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Wichtige Oscars nur für Weiße : Man musste sie schon übersehen

Schauspieler und Regisseur Spike Lee will aus Protest der Oscar-Verleihung fernbleiben. Bild: AP

Die Oscar-Verleihung steht bevor, und wieder einmal zeigt sich in Hollywood ein altes Problem. Wie so oft wurden in den wichtigen Kategorien nur Weiße nominiert. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

          Der Martin-Luther-King-Day ist ein guter Tag, darüber nachzudenken, wo die Schwarzen in den Vereinigten Staaten heute stehen, fast 48 Jahre nach der Ermordung des Bürgerrechtskämpfers.

          In einigen gesellschaftlichen Bereichen haben sie die Weißen schon lange hinter sich gelassen und stellen Mehrheiten, die deutlich über ihren Anteil in der Bevölkerung hinausgehen. Sie sind weit vorn, wenn es um lange Haftstrafen für Bagatelldelikte geht oder um versehentliche Erschießungen durch die Polizei. Nicht ganz ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechen hingegen die Auszeichnungen, die schwarze Künstler in Hollywood erwarten dürfen.

          In Hollywood haben Schwarze wenig zu sagen

          Die Präsidentin der American Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Cheryl Boone Isaacs, hat den Tag zum Anlass genommen, ihrem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dass bei den Nominierungen für die Oscars, die von den Mitgliedern ihrer Organisation vorgenommen werden, wieder einmal in den wichtigsten Kategorien nur eine Hautfarbe präsent ist, nämlich Weiß. Der Regisseur Spike Lee und die Schauspielerin Jada Pinkett Smith haben aus demselben Grund am selben Tag einen Boykott der Verleihung ins Gespräch gebracht.

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          Die Oscars sind allerdings nur die Spitze des Problems, das in den Studios beginnt, in denen in der Regel weiße Manager darüber entscheiden, was überhaupt gedreht wird. Vielfalt ist da eher nicht gefragt, das sieht man den Filmen, die viel Geld einspielen, doch an. Und das bezieht sich auf Geschlecht und Hautfarbe ebenso wie auf die Geschichten, die es auf die Leinwand schaffen. Eine alte Klage.

          In England ist die Lage noch trüber

          In diesem Jahr allerdings wurden zwei herausragende Leistungen schwarzer Darsteller übersehen, nämlich Samuel L. Jackson in Tarantinos „The Hateful Eight“ und Idris Elba in „Beasts of No Nation“. Derselbe Idris Elba, den die Academy überging und der übrigens Engländer ist, hat nun in einer Rede vor britischen Fernsehleuten, über die der „Guardian“ vorab berichtete, den Mangel an Rollen für schwarze Darsteller im englischen Fernsehen angeprangert. Und von der „Glasdecke“ gesprochen, an die britische Schwarze dort stoßen. Weshalb er in die Vereinigten Staaten habe gehen müssen, wo er als Stringer Bell in „The Wire“ bekannt wurde, im Anschluss fürs Kino Nelson Mandela spielte und im letzten Jahr eben den sadistischen Kommandanten eines Zugs von Kindersoldaten in einem ungenannten westafrikanischen Land in „Beasts of No Nation“.

          Auch die Engländerin Sophie Okonedo, vor zehn Jahren oscarnominiert für ihre Rolle in „Hotel Ruanda“, sagt, auf magere zwei Angebote aus England kämen „tens and tens“ aus den Vereinigten Staaten. Das scheint auf den ersten Blick verwirrend, auf den zweiten heißt es nur: In England ist die Lage noch trüber. Oder, wie der Amerikaner Clarke Peters, ebenfalls aus „The Wire“, kürzlich zum Thema sagte: Sie werden schon noch merken, dass es hier wie dort genauso elend läuft.

          Quelle: F.A.Z.

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