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Oscar-Nominierungen : Schwarz oder Weiß?

Schwarze Sicht: Das Drama „Moonlight“ mit Alex Hibbert in der Rolle des jungen Chiron ist für viele Kritiker der Film des Jahres. Bild: AP

Die Filme „Moonlight“ und „La La Land“ sind die Favoriten für die Oscar-Verleihung. Geht es also diesmal vor allem um die Frage der Hautfarbe?

          Schwarz sein in Amerika – das ist kein glamouröses Thema, nie gewesen, und es wird nicht besser, wie es aussieht. Fast nie ist es Thema in Filmen aus Hollywood. In den vergangenen Jahren war es auf jeden Fall nicht Thema jener Filme, die sich Chancen auf einen Oscar ausrechnen konnten. Und keines für jene, die schließlich Oscars gewannen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          In Hollywood war genau dies – dass ein Teil der Wirklichkeit des Landes kein Thema seiner Filme war – in den vergangenen Jahren ein immer wiederkehrendes Thema der Oscar-Nächte. Mit der Frage: Wo sind die Filme von Schwarzen oder ethnischen Minderheiten auf der Liste der Nominierten? Wo bleiben die Nominierungen wenigstens für die nicht-weißen Schauspieler und Schauspielerinnen, wenn sie denn mal eine Rolle in den Geschichten ergattert haben, in denen sie nur am Rand vorkommen? Und an die Frage schloss sich die Bitte an, die schließlich zur lautstarken Forderung wurde: Könnten die weißen, die alten Männer in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (von der die Oscars vergeben werden) bitte einmal zur Seite treten und aufhören, uns den Blick auf die Welt zu verstellen?

          Aus den ziemlich turbulenten Reaktionen vor und während der Oscar-Verleihung im vergangenen Jahr hat die Academy (die in Cheryl Boone Isaacs eine afroamerikanische Präsidentin hat) ihre Schlüsse gezogen. Sie hat 683 neue Mitglieder eingeladen, davon sind knapp die Hälfte Frauen und 41 Prozent nicht-weiße Künstler. Am 26. Februar, wenn die Oscars in Los Angeles verliehen werden, werden wir sehen, ob sich dadurch etwas verändert hat.

          Den Nominierungen voraus ging die Awards Season, die nicht umsonst so heißt: Die Anzahl der Auszeichnungen, die zwischen Oktober und der Oscar-Nacht verliehen werden, ist fast unüberschaubar. Die Lieblinge der Kritik und der Gilden mendeln sich heraus. Bis vor kurzem, nämlich bis zu den Golden Globes, sah es so aus, als gäbe es einen haushohen Favoriten. Das war „Moonlight“ von Barry Jenkins. Der Film eines schwarzen Regisseurs nach dem Stück eines schwarzen Autors, Tarell Alvin McCraney. Beide sind jünger als 40. Der Film über einen schwarzen Jungen in einer schwarzen Gegend Miamis, der zu sich und zu seiner Sexualität findet. Ein Film ohne eine einzige Rolle für einen Weißen. Ungewöhnlich erzählt, traurig und wunderbar.

          Kritiker waren sich landesweit einig

          Selten gab es eine so weitflächige Hingabe an einen Film wie im Fall von „Moonlight“. Die großen Zeitungen waren sich einig wie die kleinen, die Online-Publikationen wie die Fachzeitschriften. Auch auf den internationalen Bestenlisten des Jahres 2016 steht der Film ganz oben. An diesen Film, den amerikanische Kollegen feierten wie eine Offenbarung, gingen mehr Kritiker-Preise quer durchs Land als an irgend einen anderen – von Los Angeles (da gewann „Moonlight“ vier Preise) nach New York (drei) und zurück nach San Francisco (sechs). Aber nicht nur in den Küstenstädten ging das so, selbst in Dallas/Fort Worth (drei Trophäen), Indiana (ebenfalls drei), Phoenix (drei) und Florida (zwei) gewann „Moonlight“ vor allen anderen. Und auch in den landesweiten Abstimmungen steht der Film weit oben auf den Bestenlisten. Inzwischen sind es 45 Auszeichnungen, die er als „bester Film“ des vergangenen Jahres erhalten hat.

          Dann kamen die Golden Globes. Und da sah es bis kurz vor Schluss plötzlich so aus, als werde „Moonlight“ bei sechs Nominierungen mit leeren Händen nach Hause gehen. Das lag an „La La Land“, der sieben Globes gewann, darunter den als bester Film in der Kategorie Komödie/Musical. Nur der allerletzte, der Golden Globe für das beste Drama, bei dem „La La Land“ keine Konkurrenz war, der ging dann doch noch an „Moonlight“.

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