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Oscar-Verleihung 2013 Hollywood wird fast außeramerikanisch

Die Oscars sind vergeben worden, und nie war mehr Vielfalt. Einen eindeutigen Sieger wie in manchem vergangenen Jahr gab es diesmal nicht, aber zahlreiche Preise für die richtigen Gewinner. Und trotzdem eine ziemliche Fehlentscheidung.

© REUTERS Schon der zweite Oscar für Christoph Waltz

Alte Liebe rostet nicht, aber dass sie derart vergoldet wird, ist doch nicht alltäglich. Zwar war für Michael Hanekes „Liebe“ der Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film fest eingeplant. Und um zehn vor vier am heutigen Morgen war es dann auch soweit. Außer Daniel Day-Lewis als Hauptdarsteller gab es in der vergangenen Nacht keinen Gewinner, der vorab als so sicher gegolten hätte. Aber auch mit „Das weiße Band“ war Haneke vor drei Jahren favorisiert gewesen und hatte am Ende nicht gewonnen. Überraschungen sind bei der Verleihung der Oscars immer möglich. Unangenehme blieben Haneke diesmal jedoch erspart.

Andreas Platthaus Folgen:

Uns nicht. Seth MacFarlane war von den gewohnt hölzernen ProSieben-Moderatoren vor der Preisverleihung als „bekennender Marihuananutzer“ bezeichnet worden. Wenn das stimmen sollte, hat das Kiffen den Komiker sediert statt befeuert. Nach seinen drastischen Scherzen, die er bei der Vorstellung der Nominierungen vor einigen Wochen zum Entsetzen der Verantwortlichen aufs Publikum losließ, hatte man ohnehin einen gezwungenermaßen eher gebremsten Gastgeber erwartet.

Doch MacFarlane legte derart gemäßigt los, dass sein gefeierter Vorgänger Hugh Jackman, der diesmal selbst als Hauptdarsteller im Rennen war und somit nicht noch einmal moderieren konnte, beruhigt zuhören durfte. Bis zu dem Moment, als von der Leinwand herab William Shatner als Käpt’n Kirk aus „Raumschiff Enterprise“ einen Blick aus der Zukunft auf die noch bevorstehende Show warf, in der MacFarlane ein Lied über die Brüste der anwesenden weiblichen Filmstars gesungen haben würde – und dieses Lied wurde denn auch prompt eingespielt. Na ja, für ein Skandälchen hätte es wohl getaugt. Aber es war ja durch die Ankündigung schon entschärft.

Siebzehn Minuten en suite

Live auf der Bühne zu singen also traute MacFarlane sich nicht zu, sollte man als Zuschauer denken. Doch dann tat er es gleich mehrfach in klassischer Hollywood-Manier (croonend, tanzend) – und war fortan befreit, auch von Erwartungen. Kein anderer Moderator dürfte jemals siebzehn Minuten en suite für seinen Auftritt zu Beginn der Show gehabt haben. Und insgesamt war damit auch das Gros seiner Bühnenzeit schon absolviert.

Zum Schluss der dreieinhalbstündigen Zeremonie war MacFarlane kaum mehr auf der Bühne, aber das ist normal in der Dramaturgie dieser Show, die ihren Moderator als Anheizer nicht selten auch gleich verheizt. so auch diesmal.

Von Jahr zu Jahr wechselt die Abfolge der Oscar-Kategorien während der Preisverleihung, nur das Finale blieb immer gleich: Bester Regisseur und bester Film wurden als letzte ausgezeichnet. Das wurde diesmal umgeworfen: Die Hauptdarsteller schieben sich zum Finale dazwischen.

161315087 Ben Affleck - sein Film „Argo“ wurde mit dem Oscar geehrt © AFP Bilderstrecke 

Und als erster wichtiger Oscar kam diesmal gleich zum Auftakt ein weiterer Schauspielerpreis: der für den besten Nebendarsteller. In dieser Sparte waren gleich drei Hollywood-Superstars nominiert (Robert De Niro, Philip Seymour Hoffman, Tommy Lee Jones), und es gewann doch Christoph Waltz für „Django Unchained“. Wer glaubte, damit sei ein Zeichen für den weiteren europäischen Verlauf der amerikanischen Nacht gesetzt, der sollte sich im Laufe der Nacht bestätigt sehen.

Über die Sprachgrenzen blicken

Doch zunächst wurden „Brave“ (auf deutsch „Merida – Legende der Highlands“) von der Disney-Tochter Pixar und das reine Disney-Produkt „Paperman“ („Im Flug erobert“) als bester langer und kurzer Trickfilm ausgezeichnet. Um in diese uramerikanische Domäne vorzudringen, muss man wohl Hayao Miyazaki heißen oder an der Ludwigsburger Filmhochschule Animation studiert haben. Doch da gab es diesmal nichts. Schade, dass auf diesem Feld in Hollywood so wenig Neugier auf fremdsprachige Produktionen besteht.

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