscar an den „The White Helmets“ über Helfer im syrischen Bürgerkrieg. Und der deutsche Komponist Volker Bertelmann, bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, war mit seinem Soundtrack zu dem Drama „Lion“ nominiert. Diese Auszeichnung ging jedoch an „La La Land“.

          Spitzen gegen Trump

          Zuvor hatte Moderator Jimmy Kimmel bei seinem ersten Oscar-Auftritt etliche Spitzen gegen den amerikanischen Präsidenten Donald Trump abgefeuert. „Ich möchte mich bei Präsident Trump bedanken. Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als jeder gesagt hat, dass die Oscars rassistisch seien?“, sagte Kimmel mit Blick darauf, dass es im vergangenen Jahr viel Kritik an fehlenden schwarzen Nominierten gab. Dieses Jahr sei das anders. „Die Schwarzen haben die Nasa gerettet, die Weißen Jazz, das nennt man Fortschritt“, sagte Kimmel zu Beginn der Verleihung am Sonntag und unter Anspielung auf einige der nominierten Filme.

          Die von Trump als „absolut überbewertet“ bezeichnete Meryl Streep begrüßte Kimmel mit einem besonderen Applaus. Den Siegern riet Kimmel, sich zu freuen, schließlich bekämen sie die Chance, dass der Präsident „in Großbuchstaben über sie twittert, wenn er morgen früh um 5 Uhr Verdauungsprobleme hat“.

          Doch auch Showeinlagen begeisterten die Zuschauer im Saal: Popsänger Justin Timberlake riss mit dem Oscar-nominierten Song „Can’t Stop the Feeling“ aus dem Animationsfilm „Trolls“ die Stars von den Sitzen.

          Auf dem roten Teppich vor dem Dolby Theatre in Los Angeles dominierte diesmal weiße Eleganz bei den weiblichen Stars – von Creme über Champagner bis Perlmutt. Wer sich gegen weiße Roben entschied, griff zum schwarzen Abendkleid. Einige der Stars trugen zu ihren Abendroben und Anzügen kleine blaue Anstecknadeln der Bürgerrechtsbewegung ACLU, die sich unter anderem für Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung von Homosexuellen und gegen die Todesstrafe einsetzt.

          And the Oscar goes to

          Bester Film: Moonlight

          Bester Regisseur: Damien Chazelle (La La Land)

          Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone (La La Land)

          Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck (Manchester by the Sea)

          Beste Nebendarstellerin: Viola Davis (Fences)

          Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali (Moonlight)

          Bester ausländischer Film: The Salesman (Asghar Farhadi)

          Bester Animationsfilm: Zoomania (Byron Howard, Rich Moore und Clark Spencer)

          Bester Dokumentarfilm: Ezra Edelman und Caroline Waterlow (O.J. Made in America)

          Bester Dokumentarkurzfilm: The White Helmets (Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara)

          Bester animierter Kurzfilm: Piper (Alan Barillaro und Marc Sondheimer)

          Bester Kurzfilm: Sing (Kristof Deák und Anna Udgardy)

          Bestes Originaldrehbuch: Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea

          Bestes adaptiertes Drehbuch: Berry Jenkins für Moonlight

          Beste Kamera: Linus Sandgren (La La Land)

          Beste Filmmusik: Justin Hurwitz (La La Land)

          Bester Song: City of Stars (Justin Hurwitz für La La Land)

          Bester Tonschnitt: Sylvain Bellemare (Arrival)

          Bester Ton: Kevin O'Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace (Hacksaw Ridge)

          Bestes Hairstyling und Make-up: Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson (Suicide Squad)

          Bestes Kostümdesign: Coleen Atwood (Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind)

          Bestes Szenenbild: David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco (La La Land)

          Bester Schnitt: John Gilbert (Hacksaw Ridge)

          Beste visuelle Effekte: Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon (The Jungle Book)

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