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Video-Filmkritik: „La la Land“ : Romantik verboten? Nicht, solange ich noch da bin

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Film „La La Land“ von Damien Chazelle ist ein Traumtanz durch das Leben und die Künste. Er hat Bilder und Musik, die einem das Herz aufgehen lassen.

          Es gibt zwei Möglichkeiten, dem morgendlichen Verkehrschaos in Los Angeles zu entkommen: Entweder man dreht durch, lässt das Auto bei laufendem Motor stehen und begibt sich auf einen einsamen Rachefeldzug durch die Großstadt. Das ist die Variante von Michael Douglas, dem zu Beginn von „Falling Down“ der Schweiß aufs Lenkrad tropft, während vor ihm die Autos im kilometerlangen Stau stehen. Nichts geht mehr weiter, das Leben ist ausweglos. Der Großstadtbewohner beherrscht nur noch hässliche Four-Letter- Words und vergrätzten Zynismus.

          Die andere Möglichkeit, die sich auf einem verstopften Autobahnkreuz in L.A. bietet, ist ein Stepptanz über Zeiten und Autodächer hinweg - zu singen und zu tanzen, bis auch der letzte Asphaltkönig aus seinem Kraftfahrzeug purzelt, mitgerissen wird vom Vibe einer Big Band, die plötzlich auf einer Lkw-Ladebühne aufspielt, als gäbe es keine dunklen Wolken am Morgenhimmel, als sei genau jetzt der richtige Moment, um alle Sorgen los- und alle Träume freizulassen. Der Stau als perfekter Ausgangspunkt für ein gemeinsames Freudenfest der Bewegung und des Lebens - so beginnt „La La Land“, der neue Film von Damien Chazelle. Mit einer grandiosen, überbordenden Musicalnummer, mit der gleich alles aufgefahren wird, was er an perfekter Choreographie, Kameraführung und retroschickem Szenenbild zu bieten hat.

          Was danach kommt, das ist der Versuch, den großen Übermut, das funkelnd Lebhafte der ersten Bilder einzufangen und auf die Erzählung einer klassischen Kino-Liebesgeschichte zu übertragen: Mia (Emma Stone) ist nach Hollywood gezogen, um Schauspielerin zu werden, hat es aber nur in die Cafeteria auf dem Studiogelände von Warner Brothers geschafft. Sie hetzt von einem demütigenden Vorsprechen zum nächsten und kommt doch nie über die ersten Sätze hinaus. Auf einer Poolparty lernt sie Sebastian (Ryan Gosling) kennen, einen talentierten Jazzpianisten mit zweifarbigen Schuhen, der von Miles Davis und der Eröffnung eines eigenen Clubs träumt, aber bisher seinen Unterhalt nur mit Hintergrund-Melodien in einem Sternerestaurant verdient. Bald tanzen die beiden im Sonnenuntergang, hören alten Jazz auf Vinyl, gehen ins Arthouse-Kino zur James-Dean-Vorstellung und danach an den Original-Drehort (dem berühmten Planetarium aus „Rebell Without a Cause“).

          Nicht nur für Musical-Freunde

          Solange Sommer ist und sie träumen, geht alles gut. Aber als der Herbst kommt und Sebastian als Keyboarder in der populären, aber seelenlosen Jazz-Rock-Band eines Schulfreundes (R’n’B-Star John Legend in seiner ersten Kinorolle) anheuert, auf einmal genug Geld, aber keine Zeit mehr hat, bekommt die phantastische Vorstellung von einem gemeinsamen Leben schnell Risse. Träumen konnten sie gut miteinander, Karriere machen sie besser alleine.

          „La La Land“, ein alter Spitzname für Los Angeles - die Stadt der funkelnden Lichter und verglühenden Sterne -, ist ein Film zwischen den Genres und Zeiten. Es gibt genügend Lied- und Tanzsequenzen, um das Ganze ein Musical zu nennen, es wird gesteppt, gepfiffen und gesungen, was das Zeug hält. Justin Hurwitz, der schon bei „Whiplash“, (Chazelles erstem großen Erfolgsfilm von 2014) die Musik komponierte, hat Songs geschrieben, die man sofort nachsummen kann, Mandy Moore Choreographien erfunden, denen man stundenlang zuschauen möchte. Aber - und das ist das besondere Geschick des Films - die Musical-Elemente dominieren nicht, lassen die Dialoge und Darsteller nicht hinter einer bonbonhaften Fassade verschwinden, sondern verstärken die zärtlich melancholische Grundstimmung des Films. Deshalb wird „La La Land“ auch jenen Zuschauern gefallen können, die sich sonst aus dem Genre „Musical“ nicht viel machen.

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