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Ortsnamen auf dem iPad : Nach Prömsel!

  • -Aktualisiert am

Abbiegen bei Mömpelgard: Auf der aktualisierten Form des iPad der supermodernen Firma Apple finden sich Ortsnamen wie zu Kaisers Zeiten.

          Vergessen wir die Kälte. Bald kommt der Frühling, also die ideale Zeit für einen Kurztrip nach Frankreich. Schon mal in Beffert gewesen? Oder im schönen Bisanz? Das ist ganz leicht zu finden: Man fährt auf der Autobahn immer Richtung Nanzig und und biegt bei Mömpelgard ab. Die Ortsnamen klingen vielleicht etwas komisch, aber sie müssen stimmen. Denn so und nicht anders heißen Belfort, Besançon, Nancy und Montbéliard auf der aktualisierten Form des iPads der supermodernen Firma Apple.

          Auch im Osten alles auf dem neuesten Stand von circa 1910. In Tschechien wimmelt es nur so von Städten namens Freiwaldau, Freudenthal oder Reichenau an der Knieschnau. Ist doch auch lästig, immer diese unaussprechlichen Hatscheks und slawischen Konsonantenwüsten, die uns Deutschen spätestens seit 1945 auch in Polen so auf die Nerven gehen. Darum schreibt Apple eben stur Braunsberg statt Bydgoszcz und Kolberg statt Kołobrzeg. Das mag ja aus Nostalgie noch angehen, aber sogar hinten an der ukrainischen Grenze, wo uns eigentlich eine Stadt namens Przemyśl dünkte, steht hier der ulkige Name Prömsel.

          Immerhin, Litzmannstadt und Gotenhafen hat man uns gnädig erspart. Dafür dürfen wir dann in der Slowakei in allgermanischer Herrlichkeit schwelgen, wenn wir tief im Osten Städte wie Deutschendorf, Stroppkau oder Großmichel finden. Frage sich nur keiner, wie die Orte wirklich heißen. Und wer sich auf den Weg nach Ungarn macht, dürfte dort schicksalhaft zwischen Stuhlweißenburg, Ruppertiberg und Fünfkirchen stranden. Am allerbesten wohl, man hat stets einen Atlas aus Kaisers Zeiten mit im Gepäck. Das Umschalten auf Übersetzung bringt uns auf dem iPad leider nicht recht weiter, denn da verändern sich alle Schriften - wer weiß schon, was Lemberg oder Belgrad auf Kyrillisch und Damaskus auf Arabisch heißen? Ein namenloser Wirrwarr.

          Konsequent eurogermanisch ist unsere Computerkarte aber keineswegs. Das niederländische Nimwegen übersetzt sie noch. Doch in Nordschleswig, wo tatsächlich eine wackere deutsche Minderheit lebt, ist an der Landesgrenze Schluss. In Tønder und Åbenrå gibt es dänisch-politische Korrektheit und kein Tondern oder Apenrade mehr. Unentschlossenheit, wohin man blickt, denn die Hauptstadt Sloweniens heißt kompromisslos Laibach, die Kapitale Kroatiens jedoch keineswegs Agram, sondern Zagreb. Vielleicht ist das geographisch-historische Gebilde Europa ja schlicht zu komplex fürs Computerzeitalter. Wohin aber die Reise gehen soll, das hat ein programmierender Erdkundetrottel hier komplett aus dem Auge verloren. Da reicht ein Blick auf die „Sächsische Schweiz“, die wir mitten im Wallis zwischen Martigny und Sitten finden. Dann schon lieber ein Trip nach Mömpelgard.

          Quelle: F.A.Z.

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