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Deutsche Oscar-Party : „Er will mit uns feiern!“

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Ganz in Schwarz: die Deutschen Sandra Hüller (links) und Maren Ade Bild: Reuters

Bei Pasta, Salat und kalifornischem Chardonnay ist auf der deutschen Party in Los Angeles eine Oscar-Hoffnung nach der anderen geplatzt. Trotzdem jubelten die rund 300 Gäste zwischendurch.

          Der erste Dämpfer erreichte das Rooftop des Hotel Andaz knapp eineinhalb Stunden nach Jimmy Kimmels Begrüßungsmonolog. Während die Besucher der Viewing Party am Sunset Boulevard erwartungsvoll auf die Leinwand starrten, öffnete Shirley MacLaine auf der Bühne des Dolby Theatre zwei Kilometer entfernt den roten Umschlag. „And the Oscar goes to ... ,The Salesman‘ von Asghar Farhadi“, verkündete die Hollywood-Veteranin und begrub damit alle Hoffnungen, mit „Toni Erdmann“ den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nach Deutschland zu holen.

          Die Schauspielerin Lucy Russell, die in Maren Ades Tragikomödie eine Bekannte der Hauptdarstellerin Sandra Hüller spielt, nahm es gelassen. „Die amerikanische Filmakademie hat die richtige Wahl getroffen. Farhadi ist ein großartiger Regisseur“, sagte die Britin. In diesen Zeiten gehe es nicht nur um Filmkunst. „Es geht vor allem um Menschlichkeit und darum, etwas über die Welt zu lernen“, spielte Russell auf Farhadis Oscar-Boykott an. Der iranische Filmemacher hatte die Reise nach Hollywood abgesagt, als der neue amerikanische Präsident Donald Trump Ende Januar ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Ländern verhängte.

          Bei Pasta, Salat und kalifornischem Chardonnay

          Das liberale Hollywood zieht seitdem noch offener gegen Obamas Nachfolger zu Felde. Nach Meryl Streeps Rede bei den Golden Globes rief Jodie Foster am Freitag bei einer Kundgebung in Beverly Hills zu Widerstand gegen Trump auf. Am selben Tag veröffentlichte die Wahl-Berlinerin Maren Ade mit den ebenfalls für einen Auslands-Oscar nominierten Regisseuren aus Dänemark, Schweden, Australien und Iran einen offenen Brief. „Unabhängig von jedem Gewinn sind wir davon überzeugt, dass es kein bestes Land, kein bestes Geschlecht, keine beste Religion und keine beste Hautfarbe gibt“, warnten die Filmemacher vor Fanatismus und Nationalismus in den Vereinigten Staaten.

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          Das Statement, das Farhadi die amerikanisch-iranische Astronautin Anousheh Ansari in der Oscar-Nacht im Dolby Theatre verlesen ließ, traf bei den Besuchern der Viewing Party auf offene Ohren. „Die Welt in Kategorien wie ,Wir‘ und ,Feind‘ zu unterteilen, löst Angst aus“, sagte die Stellvertreterin des Regisseurs. Die etwa 300 Gäste des Medienunternehmens German Films jubelten.

          Bei Pasta, Salat und kalifornischem Chardonnay warteten sie nach Ansaris Auftritt auf die zweite deutsche Oscar-Hoffnung. In der Kategorie „Bester Dokumentarkurzfilm“ hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) bei der 89. Preisverleihung Marcel Mettelsiefens Produktion „Watani: My Homeland“ nominiert. Der 39 Jahre alte Kriegsreporter musste die schon formulierte Dankesrede in der Nacht zu Montag aber in der Tasche lassen. Nach einem Exkurs über Momente, die das Leben verändern, kürte Salma Hayek den britischen Film „White Helmets“ zum Gewinner. Die Besucher des Rooftop applaudierten leicht enttäuscht, während der Regisseur Orlando von Einsiedel in seiner Dankesrede das Ende der Auseinandersetzungen in Syrien forderte.

          Es platzte auch die letzte deutsche Oscar-Hoffnung

          Um die Stimmung im Hotel Andaz zu retten, schickte Jonas Dornbach, neben Maren Ade und Janine Jackowski Produzent von „Toni Erdmann“, eine Textnachricht aus dem Dolby Theatre. Die Besucher sollten bitte noch nicht nach Hause oder ins Hotel gehen. „Er will mit uns feiern. Nach der Oscar-Gala wird eine Tanzfläche aufgebaut!“, kündigte eine Stimme aus dem Lautsprecher an. Als Samuel L. Jackson nach fast drei Stunden auf der Leinwand erschien, um den Preisträger in der Kategorie „Beste Filmmusik“ zu küren, stellte sich für einen Augenblick wieder Spannung ein. Der Düsseldorfer Komponist und Pianist Volker Bertelmann, genannt Hauschka, war mit Dustin O’Halloran für die Musik zu der Filmbiografie „Lion – Der lange Weg nach Hause“ nominiert worden. Nach ein paar Sekunden platzte aber auch die letzte deutsche Oscar-Hoffnung. Die Trophäe ging nicht ins Rheinland, sondern blieb beim „La La Land“-Komponisten Justin Hurwitz in Kalifornien.

          Öffnen

          Erst der Fauxpas der Moderatoren Faye Dunaway und Warren Beatty, die Damien Chazelles Musical „La La Land“ anstelle des Filmdramas „Moonlight“ als „Best Picture“ ausriefen, ließ am Sunset Boulevard wieder Stimmung aufkommen. „Ich freue mich riesig für ,Moonlight‘. Der Film ist so verdammt menschlich“, sagte Lucy Russell und verschwand in ihrem geranienroten Paillettenkleid des britischen Designers Bruce Oldfield auf die Tanzfläche. Nach einem Abstecher zu Wolfgang Pucks Governors Ball trafen auch Maren Ade und ihre Hauptdarsteller Sandra Hüller und Peter Simonischek auf dem roten Teppich des Andaz ein.

          Ob sich nicht doch Enttäuschung breitgemacht hat, als Asghar Farhadis „The Salesman“als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde? „Nein, wirklich nicht. Wir haben das erwartet. Auch in Hollywood ist Farhadi vielen Leuten bekannt“, sagte Ade. „Das Ganze sollte man auch nicht nur politisch sehen. Die amerikanische Filmakademie hat eine Entscheidung über Kunst gefällt“, sagte Hüller. Und die Oscar-Verleihung selbst? „Am Anfang war es spannend, dann wurde es langweilig“, spielte Simonischek auf die entgangene Goldtrophäe an. „Bei Beattys Umschlag wurde es aber wieder lustiger.“

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