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Oscarverleihung 2017 : „Neben Leonardo DiCaprio ist es besonders nett“

  • -Aktualisiert am

Monica Enriquez bei den Emmys Bild: FAZ

Was zum Teufel ist ein „Seat Filler“? Genau das was der Name impliziert. Wir haben kurz vor der diesjährigen Oscarverleihung mit einer Profiplatzhalterin gesprochen.

          Frau Enriquez, müssen Sie oft erklären, was Sie als „Seat Filler“ machen?

          In Los Angeles selten. Hier wachsen die Leute mit Preisverleihungen auf. Die Oscars, Emmys und Grammys kennt jedes Kind. Wenn die Kamera das Publikum zeigt, müssen alle Plätze besetzt sein. Das ist die Aufgabe der Seat Filler. Sobald ein Prominenter während der Fernsehübertragung auf die Toilette oder an die Bar geht, springen wir ein. Meistens während der Werbepause, damit die Zuschauer vor dem Fernseher nichts davon mitkriegen.

          Dann wird bei den Preisverleihungen also gemogelt?

          Nein, aber wer hält es schon aus, drei oder vier Stunden so konzentriert still zu sitzen, dass er bei jedem zufälligen Kameraschwenk eine gute Figur abgibt? Manchmal muss sich ein Prominenter auch überraschend zurückziehen. Bei den Emmys vor ein paar Jahren saß ich hinter Sofía Vergara, als ihr Kleid über dem Po aufplatzte. Sie wurde in Sekundenschnelle nach draußen gebracht, wo ein Schneider die Robe zunähte. In der Zwischenzeit nahm ein Seat Filler ihren Platz ein.

          Wann saßen Sie das erste Mal auf dem Platz eines Prominenten?

          Bei den Screen Actors Guild Awards vor zwölf Jahren. Eine Freundin, die als Produktionsassistentin arbeitete, suchte damals Seat Filler. Die Preisverleihung der Schauspielergewerkschaft gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen. Man bekommt dort mehr von den Stars mit, weil man mit ihnen am Tisch sitzt.

          Was macht einen guten Platzhalter aus?

          Er muss vor allem in der Lage sein, Anweisungen zu folgen. Ein Seat Filler ist eine Art Puppe. Sie muss schnell am zugewiesenen Platz sein, darf aber nicht auffallen. Dazu gehört, dass man gepflegt ist und Abendgarderobe trägt. Ich habe immer drei oder vier Kleider im Schrank, um vorbereitet zu sein. Selbstverständlich dürfen wir die Celebritys nicht um ein Autogramm bitten oder ansprechen.

          Bei der Oscar-Gala vor zwei Jahren hat der Moderator Neil Patrick Harris im Dolby Theatre aber sehr unterhaltsam mit einigen Seat Fillers gesprochen.

          Wir dürfen antworten, wenn uns ein Prominenter anspricht. Solange er nicht den ersten Schritt macht, ist uns aber nicht mal ein „Hallo“ erlaubt. Bei Verstößen ist es mit der Platzhalterei vorbei.

          Bekommen Sie ein Honorar, oder muss die Nähe zu den Prominenten als Belohnung reichen?

          Leider werden Seat Filler nicht bezahlt. In Los Angeles bewerben sich Tausende. Für weltberühmte Veranstaltungen wie Oscars und Grammys gibt es Wartelisten. Für mich ist es ein Hobby neben meinem Beruf als Personalberaterin, um ein bisschen vom Glamour mitzubekommen und die Stars hautnah zu erleben. Eine Preisverleihung hat eine ganz besondere Atmosphäre – eine Mischung aus Spannung, Neugier und der Erwartung, dass etwas Unerwartetes passieren könnte.

          Wem drücken Sie am Sonntag die Daumen für einen Oscar?

          Mir gefällt der Musicalfilm „La La Land“ am besten. Wegen der wunderbaren Aufnahmen von Los Angeles und der Tanzszenen. Und natürlich Ryan Gosling.

          Neben welchem Star haben Sie bislang den schönsten Abend verbracht?

          Neben Leonardo DiCaprio. Er war unheimlich nett, hat mich nach meinem Namen gefragt und sich mit mir unterhalten. An Julia Roberts habe ich auch gute Erinnerungen. Sie hat im vergangenen Jahr Smalltalk mit mir gemacht, als wir uns bei den Screen Actors Guild Awards getroffen haben. Die meisten Celebritys sind höflich zu uns Lückenbüßern.

          Neben welcher Celebrity würden Sie bei den Oscars am Sonntag am liebsten den leeren Platz füllen?

          Leo! Jederzeit wieder!

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